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Perfektionismus – wenn man nie genug ist

von | 17.09.2021 | 0 Kommentare

Perfektionismus begegnet uns ständig in unserem Alltag.
Für die einen ist Perfektionismus der Antrieb zu Wachstum und Weiterentwicklung. Für andere wird das Streben nach Perfektion zu einem Zwang, der unter Umständen krank machen kann.

Wir können also zwischen einem hilfreichen Umgang mit unseren Aufgaben und einem dysfunktionalen Perfektionismus unterscheiden.

Dysfunktionaler Perfektionismus ist häufig von Gedanken begleitet, wie zum Beispiel:

  • „Es ist nie genug!“
  • „Ich schaffe das nicht, ich bekomme es einfach nicht hin!“
  • „Es hätte besser sein können!“
  • „Ich kann das Ergebnis keinem zeigen, bis es nicht ganz perfekt ist.“

Es geht darum zu lernen, wo Perfektionismus angebracht ist und wo er nur unnötigen Stress verursacht.

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Was steckt hinter Perfektionismus?

Oftmals steckt hinter Perfektionismus ein Mangel an Selbstwertgefühl und tiefe Verunsicherung.
Wenn ich etwas mit Freude mache, dann ist ein Fehler etwas, was mich anspornt, mich weiter auszuprobieren. Ist es dagegen wichtig, wie andere etwas sehen und gelobt zu werden, dann fühlt sich jede Kritik wie eine Ablehnung meiner ganzen Persönlichkeit an. Ich höre nicht, was ich vielleicht nicht gut gemacht habe, ich höre stattdessen: „Du bist schlecht.“.

Hinter diesem Perfektionismus verbirgt sich das Muster zu glauben, als Mensch nicht genug zu sein und immer alles „richtig“ machen zu müssen.

Wenn man nie genug ist

Die tieferliegende Ursache für unseren heutigen Perfektionismus stammt aus einer Zeit, als wir das Gefühl hatten, für unsere Eltern nicht gut genug zu sein.
Wir haben nie kennengelernt, wie es sich anfühlt, einfach nur deshalb geliebt zu werden, weil wir da sind, weil es uns gibt.

Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was wir tun, und dem, wer wir sind. Haben wir diese Unterscheidung nicht gelernt, dann ist die Gefahr groß, unser Selbstwertgefühl ausschließlich über Leistung zu definieren. Das Dilemma dabei ist, dass wir unserem eigenen Anspruch an Perfektion nie gerecht werden können.

Oft beurteilen wir uns viel härter als unsere Mitmenschen das tun würden. Damit verschließen wir uns den Blick auf unsere ganze Persönlichkeit.

Wir können nicht hören, wofür wir geschätzt und geliebt werden – mit all unseren Ecken und Kanten und den Fehlern, die wir machen.

Was kann man gegen Perfektionismus tun?

Es gibt das wichtige Wort „und“.
Du bist genug, weil du da bist – und – das heißt nicht, dass es nicht noch etwas zu lernen gibt.

Etwas zu lernen, bedeutet nicht, dass ich etwas sofort können muss.

Perfektionismus bedeutet, dass es keine Fehler geben darf und ich immer alles gleich gut können muss. Diesem (inneren) Anspruch kann niemand genügen und er führt zu unglaublichem Stress. Versuchen wir uns aus solchen Denk- und Verhaltensmustern zu lösen, verursacht dies zunächst leider keine Erleichterung, sondern oftmals zunächst sogar noch mehr Stress. Wir begegnen dann den Ängsten und Minderwertigkeitsgefühlen, die wir durch den Perfektionismus in Schach halten wollten.

Es ist wichtig zu wissen, dass solche Veränderungen häufig von Ängsten begleitet sind und viel Stress in uns auslösen können.
Oft liegt aber genau dort der Weg zu Veränderungen. Du kannst es daran merken, dass gleichzeitig etwas besser wird und du mehr Raum in dir fühlen kannst.

Das gelingt nur über Ausprobieren. Zum Beispiel kannst du mit folgenden Situationen experimentieren:

Was passiert in dir, wenn du

  • Aufgaben abgibst, weil du damit überfordert bist?
  • anderen etwas zeigst, was noch nicht fertig ist, um sie um Rat zu fragen?
  • um Hilfe bittest?
  • Fehler und Kritik nüchtern betrachtest, ohne sie als komplette Ablehnung deiner Arbeit zu sehen?

Wenn es dir gelingt, möglichst neutral zu beobachten, was tatsächlich passiert, dann hast du die Möglichkeit neue Erfahrungen zu machen. Wenn du sie bewusst wahrnimmst, wirken diese mit der Zeit wie ein Gegengewicht zu den alten Überzeugungen.

Der Weg aus dem Perfektionismus mag nicht leicht sein, du wirst aber mit einem Lebensgefühl belohnt werden, das du dir jetzt wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen kannst. Perfektionismus macht das Leben eng und anstrengend.
Alles wird leichter, wenn du nicht mehr denkst, alles „richtig“ machen zu müssen.

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