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Traumaheilung » Das Gefühl etwas verpasst zu haben

Das Gefühl etwas verpasst zu haben

von | 27.11.2020 | 3 Kommentare

Mit dem heutigen Video möchte ich erneut auf eine Anfrage näher eingehen:

„Kannst du ein Video explizit über das Gefühl des ´Verpasst habens´ machen? Mich belastet das sehr – durch Entwicklungstraumafolgen habe ich dieses Gefühl sehr oft, seltsamerweise war es mir aber schon als Kind vertraut. Ich bin irgendwie von etwas getrennt, beschnitten, zu wenig verbunden, ich kann etwas nicht leben, ich habe etwas ´verpasst´. Egal wieviel Therapie ich mache und was ich erlebe, dieses Gefühl bleibt. Das ist ein ganz bestimmter Schmerz und mich würde interessieren ob ihn andere auch kennen…“

Vielleicht kennst du das ja auch und stellst dir die gleichen oder ähnliche Fragen.

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Leider gibt es keinen Weg um dieses Gefühl herum zu kommen.

Der Gedanke, ganz viele Jahre des eigenen Lebens nicht wirklich gelebt zu haben, ist erstmal sehr niederschmetternd.
Weil es einfach eine Tatsache ist.
Du bist nicht richtig da, du bist immer wieder dissoziiert oder kämpft immer wieder mit negativen Gefühlen und Gedanken.
Vielleicht magst du dich sogar nicht.

Wenn du zurückschaust, egal ob es dir gerade besser geht oder auch nicht so gut, dann wirst du mit dem Umstand von verlorenem Leben und verlorener Zeit konfrontiert.

Was macht man damit?

Weinen!

Weil es etwas ist, was betrauert werden will.
Wir bekommen diese verlorene Zeit einfach nicht wieder!
Das ist eine der bitteren Folgen von Trauma, wie ich finde.

Wir verschwenden so viel Lebenszeit mit den Auswirkungen unserer Geschichte.
Und es beschäftigt uns immer wieder. Auch wenn wir ein gutes Leben haben, gibt es Zeiten, in denen uns die Dinge von früher erneut beschäftigen.
Oder wir spüren die alten Verletzungen.

Es geht darum zu erkennen, dass das Leben einfach so ist!

Dagegen ständig anzukämpfen, ist aus meiner Sicht nicht hilfreich.

Verletzungen und Schmerz gehören zum Leben dazu.
Das Leben ist keine flache Linie. Es ist auch nicht nur „oben“, aber es ist auch nicht nur „unten“.

Ich weiß von vielen Menschen, dass sie das Gefühl von Trauer haben, von dem Gefühl:
„Ich habe etwas verpasst!“

Es gibt nichts weiter zu tun, außer das zu betrauern!
Und zu sehen, was man vielleicht Gutes daraus gemacht hat, was man bis heute schon erreicht hat.

Weitergehen…

Es gibt Zeiten, in denen du dein Leben und das, was heute ist, gestalten und genießen kannst.
Und wenn du die Traurigkeit und den Schmerz über alle deine Verluste spürst, dann gib auch dem einen Raum.

Es ist ein Trauerprozess über diese verlorene Zeit und über das, was du verpasst hast.

Du bist nicht alleine damit. Vielleicht tröstet dich das ein wenig und gleichzeitig ist es dein alleiniges Leben.
Es ist dein persönlicher Verlust und es ist deine Kraft, die dich weitergehen lässt.

Mitgefühl für dich entwickeln

Du brauchst einen Weg, um Mitgefühl an dieser Stelle für dich zu haben.
Und Mitgefühl mit dem, wie es eben ist. Das empfinde ich als sehr hilfreich.

Mitgefühl mit sich selbst zu entwickeln ist ein großer Schritt und kann vieles erleichtern.

Weil du damit aufhören kannst gegen etwas zu kämpfen, was zu dir gehört.
Und du kannst gnädiger mit dir selbst zu sein, wenn es eben mal nicht so läuft, wie du es gern hättest.

Danke und sei lieb zu dir!

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3 Kommentare

  1. Godiva

    Ich habe das Verpasst haben und dass das Leben an mir vorbei gegangen ist lange nicht so empfunden. Bis zu dem Zeitpunkt als mir klar wurde, dass ich aus Angst, aus eingeschränkter Gesundheit und aus Mangel an finanziellen Möglichkeiten bis heute nicht Verreisen kann. Alles hat bis heute gerade mal für das Nötigste gereicht, mein Mut, meine Energie, mein Geld. Bis auf einmal.
    Ich weiß auch noch nicht, wie ich das ändern kann. Jahre habe ich gebraucht meinen schlechten gesundheitlichen Zustand zu verbessern, gegen viele Widerstände von Ärzten und unserem Gesundheitssystem. Und ich habe es geschafft!! Aus eigener Kraft!!!

    Meinen Traum mit einem Campingbus einfach loszufahren, die Zeit des Unterwegsseins zu genießen… dazu fehlt mir trotz aller Anstrengungen das Geld. Das brauche ich für meine Gesundheit. Der Mut wird schon kommen, unterwegs, das habe ich oft genug erlebt.

    Von vielem weiß ich bis heute nicht, wie es geht. Mich am Leben erhalten und mich in Sicherheit bringen ja, das weiß ich. Doch wie ich meine Fähigkeiten versilbere oder Menschen erkenne, die mir wohlgesonnen sind, auch das habe ich noch nicht lernen und leben können.

    Und nun sitze ich da mit meiner tiefen Trauer, streife durch die Wälder in meiner Nähe und sauge Naturbegegnungen auf, wie ein trockener Schwamm. Das gibt mir Kraft, physisch und psychisch. Die Coronarichtlinien allerdings geben ihr eigenes dazu, dass ich mich dann doch abgeschnitten fühle.

    Ja, heute bin ich traurig.
    Sehr!

    Antworten
  2. Ulrike

    Ja, es tut sehr weh, zu erkennen, dass ich 60 Jahre versäumt habe, ich zu sein, aus unsäglicher Angst davor, dann nicht geliebt zu werden, wenn ich ICH bin. Und das Fatale: Ich wurde auch als die Rolle nicht geliebt, die ich eingenommen habe. Es ist kein Trost, darüber zu weinen, das macht es für mich noch schlimmer. Ich lebe weiter, lerne aber auf jeden Fall, Menschen nicht mehr an mich ranzulassen, die mich anders haben wollen. Es ist gut zu wissen, dass es anderen Menschen auch so geht mit dem Schmerz über die verlorene Lebenszeit. Und: Wer weiß, was noch an wundervollen Momenten kommt? Es kann so vieles dadurch wieder gut werden! Niemals gebe ich die Zuversicht auf.

    Antworten
  3. Ute Strauß

    Das war einer meiner größten seelischen Schmerzen, dieses Gefühl, als meine Kinder noch kleiner waren, gute Zeit mit ihnen verpasst zu haben, weil ich zu sehr mit meinen Verletzungen beschäftigt war und oft abwesend war. Und nur der Gedanke bringt mich schon wieder zum Weinen…
    Danke für deinen sehr mitfühlenden Beitrag, Liebe Dami.

    Antworten

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