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Die Macht des Wortes „und“

von | 16.10.2020 | 5 Kommentare

Es gibt ein sehr mächtiges Wort, das wir im Alltag ständig benutzen, ohne uns klar zu machen, was es wirklich bedeutet.

Das ist das Wort „und“.

Manchmal ist es nur ein Füllwort oder eine Aufzählung.
Aber manchmal bedeutet es wesentlich mehr für uns.

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Das Wort „und“ hat eine Bedeutung

Es bedeutet: „sowohl – als auch.“

Wir leben in einer Welt, die sehr dual ist. Das heißt, wir leben im „Entweder – Oder“.
Auch von unserer Evolution her sind wir oft in Dualität gefangen.
Wenn es mir schlecht geht, kann es mir nicht gut gehen.
Wenn du „böse“ warst, dann kannst du nicht mehr gut sein.

Je mehr wir mit Trauma zu tun hatten, desto mehr haben wir Schwierigkeiten mit den ganzen Grautönen.

Es gibt alle möglichen Nuancen von „gut“ und auch von „böse“

Allein, dass wir mit diesen Worten aufwachsen, macht schon viel mit unserer Wahrnehmung von der Welt und auch von uns selbst und von anderen Menschen.
Wir denken, wenn ich etwas falsch mache, kann ich nicht richtig sein.
Oder wenn ich gut sein will, dann darf ich nie böse sein.
Das bringt sehr viel Stress und auch sehr viel Enge in unser Leben.

Es gibt unterschiedliche Gefühle

Wir lernen das Wort „und“ in einem Alter, wo wir verstehen, dass es unterschiedliche Gefühle gibt, und wir anfangen sie in uns wahrzunehmen. Das ist eine ganz große Errungenschaft!

Es gibt eine Phase, in der Kinder sagen: “Mama, ich finde dich blöd – und – ich hab dich lieb.“
In dieser Phase lernen sie, dass sie mehr als ein Gefühl in sich tragen und auch halten können.

Wenn diese Phase nicht gut läuft, weil die Eltern in einer bestimmten Form ablehnend reagieren oder das Kind dafür bestrafen, dann denken wir, es ist immer nur ein Gefühl möglich.
Wir lernen das so. Und irgendwann ist das dann auch gar nicht mehr möglich, weil wir die Kapazität nicht entwickelt haben für dieses sehr wichtige Wort „und“.

Dieses „und“ führt dazu, dass wir beispielsweise in Beziehungen Streit haben können – und – trotzdem das Gefühl behalten können, verbunden zu sein.
Wir können einen schlechten Tag haben – und – das Gefühl haben, dass unser Leben in Ordnung ist.
Oder wir können auf unsere Geschichte zurückblicken und sehen, dass wir viel Schlechtes erlebt haben – und – wir das Beste daraus gemacht haben.

Traumatisches Wachstum

Damit meine ich nicht irgendeine Art von Verklärung, ich hätte mir das Trauma gewünscht oder es wäre gut gewesen! Nein, es war nicht gut. Es wäre bestimmt toll gewesen, wenn es nicht dagewesen wäre – und – es hat auch etwas mit meinem Leben gemacht.
Etwas, was auch gut war. Weil ich bewusster mit mir umgehe, bewusster mit Verletzungen und vielleicht auch mit anderen Menschen.
An dieser Stelle hat es auch Gutes in mein Leben gebracht.

Es ist eben nicht nur schwarz und nicht nur weiß

Auch im Kontakt mit anderen Menschen ist das so.
Ich kann sagen, dass ich dich total nett finde – und – es gibt Dinge, die stören mich.

Es ist eine Fähigkeit, dass wir unterschiedliche Gefühle und Wahrnehmungen gleichzeitig in uns halten können, ohne immer gleich auf eine Seite zu springen.
Es macht einen riesigen Unterschied, wenn ich Gefühle, Wahrnehmungen und Gedanken gleichzeitig in mir halten kann!

Das ist jetzt gerade schief gegangen – und – im Großen und Ganzen läuft es gut.

Evolutionär sind wir immer ausgerichtet auf das Schlechte. Da ist eine mögliche Gefahr, das heißt, unser ganzer Fokus geht dahin, wo etwas nicht funktioniert.
Das macht unser Leben eng und nicht schöner.

Lerne beides im Fokus zu behalten

Du kannst mal probieren, zwei Dinge gleichzeitig in deiner Wahrnehmung zu halten.

Nimm wahr, was passiert denn dann in dir? Verändert sich dann irgendetwas?
Wird eventuell etwas weiter? Oder wird es unangenehmer?

Du kannst das für dich ausprobieren.
Und es ist ein wirklich großer Lernschritt, vor allem emotional, zwei oder sogar noch mehr Gefühle gleichzeitig in dir halten zu können, ohne auf eine Seite zu gehen.

Probiere es einfach mal aus.
Das braucht Zeit. Es ist fast wie eine Meditation. Etwas, was wir lernen müssen, Schritt für Schritt.
Und es lohnt sich sehr, das hinzubekommen, weil dann die Welt wesentlich weniger schwarz-weiß ist und dadurch viel mehr Weite bekommt.

Das war meine Anregung für heute. Ich freue mich, dass du da bist.
Ich glaube, dass es in diesem ganzen Feld von Traumatisierungen viel zu lernen gibt über uns selbst und wie wir die Welt wahrnehmen. Da liegen viele Schlüssel drin.

Falls du Interesse an meiner Arbeit hast, dann kannst du meine Seite traumaheilung.de. besuchen. Du kannst dir dort das kostenfreie E-Book „Trauma verstehen“ herunterladen.

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5 Kommentare

  1. Jil Derjong

    Hi Dami, es ist gerade kurz nach 1 Uhr Nachts und ich bin gerade auf deine Seite gestoßen. Der Text allein vermittelt schon sehr viel Weite und ich fühle mich sofort verstanden.
    Das Gefühl alleine auf einer Seite zu stehen und kein Verständis zu bekommen, begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Ich beschäftige mich nun seit ca. 4 1/2 Jahren mit der Reise durch meine Traumata aus der Kindheit und bin froh immerwieder auf so wunderbare Seiten zu stoßen, welche mir zeigen, dass ich nicht alleine damit bin.
    Vielen Dank dafür und LG Jil 🙂

    Antworten
  2. Nicole St.

    Liebe Dami,
    danke für den tollen Blogbeitrag! Noch vor 10 Jahren kannte ich wirklich nur schwarz oder weiß, ohne jegliche Zwischentöne, dies hat sich zum Glück durch meine Therapie geändert, und JA, es macht das Leben viel weiter und schöner, auch wenn es harte Arbeit ist, wie alles andere auch. 🙂 Ich rutsche zwar auch immer wieder in diese Schiene zurück und verliere die Verbundenheit zu meinen Mitmenschen, bin dann wieder „falsch“, inzwischen merke ich es aber zum Glück oftmals selbst oder werde von meinen Kindern, Freunden oder meiner Therapeutin liebevoll „draufgestupst“. Ich kann wirklich nur jedem empfehlen, traut euch daran zu arbeiten, es lohnt sich wirklich!!
    Dank deines Blogs ist mir bewusst geworden, was ich bei diesem Thema bereits für mich erreicht habe. Vor allem bin ich dankbar, dass dieser Entwicklungsschritt bei meinen Kindern gut gelungen ist, DAS macht mich am glücklichsten! 🙂
    Und ich denke für meine Umwelt bin ich dadurch nicht mehr ganz so extrem anstrengend, auch wenn es noch SO viele andere Themen gibt, aber es sind ja die kleinen Erfolge die es zu feiern gilt. 🙂
    Und was ich zum Glück für mich inzwischen auch schaffe ist, zu sehen, wie meine Kinder auch die letzten Jahre durch die Auseinandersetzung/Aufarbeitung mit meiner Traumageschichte „profitieren“.
    DANKE, dass Du durch deine Blogs hilft diese Dinge ins Bewusstsein zu bringen, dies hilft ungemein!!🌷
    Herzliche Grüße, Nicole

    Antworten
  3. Sabine Vossel

    Liebe Dami, das ist ein ganz ganz toller Beitrag und so wahr. Ich werde fleißig üben und bin total gespannt, was es mit mir macht DANKE

    Antworten
  4. Irmtraud Kuhn

    Liebe Dami,
    ich habe eben deinen Beitrag zu dem Wort und gehört. Er hat mich an vieles erinnert, Altes und auch Neues.
    Ich habe viel Schlechtes und Schwieriges erlebt und ich habe das Beste daraus gemacht. das kann ich heute sagen, das war nicht immer so.
    Mein Leben und die Sicht auf die Welt hat sich durch deine Arbeit verändert. Ich habe mich immer umarmt und getragen dabei gefühlt und ich konnte im Alltag darauf zurückgreifen und heute noch immer.
    Heute kann ich, auf all das Schlechte und Schwere zurückschauen und ich bin stolz auf mich und das was ich erreicht habe.
    Deine Arbeit berührt und beeindruckt mich immer wieder.
    Danke für alles.

    Antworten
    • Dami

      Vielen Dank!

      Antworten

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