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Ist das lustig? Trauma und Humor – ein zweischneidiges Schwert

27.06.2019 | 0 Kommentare

Trauma und Humor, da muss es keinen Zusammenhang geben. Aber wenn du ein humorvoller Mensch bist, wird dich die Dynamik, die Humor haben kann, bestimmt interessieren.

Nicht alle können über sich selbst lachen

Humor – und vor allem die Fähigkeit über sich selbst lachen zu können – zeugt davon, dass du eine Metaebene und somit ein Beobachter-Ich hast. Das Beobachter-Ich ist eine wichtige Ich-Funktion, die wir als Kinder lernen, wenn wir z.B. gespiegelt werden, oder wenn uns z.B. jemand gefragt hat „ Wie geht es dir?“, „Wie war die Schule?“ etc.

Ein Beobachter-Ich heißt ganz einfach, ich kann mein eigenes Verhalten, mein eigenes Denken, meine eigenen Gefühle beobachten. Kinder lernen das, in dem sie über sich erzählen und von Anderen gespiegelt werden. In dem Moment wo ich etwas über mich erzähle, werde ich „zur dritten Person“, z.B.: „Gestern bin ich ins Café gegangen und habe dort gelesen.“ – dann erzähle ich über mich und nehme sozusagen die Position dieser 3. Person ein.

Daraus entsteht das sogenannte Beobachter-Ich.

Das ist etwas, das wir im Laufe unseres Älter-werdens  immer mehr erlernen. Humor hilft uns Abstand zu bekommen und kann helfen eine andere Perspektive einzunehmen.

Humor kann eine Notmaßnahme gegen das versinken in emotionalen Flashbacks sein.  Traumatische Erinnerungen und Emotionale Flashbacks sind quasi das Gegenteil von innerem Abstand.
In diesen Momenten ist das Beobachter-Ich nicht mehr vorhanden und man versinkt in der Erinnerung, als wäre sie jetzt wieder real. Man gerät in einen emotionalen Strudel, der einen verschluckt.

Sinn oder Unsinn von Humor

Humor braucht also ein Erwachsenen-Ich, ein Beobachter-Ich und man muss Humor gelernt haben. Nicht jede/r von uns ist mit Humor ausgestattet. Sicherlich kennst du die Situation: Du machst einen Witz und dein Gegenüber wird blank und versteht gar nicht was daran lustig sein soll?
Oder du machst einen „witzigen Spruch“ und schon bist du ins Fettnäpfchen getreten.

Natürlich gibt es unterschiedliche Ausprägungen von Humor. Aber viele Menschen haben große Schwierigkeiten überhaupt mit Humor umzugehen, weil sie sich sehr schnell angegriffen fühlen anstatt sich über sich selbst ein bisschen lustig machen zu können.

Humor ist kein Affront und kein Angriff, Humor ist eine Möglichkeit, mit sich und anderen Menschen in einen erwachsenen Kontakt zu treten. Denn das ist die eigentliche Eigenschaft von Humor:  Erwachsen sein und Verbindung schaffen!

Humor als Abwehr von Verletzlichkeit

Es lohnt sich also, Humor zu lernen, vor allem Humor über sich selbst, weil es vieles leichter macht.  Aber Humor hat manches Mal noch eine andere Funktion, sozusagen eine dunkle Seite.

Ich kann mit Humor z.B. Gefühle abwiegeln. Wenn mich etwas berührt, wenn mich etwas traurig macht, wenn mich etwas ärgert, kann ich über einen „lockeren Spruch“ immer die „Energie“ verändern, die grade entsteht.

Man kann sagen, Humor kann meine Energie beeinflussen. Und nicht nur meine, sondern auch die in einem ganzen Raum. Wenn ich durch Humor bestimmte Gefühle kontrolliere oder unterdrücke, kann dies etwas sein, dass mich am Wachstum und an der Integration meiner Geschichte hindert.

Das passiert, wenn ich immer, wenn ich mir selbst (oder jemand anderes) nahe komme und  ich die Gefühle und Energien, die dann entstehen nicht mehr aushalte, einen Spruch oder Witz mache.
Dadurch bin ich wieder „raus“ aus dieser Energie. Das ist eine Möglichkeit,  Nähe und Berührung zu vermeiden. Wenn zwischen mir und einer anderen Person ein Gespräch entsteht und wir kommen uns verbal näher, werde ich berührbarer und damit auch verletzlicher – „Zack“ und dann mache ich einen Spruch.
Darüber zerstöre ich diese Form von Kontakt und Berührbarkeit. So kann Humor irgendwann auch zu einem Schutzwall werden, nicht nur gegenüber anderen Menschen sondern auch mir selbst gegenüber. Das ist tragisch.

Humor als Ressource

Auf der anderen Seite kann Humor auch eine riesige Ressource sein. Er bewahrt mich davor, immer wieder in ein „Traumaloch“ zu fallen.
Er hilft auch, z.B. bei Streitereien in einer Beziehung oder Freundschaft, dem Konflikt die Schärfe zu nehmen. Unser erwachsenes Ich wird darüber wieder aktiviert.

Wer kennt es nicht? Es bahnt sich ein Streit an und ich weiß genau, ich sollte die Dinge, die mir auf den Lippen liegen, nicht sagen. Und ehe ich mich versehe, habe ich die Worte ausgesprochen.
Mein Beobachter –  Ich sagt mir: „Wenn du das jetzt sagst, weißt du, das es zu ganz viel Ärger führen wird“! Meist höre ich aber nicht auf diese Stimme und schon sprudeln die Worte aus meinem Mund.
An der Stelle könnte mich mein Humor „retten“. Eine nicht ganz erst zu nehmende Bemerkung könnte die Wogen glätten. Einen Versuch wäre es auf jeden Fall wert.

Selbstbeobachtung

Hast du schon einmal an dir selbst oder an deinem Gegenüber erlebt, dass du immerzu lächelst, auch wenn du ein eher unangenehmes Ereignis erzählst!?

Beobachte dich einmal selbst, wenn du etwas von dir erzählst, was nicht schön ist. Lächelst du dabei? Oder kannst du dich ernst nehmen? Oder ist es dir unangenehm?

Viele von uns haben gelernt, Schmerzen, Traurigkeit, berührt sein etc. wegzulächeln. Das hat dann mit Humor gar nichts mehr zu tun.

Das ist dann eher ein Dissoziieren.

Vielleicht spürst du dein Lächeln auch gar nicht und bist eher verwundert über die Reaktion deines Gegenübers, das eine völlig andere Reaktion zeigt als die, die du erwartest hast.

Trau dich, das wahrzunehmen und vielleicht auch nachzufragen! Und wenn du ganz mutig bist, erzähle deine Geschichte ohne zu lächeln und beobachte, was in dir passiert.

Fazit

1. Humor zeichnet sich durch seine vielen Facetten aus.
2. Humor ist etwas, dass man mit Bedacht einsetzen sollte.
3. Humor ist eine Möglichkeit, sein Erwachsenen – Ich zu aktivieren
4. Humor schafft Kontakt
5. Humor schafft Verbindung
6. Humor hebt die Stimmung
7. Humor hebt die Energie
8. Und vieles mehr!

Eine letzte Frage: „Wie setzt du Humor für dich ein“?

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