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Die Kunst des Zweifelns

16.12.2019 | 0 Kommentare

Hallo,

nun geht das Jahr in großen Schritten dem Ende entgegen und ich muss zugeben, ich freue mich auf die stillen Tage nach Weihnachten. Diese Zeit „nutze“ ich, um einfach mal ein Buch zu lesen, das alte Jahr Revue passieren zu lassen und mich innerlich auf das neue Jahr vorzubereiten.
Ich liebe diese stillen Tage „zwischen den Jahren“, in denen das Alte noch nicht ganz vorbei ist und das Neue noch nicht begonnen hat.

Welch eine Erholung!

Stille und die Kunst des Zweifelns

Letzte Woche hatten wir unsere Team-Tage und das bedeutet, den ganzen Tag zusammenzusitzen, Projekte anzuschauen und zu planen, sich auszutauschen, sich gemeinsam zu ärgern über die Dinge, die nicht funktionieren und viel zusammen zu lachen J….

Abends haben wir unser gemeinsames Weihnachtsessen „zelebriert“.

Wir sind wirklich ein wunderbares Team und wir haben es gut miteinander.

Und doch ist es auch anstrengend und herausfordernd. Am zweiten Tag war ich in der Mittagspause ohne mein Team im Café – und kurz ganz alleine mit mir. Ich habe meinen entkoffeinierten Milchkaffee getrunken und auf einmal habe ich die Welt um mich herum anders wahr genommen – es wurde ganz still in mir. Mein Körper machte tiefe Atemzüge und ich landete wieder in mir.

Wann holst du mal Atem?

Unsere Welt ist so schnell und ständig wird etwas an uns herangetragen. Stille kann uns helfen, zu uns selbst zu kommen, auf eine Art und Weise, die kaum möglich ist, wenn wir ständig beschäftigt sind. Es gibt inzwischen immer mehr Menschen, die Stille mehr fürchten als Lärm und eine hohe Geräuschkulisse.

In der Stille spüren wir uns und es kommen Gedanken und Gefühle ans Licht, die wir sonst nicht zulassen. In der Stille können wir uns wiederfinden und ordnen. Wir können spüren, wo wir gerade sind. In der Stille kommen aber auch Zweifel und wir hören diese innere Stimme lauter, die uns kritisiert oder uns sagt, dass wir falsch sind oder etwas nicht gut genug machen. Diese Stimme ist oft schwer zu ertragen, vor allem, wenn sie sehr vernichtend ist.

​Nur wer zweifelt, lernt!

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wohl sein könnte, keinerlei Selbstzweifel mehr zu haben und völlig überzeugt von mir zu sein …
Ich stelle dann fest, dass das wahrscheinlich ein recht friedlicher Zustand ist, aber wäre dann noch Wachstum und Entwicklung möglich?

Meine Zweifel…

  • lassen mich Fragen stellen und Dinge als „nicht gegeben“ nehmen.
  • lassen mich immer weiter lernen und neugierig sein.
  • sorgen dafür, dass ich mich selbst nicht zu ernst nehme und nicht allen meinen Gedanken glaube.
  • lassen mich wachsen.
  • haben Veränderungen zur Folge.

Und auf all das möchte ich um nichts auf der Welt verzichten … auch wenn „zweifeln“ manchmal unangenehm ist.

Zweifeln ist eine Kunst

Machen wir es zu wenig, werden wir ignorant, machen wir es zu viel, verlieren wir jedes Selbstbewusstsein.

Meiner Erfahrung nach sind es die Fragen, die ich mir selbst stelle, die die Qualität meiner Zweifel ausmachen. Unser Gehirn wird uns alle Fragen beantworten, die wir ihm stellen – auch die, die uns gar nicht wirklich bewusst sind und die wir uns eigentlich gar nicht stellen müssten. Das sind z.B. Fragen wie: „Wo lauert die Gefahr“? Oder: „Warum bin ich so blöd“? Alles Fragen, die wir kennen und unser Gehirn wird uns eine Antwort darauf geben.

Würden wir uns aber andere Fragen stellen, solche, die netter, positiver und effektiver für uns wären, so wird uns unser Gehirn auch darauf eine Antwort geben. Das sind z.B. Fragen wie: „Wie kann ich lernen, das Leben noch mehr zu genießen und mich an Dingen und Menschen zu erfreuen?“ oder „Woher weiß ich das, warum nehme ich an, dass das wahr ist?“

Vielleicht gibt es andere Fragen für dich, die deine Lebensqualität verbessern?

In der Stille kann ich meinen Gedanken und meinen Fragen näherkommen und zuhören – auch wenn das manchmal kein Spaß ist. Doch nur so kann ich meinen Kopf mit der Zeit „um“erziehen. Selbst wenn du die Stille am Anfang vielleicht nur kurz aushältst, es könnte sich lohnen.

Gerade die Tage nach all der Weihnachtshektik eignen sich für diese stille Einkehr.

Mein Kopf ist so viel ruhiger als früher, und ich denke nur noch selten schlecht über mich oder mache mich selbst nieder. Mein Kopf ist so viel freundlicher zu mir selbst und der Welt geworden.

Das wünsche ich dir auch!

Von ganzem Herzen!
Eine ruhige Weihnachtszeit!

Ganz herzliche Grüße
Dami

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