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Dissoziation – Die Abspaltung von mir selbst

06.12.2018 | 10 Kommentare

​Dissoziation ist ein sehr großes und umfassendes Thema zudem bereits viele Bücher geschrieben wurden. Heute geht es um einen Aspekt zu dem ich öfter mal befragt werde.

Was bedeutet Dissoziation überhaupt?

Dissoziation ist eine Abspaltung von mir selbst. Dabei spalten wir meistens einen oder mehrere Teile von uns ab. Gefühle etwa, die wir nicht aushalten konnten. Das ganze soll unserem Schutz dienen.Diese abgespaltenen Gefühle kommen dann in eine Art „inneren Keller“ und werden aus unserem Alltagsbewusstsein ausgelagert.

​Jeder Mensch dissoziiert

Es gibt kaum Menschen, die nicht an irgendeiner Stelle oder auf irgendeine Art und Weise in ihrem Leben mal dissoziativ sind.Im Falle einer Traumatisierung dissoziieren wir zwar Gefühle die nicht zu ertragen sind, trotzdem bleiben diese Gefühle aber noch vorhanden.
Wenn wir Überwältigung erfahren gibt es den Moment, wo es zu einer „Systemabschaltung“ kommen kann. Wenn alles zu viel, zu schnell, zu grauenerregend ist, schalten wir ab. In dem Augenblick gibt es so etwas wie einen Filmriss.Das System geht aus der totalen Übererregung, aus dem Kampf-und Fluchtmodus, in den Shut-Down. Dieser Erstarrungszustand ist hoch korreliert mit späterer Dissoziation.

​Dissoziation ermöglicht Funktion

Wir funktionieren also weiter, was auch wichtig ist, denn ohne Funktion gehen wir ziemlich schnell kaputt, landen vielleicht in der Psychiatrie oder werden „verhaltensauffällig“, weil wir uns nicht mehr an die Umstände anpassen können, in denen wir uns gerade bewegen.Wir leben eine ANP – Anscheinend normale Persönlichkeit– die einfach weiter funktioniert, bei der die Emotionen aber abgespalten sind.
Dissoziation heißt nicht, in Erstarrung zu sein oder Ohnmächtig zu sein – obwohl das bei manchen Menschen auch passieren kann – sondern im Grunde heißt es, dass Du durch Dein Leben läufst Dich dabei aber nicht spürst.Das Problem ist, dass wenn ich dann meine Gefühle spüren möchte, kommen nicht nur die positiven Gefühle hoch, die alles angenehmer und lebendiger machen, sondern all die anderen Gefühle, die ich in den Keller gesperrt habe, sagen auch wieder : „Hallo!“
Ein dissoziativer Zustand kann hochfunktional sein, Menschen sind teilweise super leistungsfähig.Sie fühlen sich aber nicht. Dann brechen sie oft später an irgendwelchen Punkten zusammen. Oder ihre Beziehungen funktionieren nicht, weil plötzlich fühlen gefragt ist.

​​Entweder Alles oder Nichts

Leider können wir uns nicht aussuchen was wir fühlen. Entweder bin ich weg von meinen Gefühlen als Schutzmechanismus – oder ich bin da und werde mit allen Gefühlen die man fühlen kann konfrontiert.Dann haben viele Menschen den Eindruck, sie werden überschwemmt von ihren Gefühlen und drohen darin zu ertrinken.Wenn ich mich dann wieder hoch kämpfe, wie ein Boxer im Ring, wieder in den Funktionsmodus gehe, spalte ich erneut meine Gefühle ab und das Dilemma fängt von vorne an.
Das funktionale Ich ist aber nicht automatisch das gesunde Ich. Das eine muss mit dem anderen nichts zu tun haben.Als „gesund“ bezeichne ich, wer Zugang zu angenehmen und unangenehmen Gefühlen hat und sich in seinem Körper spüren kann.
​Ich hoffe, dies erklärt dir Dissoziation ein bisschen mehr.

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10 Kommentare

  1. Heike Eichenmüller

    diese informativen Videos sind für mich sehr hilfreich. Ich kann vieles besser nachvollziehen und verstehen. Ich kann nun mein eigenes Tempo bestimmen, um meine Verhaltensweisen besser reflektieren zu können.
    Herzlichen Dank, für Deine tolle Arbeit.
    Heike Eichenmüller

    Antworten
  2. anne

    Hallo Dami,ich möchte Danke sagen für diese sehr hilfreiche Seite,
    und den Hinweis geben,das der Link zur Mitgliederseite anscheinend nicht richtig gesetzt ist.

    https://traumaheilung.de/anmeldung-mitgliederseite/

    Der geschriebene Text ist richtig aber das Linkziel hat einen Tipfehler vorne bei „https:“
    Man gelangt nicht auf die gewünschte Seite.

    L.G. Anne

    Antworten
    • Marc Sweeren

      Hallo liebe Anne, vielen Dank!
      Ich habe den fehlerhaften Link soeben korrigiert. Nun sollte alles funktionieren.
      Herzliche Grüße, Marc

      Antworten
  3. Tommi

    Ich finde das wirklich unglaublich wie ausführlich du etwas in Worte fassen und auch ganz grundsätzlich beschreiben kannst, wirklich ganz fantastisch, Danke. LG

    Antworten
  4. Vincent

    Liebe Dami,
    eine Psychologin diagnostizierte mir die Multiple Persönlichkeitsstörung, die ja heute unter die DIS fällt. Das schräge war damals das diese mich als ANP aus der Therapie aus schloss und nur mit den abgespaltenden Anteilen arbeiten wollte. Manchmal bekam ich mich mit. Saß da als kleines Mädchen oder Bub. Jugendlicher oder auch als ein anderer Erwachsener. Es gab dabei Zeiten wo ich dann komplett raus aus dem Leben war. Und nur noch Anteile bzw. andere Personen vorne waren. Einmal fehlte ich fast ein halbes Jahr in der Therapie. Und mit fehlen nach wie vor Erinnerungen. Aus der Zeit wie auch aus Zeiten davor wie danach. Dann war ich in einer Psychosomatischen Klinik und man sagte mir ich wäre nicht Multiple, alles nur abgespaltene Gefühle. Doch nun in der letzten Zeit geht das ganze Drama wieder los. Und ich weiß selbst schon nicht mehr was ich überhaupt noch glauben kann und darf. Vor allem weil jetzt eine Psychologin für DIS privat behauptet ich wäre doch multiple. Ich pack das einfach langsam nicht mehr, weil ich es nicht verstehe wie das alles sein kann. Wie kann ein Abgespaltener Anteil ca. 30km mit einer Flasche Whisky innerhalb von 6,7 Stunden tun und ich im Anschluss körperlich überhaupt davon nichts nachspüren? Wie kann der eine total fit bei bestimmten Themen sein und ich davon überhaupt keine Ahnung haben? Es gäbe x Bsp. die ich jetzt benennen könnte. Ich weiß das es Menschen/ Wesen gibt die multiple Menschen ganz bewusst herstellen für ihre Zwecke. Da gehöre ich zum Glück nicht dazu. Dennoch frage ich mich ob es überhaupt Heilungschancen gibt bei der Multiplen PS. Ich meine damit, dass am Ende tatsächlich nur noch eine Person da ist. Behandelt ihr auch die MPS? Bin ja nicht weit weg von Göttingen. Dann würde ich mal persönlich nachfragen. Früher war irgendwie alles noch geordneter in meinem Leben. Es wurde gearbeitet, ich fühlte mich wohl in meiner Wohnung, in meiner Stadt etc. Doch seit Abbruch der Therapie von Seitens dieser Therapeutin im Laufe des OEG Verfahrens bin ich nur noch auf der Flucht. Kämpfe jeden Tag als ginge es nur noch ums überleben. Auch weil ich viele merkwürdige und krasse Dinge durch Menschen/ Ämter etc. erleben durfte. Ich will endlich Ruhe und Frieden, will ankommen in mir, an einen Ort wo ich sagen kann hier bin ich Zuhause. Doch wo kann und soll das sein wen ich mich ständig durchs Äußere verfolgt fühle bzw. ja auch wurde. Meine innere Sicherheit ist wie die äußere komplett abhanden gekommen. Ich danke dir, falls du die Zeit hast mir darauf antworten zu können. Herzliche Grüße Vincent/ ehemals Susanne PS. Ich finde das du ein Supervorbild bist! Und das schreibe ich dir nicht nur aus meinen Erzieheraugen 🙂

    Antworten
    • Dami

      LIeber Vincent, erstmal danke für das Kompliment. Ich gebe leider keine Einzeltherapie mehr und ich kenne mich auch mit DIS nicht wirklich aus. Ich kann sagen, dass es sicher nicht sinnvoll ist den ANP aus der Therapie auszuschließen, aber ich würde mir die Therapie einer DIS nicht zutrauen, das fände ich verantwortungslos. Deswegen kann ich dir auch nicht viel sagen und dies ist auch der falsche Ort dafür. Ich wünsche dir einfach, dass du eine gute Therapeutin findest, die dich gut unterstützt. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
      • Vincent

        Hallo Dami,
        danke für deine ehrlichen Worte!
        Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg.
        PS. Und einen guten entspannten Rutsch heute. Liebe Grüße Vincent

        Antworten
  5. Katharina

    Hallo Dami,
    seit ein paar Tagen schaue ich deine Videos und finde deine Beiträge sowohl verständlich als auch umfassend.
    Seit etwa 10 Jahren leide ich schon an Dissoziationen und habe schon unterschiedliche Therapien kennengelernt. Leider werde ich meine Alltagsdissoziationen auf der Arbeit und unter Freunden trotzdem irgendwie nicht los. Meistens sehen meine Dissoziationen so aus, dass ich sehr oft einen Filmriss habe, manchmal sehe ich mich auch aus dritter Person. Anschließend bin ich sehr oft sehr müde und zu nichts mehr zu gebrauchen.

    Gibts irgendwie eine Möglichkeit dieses „Symptom“ jemals wieder loszubekommen oder muss ich mich darauf einstellen, dass ich jetzt einfach damit leben muss, mehrfach wöchentlich zu dissoziieren?
    Bald geht meine Verhaltenstherapie auch noch zuende und die Krankenkasse bezahlt mir auch keine weitere Verhaltenstherapie… muss ich mich gegen Ende meiner Therapie also damit abfinden, dass ich das sowieso nicht geheilt bekomme…?
    Viele Menschen wissen im Moment der Dissoziation auch nicht, wie sie damit umgehen sollen und wollten auch schon öfter den Notarzt verständigen…

    Viele Grüße und ein großes Lob an deine Arbeit, Katharina

    Antworten
    • Dami

      Liebe Katharina, selbstverständlich ist dieser Zustand veränderbar!Dissoziation entsteht aus einem Mangel an Selbstregulationsfähigkeit und ist irgendwann einfach auch ein Notausgang für den Körper und die Psyche. Man kann damit arbeiten! Ein wichtiger Schritt ist, deinen Körper wieder fühlen zu lernen. In meinem Onlinekurs „Mit Trauma leben“ gebe ich dazu ganz viele Anleitungen oder du suchst dir irgendwann mal einen körperorientierten TraumatherapeutIn.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten

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