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Das Prinzip Geben und Nehmen: Solidarität und Nächstenliebe

von | 22.07.2022 | 0 Kommentare

Das Prinzip Geben und Nehmen ist so alt wie die Menschen selbst. In sozialen Gefügen sind wir aufeinander angewiesen, um unsere Bedürfnisse erfüllen zu können. Überspitzt gesagt: Wir müssen uns gegenseitig helfen, um überleben zu können. In seiner Geschichte musste der Mensch immer teilen: Wissen, Werkzeuge, Nahrung. Es war die Solidarität der einen, die das Überleben der anderen sicherte. Dieses sogenannte Prinzip der Reziprozität (oder Gegenseitigkeit) ist der Grundpfeiler des menschlichen Zusammenlebens. Doch wie gibt und nimmt man eigentlich richtig? Welche Fallstricke gibt es, wenn eine Seite überhandnimmt? In diesem Blogbeitrag widme ich mich diesen Fragen und gebe dir neue Blickwinkel darauf. Viel Freude beim Lesen!

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Geben und Nehmen als Prinzip: Reziprozität dient der Gesellschaft

Das Prinzip Geben und Nehmen ist die Basis moderner Gesellschaften. Damit wir unsere Bedürfnisse befriedigen können, sind wir auf unseren Mitmenschen angewiesen. Diese Gegenseitigkeit beginnt bereits mit unserer Geburt. Unsere Mütter versorgen uns als Säuglinge mit Nahrung und körperlicher Wärme, wir geben ihnen Liebe zurück. In dieser wie in anderen Formen gesunder sozialer Beziehungen herrscht eine gegenseitige Abhängigkeit vor, die völlig natürlich und in Ordnung ist. Menschen in Beziehungen tauschen Gefühle, Emotionen, materielle Dinge uvm. aus. Verlagert sich das Prinzip der Gegenseitigkeit zu stark in eine Richtung, ist eine Reziprozität nicht mehr gegeben. Das ebnet sozialen Problemen den Weg.

Die Angst vor dem Nehmen: Bereits Kinder bekommen sie von uns vorgelebt

In der heutigen Zeit gerät das Prinzip Geben und Nehmen leider immer öfter in Vergessenheit. Wir leben in einer kalten Welt und viele Menschen sind nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Diese Mentalität führt dazu, dass niemand mehr um des Gebens willen gibt und wer etwas geschenkt bekommt, fühlt sich verpflichtet etwas zurückgeben zu müssen. Diese Bringschuld sorgt dafür, dass viele Menschen Angst haben, etwas anzunehmen, denn sie wollen niemandem etwas schuldig sein.

Jene Abwehrhaltung hat zufolge, dass wir uns verschließen und Geschenke ablehnen. Dabei ist das Prinzip der Gegenseitigkeit so wichtig für gesunde soziale Interaktionen, denn es verbindet uns miteinander. Wir Menschen geben gerne, da es uns glücklich macht und Freude bereitet, Dankbarkeit zu erfahren. Das Prinzip Geben und Nehmen führt uns zusammen und bringt uns einander näher.

Bereits in der Früherziehung lernen Kinder, dass Nehmen immer auch ein Geben nach sich zieht. Auf diese Weise wird Nehmen mit Scham behaftet, denn es zwingt uns eine Gegenleistung zu erbringen.

Wer nicht nehmen kann, möchte auch nicht geben

Durch dieses „gesellschaftliche Fehlverhalten“ entstehen Risse im sozialen Gefüge; Menschlichkeit und Nächstenliebe bleiben auf der Strecke. Gleichermaßen erwarten vielen Menschen häufig: Wenn sie etwas geben, dann müssen sie auch etwas zurückbekommen. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Geschenk im Sinne des Prinzips der Gegenseitigkeit, sondern um einen Pferdehandel. Dies führt zu Situationen, in denen wir mit unseren Mitmenschen einen Tauschhandel eingehen, statt uns gegenseitig Liebe zu geben. Dieses falsche Verständnis vom Prinzip Geben und Nehmen ist leider in vielen Beziehungen verankert. Ein „Gefallen“ oder „Geschenk“ muss durch eine Gegenleistung ausgeglichen werden.

Wer nur gibt, verliert sich selbst

Problematisch wird es auch, wenn das Geben in keinem Verhältnis zum Nehmen steht. Betroffene spüren ein regelrechtes „High“, wenn sie Freude und Dankbarkeit zurückbekommen. Sie werden sozusagen süchtig danach zu geben und vernachlässigen darüber das Nehmen. Betroffene wollen durch ihr Geben Liebe, Anerkennung und Aufmerksamkeit erhalten. Eine Gegenleistung wird meist kategorisch abgelehnt. Häufig lässt sich dieses Verhalten damit erklären, dass jene Personen ihre innere Leere füllen und eine diffuse Sehnsucht stillen möchten. Betroffene sind viel zu großzügig, schauen nur noch auf andere und bleiben dabei selbst auf der Strecke.

Fazit: Wir müssen das Prinzip Geben und Nehmen neu lernen

Damit das Prinzip der Reziprozität auf eine Weise praktiziert wird, von der alle Mitglieder einer Gesellschaft profitieren, sollten wir uns in einschlägigen Situationen folgende Fragen stellen:

  • Was ist meine Motivation, wenn ich gebe?
  • Wem möchte ich etwas geben?
  • In welchem Maße möchte ich etwas geben?
  • Wer ist die Person, die mir etwas geben möchte?

Um unangenehme Situationen und unsoziale Ichbezogenheit zu vermeiden, müssen wir ein gesundes Maß zwischen Selbstlosigkeit und Egoismus finden. Denn: Geben wir maßvoll, gerne und von Herzen, bekommen wir auch immer etwas zurück.

Menschen, die egozentrisch sind und ausschließlich nehmen, werden ggf. kurzfristig glücklich, aber auf die Dauer wird ihnen im Leben etwas fehlen. Menschen, die hingegen absolut selbstlos sind und nur geben, verlieren sich langfristig und werden nicht glücklich. Es gilt also, die Kunst der Angemessenheit zu meistern, vielleicht auch alte Denkmuster zu ändern. Jede Person sollte sich fragen: Was kann ich der Welt geben? Was ist mein Beitrag für eine bessere Welt? So können wir es schaffen, mithilfe des Prinzips Geben und Nehmen eine Gesellschaft zu erschaffen, die solidarisch ist und in der sich die Menschen gegenseitig helfen.

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