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Die Auswirkungen unserer Glaubenssätze

von | 11.07.2017 | 0 Kommentare

Glaubenssätze oder Glaubenssysteme. Was ist das eigentlich? Kurz gesagt sind es die Überzeugungen, die unser Leben leiten.

​Glaubenssysteme sind wie eine Brille

Du kannst dir Glaubenssysteme vorstellen wie die Brille, durch die du die Welt wahrnimmst. Dabei ist die Welt bei weitem nicht so, wie wir denken, dass sie wäre. Wir können Realität nicht wahrnehmen.

Das ist für uns schwer zu schlucken, weil wir natürlich alle von uns glauben, dass wir diejenigen sind, die die Welt wirklich und richtig sehen und alle anderen sie womöglich ein bisschen verschoben wahrnehmen. Zumindest sind wir uns ziemlich sicher, dass wir sie richtig wahrnehmen.

Stimmt unsere Wahrnehmung?

In einer Studie zur Aufmerksamkeit, dem Gorilla-Experiment, haben sich Studierende ein kurzes Basketballspiel angesehen und wurden gebeten die Ballwechsel einer Mannschaft zu zählen. Während des Spiels lief ein Mann in einem Gorillakostüm quer über das Spielfeld und trommelte sich auf die Brust. Anschließend wurden die Zuschauer gefragt ob sie etwas Ungewöhnliches gesehen hätten. Nur ca. 50 % hatten den Gorilla gesehen.
Wir können davon ausgehen, dass wir vor Allem das sehen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten und wovon wir schon überzeugt sind oder annehmen, dass es da ist. Aber woher kommt der Fokus unserer Aufmerksamkeit?

Emotionale Erlebnisse prägen unsere Überzeugung

Wir lernen schneller, stärker und tiefer – es bildet sich mehr Gedächtnis – je emotionaler wir etwas erlebt haben. Traumatische Erlebnisse sind hoch emotionale Erlebnisse und vor allem auch relevant für unser Überleben. Das heißt, sie prägen sehr deutlich Überzeugungen. Wir fangen an auf diesem Erlebnis bestimmte Überzeugungen aufzubauen. Dann sehen wir leider die Welt durch den Filter dieser Überzeugungen. Es ist nicht ganz leicht, sich bewusst zu werden, dass unsere Wahrnehmung nicht unbedingt die Wahrheit ist.

Überzeugungen prägen unsere Wahrnehmung​

Diese Überzeugungen sind die Brillen durch die wir die Welt sehen. Das ist inzwischen ziemlich gut erforscht. Unsere Überzeugungen färben und gestalten unsere Wahrnehmung. Wir sehen die Welt nicht wie sie ist, sondern wie wir glauben, dass sie ist. Es gibt nichts, was wir wahrnehmen ohne dass wir es interpretieren. Wir glauben der Interpretation.

Die Interpretationsfalle​

Ein Beispiel: wenn ich ein Seminar gebe, bin ich sowieso schon gestresst. In diesem Zustand nehmen wir Dinge anders wahr. Wir interpretieren sie im allgemeinen negativer, wenn wir schon im Kampf oder Fluchtmodus sind, denn ab einer bestimmten Erregungsstufe sind wir das.

Wenn ich sehe, dass ein Teilnehmer die Augenbrauen hochzieht – wie meine Mutter, wenn sie damals skeptisch war – und ich denke dieser Teilnehmer ist auch skeptisch, bin ich mir nicht bewusst, dass das meine Interpretation ist. Ich weiß doch gar nicht, warum die Person gerade jetzt die Augenbraue hochzieht. Dann habe ich vielleicht das Gefühl die Person mag mich nicht. Das verunsichert mich natürlich.

Eine Reaktion darauf kann sein, ich schneide die Person aus meiner Wahrnehmung heraus. Ich schaue die Person nicht mehr an. Irgendwann fällt es dieser Person auf und sie denkt, wieso guckt sie mich denn nicht an? Was ist denn los? Kann sie mich nicht leiden?

Hinterfrage Deine Interpretationen​

Deswegen frage dich ab und zu mal, könnte ich das noch anders interpretieren? Gäbe es noch andere Möglichkeiten?

Glaubenssätze bilden sich bei jeder traumatischen Erfahrung. Je jünger man war, desto globaler und eindringlicher sind sie oft und umso mehr leiten sie unser Leben.

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