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Wie Trauma zu einem Denkfehler führen kann

von | 08.07.2017 | 0 Kommentare

Haben Menschen schreckliche Dinge erlebt, die ihr Leben massiv beeinflussen, so neigen sie dazu alles in der Gegenwart darauf zurück zu führen. Immer wieder erlebe ich bei Klienten, dass sie annehmen ihr Leben sei vollkommen anders und nur einfach, wenn nur ihre Vergangenheit anders gewesen wäre. Dies mag zu einem Teil stimmen… Doch zu einem großen Teil sehr wahrscheinlich auch nicht.

In diesem Video gehe ich auf diesen Denkfehler ein.

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Transkript

In meinem heutigen Beitrag geht es um einen Denkfehler. Was ich immer wieder bei Klienten erlebe, ist, dass sie denken, alles was im Leben passiert vor allem, was nicht gut ist und bei ihnen im Leben nicht klappt, darauf zurückzuführen ist, was damals war, es vor allem auf das erlebte Trauma zurückzuführen ist.

Was wäre, wenn…

Ohne jede Frage haben traumatische Ereignisse, sowohl Schocktrauma als auch entwicklungstraumatische Ereignisse eine profunde Wirkung auf uns. Das will ich nicht in Frage stellen.

Dennoch macht es uns einfach unglücklich, wenn wir eine eindimensionale Vorstellung davon haben, wie das Leben wäre, wenn das nicht gewesen wäre. Diese Vorstellung ist oft falsch oder übertrieben. Häufig gibt es die Idee, das Leben wäre total gut, wenn ich all das nicht erlebt hätte und was heute im Leben schief läuft, die Katastrophen und wie man damit umgeht, immer darauf zurückzuführen ist, was damals war.

Mit diesem Denken macht man sich meiner Meinung nach sehr unglücklich, weil es viel zu eindimensional ist. Gleichzeitig gibt es diese vage Idee, wie schön das Leben eigentlich sein kann und zwar dann nur schön. Das wage ich zu bezweifeln. Das ist ein Zuschreibungsfehler.

Die Vorstellung vom schönen Leben

Ich will es noch ein bisschen deutlicher machen. Wenn ich zum Beispiel mit Klienten arbeite, die Stress mit Sexualität haben, gibt es natürlich die Idee, dass es die Probleme nur gibt, weil in der Vergangenheit ein sexueller Übergriff stattgefunden hat. Ganz sicher hat es eine Auswirkung, das will ich überhaupt nicht in Frage stellen. Dennoch frage ich ganz gerne, wie stellst du dir denn vor, wie Menschen Sexualität leben, die keinen Übergriff erlebt haben oder diese Probleme nicht gehabt haben?

Ich höre immer wieder die Antwort, ja, die haben keine Probleme, die haben kein Problem einen Orgasmus zu bekommen, die haben kein Problem in einer Liebesbeziehung zu sein, das läuft alles fantastisch, die haben immer Lust, die haben immer Lust an ihrem Körper und, und, und…..

Darauf sage ich häufig, ok, dass ist eine tolle Idee, aber ich kenne praktisch niemanden, bei dem das so ist. Rein statistisch haben ca. 50% aller Frauen Orgasmusprobleme. Überhaupt wenige Menschen können von sich sagen, dass sie total glücklich mit ihrem Körper sind und sich darin zu Hause fühlen.

Das Leben ist voller Herausforderungen

Das heißt, wir haben eine völlig übertriebene Idee, wie ein intaktes Leben aussieht. Meiner Meinung nach geht es darum, anzuerkennen, dass das Leben auch voller Probleme und Schwierigkeiten ist, es dazu gehört, krank zu sein, Katastrophen geschehen, Schmerz und Verletzung passieren. Das ist nicht etwas, was mir nur passiert, weil ich diese Vergangenheit hatte, sondern weil das Leben so ist, wie es ist.

Ich kann lernen immer besser mit den Schwierigkeiten umzugehen Die schönen Tage und Seiten besser zu genießen und mehr Fülle und mehr Freude in mir zu spüren.

Dennoch wird das Leben immer seine Herausforderung behalten und zwar nicht weil ich falsch bin oder weil ich es verdient habe oder will ich die Vergangenheit habe, sondern weil das Leben so ist.

Einen Umgang mit dem Leben zu finden

Wenn wir Geschichte anschauen oder Biographien lesen, wissen wir jeder Mensch hat bestimmte Herausforderungen zu meistern, jeder Mensch hat Schmerzen erfahren. Wenn wir heute Leute feiern, die erfolgreich sind oder die etwas für uns besonderes geschafft haben, übersehen wir oft den Weg, den sie vorher gegangen sind, die Fehler, die sie gemacht haben, die Schmerzen, die sie erlitten haben bis sie überhaupt an dem Punkt angekommen sind.

Und ich möchte dir Mut machen zu sagen: So ist das Leben und ich lerne immer besser damit umzugehen.

Ich führe nicht alles, was mir passiert auf meine Vergangenheit zurück, weil das mir auch vermittelt, da werde ich nie rauskommen, das wird immer so bleiben. Erst wenn ich tausend Jahre Therapie gemacht habe, dann erwarte ich, dass alles schön ist.

Wir können nicht alles durchschauen

Wie gesagt, ich glaube, es gilt ein bisschen Demut vor dem Leben zu lernen und von der Größe des Lebens von der ich keine Ahnung habe, was es bedeutet oder weshalb Dinge so sind oder dass ich nur den Sinn erfassen könnte.

Ich erinnere immer wieder gern daran, dass es Dinge in unserem Leben gibt, die wir jetzt als total toll empfinden und ein Jahr später denken wir, um Gottes willen.

Und ebenso umgekehrt, wir heute Dinge erleben, die wir als unangenehm oder sogar schrecklich empfinden und in ein, zwei Jahren denken wir, das ist das Beste, was mir passieren konnte.

Also in diesem Sinne ermutige ich dich dem Leben ein bisschen anders entgegenzutreten. Das Auf und Ab darin mehr zu sehen als Teil vom Leben und nicht als etwas was mir begegnet, weil ich diese Geschichte habe.

Das war es für heute. Ich hoffe, es war anregend für dich!

Bis zum nächsten Mal!
Dami

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