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Scham – ihre Bedeutung für deine Entwicklung

von | 29.10.2021 | 14 Kommentare

Scham ist ein furchtbares Gefühl. Es ist eine Emotion, bei der wir im Boden versinken möchten. Scham ist weit mehr als Verlegenheit oder etwas peinlich zu finden. Scham ist ein Gefühl, das uns sagt: Du bist falsch!
Das kann so stark werden, dass es uns das Gefühl für eine Lebensberechtigung nimmt und wir lieber sterben möchten.
Schamgefühle können im späteren Leben aber auch ein Zeichen für Wachstum sein!

Lies in diesem Artikel mehr zum Thema Scham: Bedeutung, Entstehung und unterschiedliche Ausprägungen.

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Wie entsteht Scham?

Scham entsteht in dem Moment, in dem wir beginnen, die Welt zu erkunden (nach dem 1. Lebensjahr).
Plötzlich können wir Dinge tun, die unsere Eltern nicht wollen oder bei denen wir uns in Gefahr begeben. Eltern und Bezugspersonen müssen dem Kind immer wieder vermitteln: Das, was du gerade tust, ist nicht in Ordnung! Hör auf damit!

Scham ist eine wichtige soziale Emotion

Scham ist eine zutiefst soziale und sozial unbedingt notwendige Emotion.
Niemand möchte mit jemandem zusammenleben oder befreundet sein, der oder die schamlos ist und auch so agiert.

In der Zeit der Schamentwicklung erfährt unsere Gehirnentwicklung einen enormen Schub. In dieser Zeit lernen wir, dass wir nicht allein auf der Welt sind und dass andere Menschen auch Bedürfnisse und Grenzen haben. Der sog. gesunde kindliche Narzissmus erfährt hier einen gehörigen Dämpfer.
Im ersten Lebensjahr geht es nur um uns selbst. Das ist richtig, gut und gesund!

Die Welt entdecken und Grenzen erfahren

Ein Baby verhält sich nicht „absichtlich“ so oder anders. Es lebt noch immer in einer Blase mit seiner Bezugsperson und kann zwischen Ich und Du noch nicht trennen. Es ist eins mit seiner Umwelt und kann nur auf die eigenen Impulse, Empfindungen und Bedürfnisse reagieren.

In dem Moment, in dem es beginnt, die Welt zu entdecken, geschieht eine erste Trennung von der Bezugsperson. Die Welt wird größer, das Kind entwickelt Selbstwirksamkeit und beginnt die Welt zu erforschen. Gesunde Kinder haben einen starken Explorationstrieb. Sie fühlen sich sicher an die Bezugsperson gebunden und können von dieser sicheren Basis aus neugierig sein. Die Bezugsperson unterstützt das Kind bestenfalls dabei, gibt eine sichere Ausgangsbasis und sorgt dafür, dass die Exploration der Welt ungefährdet verläuft. Dabei macht das Kind zum ersten Mal die Erfahrung von Grenzen.

Es entdeckt zum Beispiel, dass es etwas umwerfen kann. Das ist eine großartige, freudige und unglaublich selbstwirksame Erfahrung für das Kind. Eltern erleben dies allerdings aus einer völlig anderen Perspektive: Sie sehen, wie die geliebte Porzellanfigur zu Boden fällt und kaputt ist.

Das Kind erlebt hier plötzlich Grenzen, Ärger und Frustration von den Menschen, die im ersten Lebensjahr fast nur positive, affirmierende Laute von sich gegeben haben und meistens freundlich waren – jeder Pups und jeder Rülpser wurden bisher glücklich kommentiert.

Für das Kind entsteht hier also eine vollkommen neue Situation. Auf einmal erlebt es Begrenzungen und Frustration bei Dingen, bei denen es bisher gewohnt war, positive Bestätigung zu bekommen. Es sieht plötzlich in den sonst so freundlichen Gesichtern seiner Bezugspersonen Ärger und Unfreundlichkeit.

Was geschieht im körperlichen System?

Um zu verstehen, was dann im Körper eines Babys vorgeht, versetze dich kurz in folgende Situation:
Stell dir vor, du hast etwas total Tolles erlebt und du gehst voller Freude und Enthusiasmus zu deiner oder deinem Liebsten. Anders als von dir erwartet, schaut er oder sie dich aber total ärgerlich oder ablehnend an.
Wir können in unserem Körper sofort fühlen, wie schmerzlich das ist und was es mit unserer Energie und unseren Gefühlen macht. Wir können den Dämpfer ad hoc spüren.

Dies führt bei Babys zu einem sehr plötzlichen Abfall der „sympathikotonen Energie“ (hohe freudige Erregung). Sie kollabieren in einen unangenehmen parasympathischen Zustand – sie erstarren! Löst sich der Zustand kurze Zeit später, so beginnen die Kinder meist zu schreien, weil sie die Spannung alleine nicht auflösen können.

In diesem Moment führt dies zu einem Bruch in der Bindung zwischen der Bezugsperson und dem Kind. „Genügend gute Eltern“ (ein Ausdruck der Bindungstheorie) gehen dann zum Kind und „reparieren“ diesen Bruch. Sie helfen dem Kind, sich wieder zu regulieren. Ist das Kind sicher gebunden, dann wird all dies nicht sehr lange dauern. Das Kind wendet sich wieder beruhigt der Welt zu und exploriert weiter.

Kinder machen eine wichtige Erfahrung

In dieser Zeit machen Kinder eine extrem wichtige Lernerfahrung. Sie lernen, dass Beziehungen auch schwierig sein können, es Konflikte geben darf, man nicht immer einer Meinung sein muss und dennoch geliebt und unterstützt wird. Sie lernen, dass Beziehungsunterbrechungen repariert werden und zu noch mehr Sicherheit führen, da man weiß, dass die Beziehung auch Konflikte aushält.

Menschen, die denken, dass Beziehungen immer harmonisch sein sollten, haben fast immer eine unsichere Bindung als Kind erlebt, in der Beziehungsbrüche nicht repariert wurden.
Leider führt dies oft dazu, dass man selbst auch als Erwachsene/r kaum ein größeres Spektrum an Reparaturmöglichkeiten hat.

Schamgefühle steuern unser Verhalten

Das Kind macht in dieser Zeit also viele große Lern- und Entwicklungsschritte. Letztlich machen all diese Schritte uns zu den sozialen Wesen, die wir sind oder sein sollten. Durch Schamentwicklung lernen wir, dass wir aus der sozialen Gemeinschaft fallen können, wenn wir uns nicht sozial angemessen benehmen.

Sehr viele unserer Verhaltensweisen sind von unseren Schamgefühlen gesteuert, ohne dass wir dies wahrnehmen. Es gibt 1000 Dinge, die wir nicht tun, weil wir uns sonst schämen würden. Das ist im Großen und Ganzen gut so. So gesehen hat Scham also eine wichtige Bedeutung für unser Zusammenleben in dieser Gesellschaft.

Wenn Scham uns am Leben hindert

Bei vielen von uns ist diese Entwicklung leider nicht optimal gelaufen.
Dies liegt daran, dass die meisten von uns nicht nur kurz daran gehindert wurden, etwas zu tun, sondern gleichzeitig beschämt wurden.

Sätze wie „Was machst du nur wieder?!“ oder „Kannst du nicht einmal aufhören, Dummheiten zu machen!?“ zeigen uns, dass wir nicht in Ordnung sind mit dem, was wir tun. Hören wir solche Dinge immer und immer wieder und das vielleicht in noch schlimmeren Formulierungen oder gar wütenden Beschimpfungen, kommen wir als Kind zu dem Schluss: Ich bin falsch!

Selbst wenn Eltern das Kind „nur“ alleine lassen in dem dysregulierten Zustand, in den es fällt, entsteht sogenannte toxische Scham. Sie vergiftet unser Selbstbild und unser Leben. Und sie hindert uns daran, das Leben zu erforschen, neugierig zu sein und das Leben zu genießen.

Scham ist ein Gefühl, das so toxisch werden kann, dass man lieber sterben möchte, als es weiter aushalten zu müssen.
Manchmal entwickeln Menschen dann Schamrage. Eine tiefe Rage, die stärker ist als Wut. Ein zerstörerisches Gefühl, das manchmal explodiert und meist viel Schaden hinterlässt. Es ist ein Versuch, die eigene Würde zu retten und nicht in dem Gefühl der absoluten Wertlosigkeit zu versinken. Der Fawn Response oder Bambi-Reflex kann auch ein Ergebnis von Beschämung in der Kindheit sein.

Scham ist eine unglaublich trennende Emotion

Wir lernen in der Kindheit durch Scham, uns „zu benehmen“. Das ist sinnvoll, da es wichtig ist, dass wir die Bedürfnisse und Grenzen anderer im Auge behalten und niemanden willentlich verletzen. Es ist wichtig zu lernen, dass wir uns in einem sozialen Kontext bewegen und es bedeutsame Regeln gibt, die unser aller Leben sicher und angenehm machen.

In vielen Fällen lernen wir aber auch sehr dysfunktionale Dinge, die uns am Leben und unserer Lebendigkeit hindern. Wir lernen die Regeln und Normen unserer Eltern, die oft auch kein lebendiges, glückliches Leben leben.

    Wir lernen, dass

  • wir alleine gelassen oder verachtet werden, wenn wir etwas „falsch“ machen.
  • Exploration und Neugier zu Schmerzen und Liebesentzug führen.
  • uns niemand mehr mag, wenn wir in unsere Kraft gehen und uns ausprobieren.
  • Fehler unverzeihlich sind und Beziehungen nicht repariert werden können, sondern jeder mit seinen Verletzungen alleine klarkommen muss.

All dies führt nicht zu einem erfüllten, lebendigen und verbundenen Leben.

Scham ist eine unglaublich trennende Emotion. Tragen wir chronische toxische Scham in uns, dann fühlen wir uns innerlich „falsch“. Wir denken, wir genügen nicht, wir haben Selbstzweifel und das tiefe Gefühl, eigentlich gar keine Lebensberechtigung zu haben.

Dies alles kann dazu führen, dass wir uns anpassen und „kleine Brötchen backen“. Manchmal führt es auch dazu, dass wir uns als außerhalb der Gesellschaft stehend empfinden und im besten Fall sehr individualistische eigene Wege gehen oder im schlimmsten Fall straffällig werden.
Toxische Scham zerstört uns und unsere Beziehungen.

Die Bedeutung von Scham für deine Selbstentwicklung

Fangen Menschen an, an sich zu arbeiten, Therapie zu machen, sich Fragen zu stellen und andere Wege der Veränderung zu gehen, sind sie häufig zunächst mit diesem inneren Meer von Schmerz und Angst konfrontiert.
Wir haben ja all diese Einschränkungen entwickelt, damit wir vielleicht doch ein wenig von anderen gemocht und vielleicht sogar geliebt werden und irgendwie unser Leben meistern können.

All diese gelernten Dinge, Überzeugungen, Muster und Verhaltensweisen sollen uns vor dem Schmerz schützen, den wir früher erfahren haben, wenn wir nicht „richtig“ waren.
Wir haben diese Muster tief verinnerlicht. Sie sind unser innerer Fahrplan für das Leben. Sie sind die Blaupause, nach der wir funktionieren.

Jeder Verstoß löst Schamgefühle in uns aus

Nun ist das Problem, dass wir genau gegen diese Blaupause verstoßen, wenn wir neue Erfahrungen machen und neue Verhaltensweisen lernen. Lernen bedeutet, neue Welten zu explorieren. Therapie und Veränderungsprozesse verstoßen damit gegen diese inneren Grenzen, Normen und Werte.

Jeder Verstoß löst extrem viel Stress und Angst aus. Wir erwarten innerlich sofort die Strafe von damals. Heute bestrafen uns allerdings nicht mehr unsere Eltern. Wir selbst fangen an, in unserem Kopf gegen uns vorzugehen. Wir beschimpfen uns und machen uns das Leben zur Hölle. Diese verinnerlichten Normen sind unglaublich schwer zu durchbrechen, weil es sich immer wieder so anfühlt, als würde die „Strafe“ wirklich jetzt stattfinden. Häufig projizieren wir diese negativen Gefühle dann nach außen oder re-inszenieren unsere Erfahrungen von Ablehnung und „Strafe“. Diese Mechanismen sind sehr mächtig und führen häufig dazu, dass wir unsere Expansionsversuche wieder einstellen.

Was können wir tun, um den Mut nicht zu verlieren?

Damit wir in unserem Wachstumsprozess nicht resignieren oder uns ständig in alten Gefühlen verirren, brauchen wir eine Metaebene und ein neues Verständnis von Schmerz. Wir müssen lernen zu differenzieren, ob Gefühle durch eine aktuelle Situation entstehen und angemessen sind oder ob wir alte Gefühle erfahren, die durch unser neues Verhalten re-aktualisiert werden – und damit eigentlich ein positives Zeichen sind: Wir berühren unsere alten Begrenzungen!

Vor allem müssen wir in diesem Prozess lernen, uns selbst zu beobachten. Wir brauchen zunehmend mehr Verständnis dafür, dass Mama und Papa heute nicht mehr da sind (oder keine Macht mehr über uns haben) und wir heute aber statt ihrer unsere eigene innere Peitsche schwingen. Es ist wichtig zu verstehen und zu fühlen, dass wir selbst heute diejenigen sind, die uns bestrafen und niedermachen.

Nur du kannst dein Fühlen verändern

Je mehr wir diesen bisher unbewussten und automatisierten Prozess zu uns nehmen und beobachten lernen, desto mehr kann uns klar werden, dass wir selbst auch diejenigen sind, die die Macht haben, diese inneren Prozesse zu verändern und irgendwann zu stoppen.

Solange wir denken, dass wir keinen Einfluss auf unsere eigenen Gedanken und Gefühle haben, sind wir uns selbst und unserer Prägung ausgeliefert. Meist denken wir dann leider auch, dass andere an unseren negativen Gefühlen schuld sind und andere die inneren Gefühle von Scham und Ablehnung auslösen. Wir verlieren uns in einer Endlosschleife von schmerzlichen Erlebnissen und wiederholen unsere Kindheitserfahrungen.

Warum Scham ein Zeichen für Wachstum sein kann

Leider aktivieren oft gerade positive Erlebnisse die alten Dämonen. Deshalb ist es so wichtig, eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu etablieren.

Wir müssen lernen wahrzunehmen, dass wir gerade eine schöne Erfahrung machen. Dann können wir uns innerlich dafür bereit machen, dass wahrscheinlich gleich der Rückschlag in Form von Scham und/oder anderen sehr unangenehmen Gefühlen kommt. Dazu gehört auch, den Schmerz zu akzeptieren und sich nicht gegen ihn zu wehren.
Der Schmerz zeigt dir, dass du wächst und dass es vielleicht noch etwas zu betrauern und zu verarbeiten gibt.

Ich selbst versuche das immer wieder so zu sehen wie bei einer Massage. Es gibt gute und schlechte Schmerzen. Bei einer guten Massage kann es sein, dass mir diese weh tut. Aber es ist ein guter Schmerz, da sich Verspannung löst. Ich kann lernen diesen Schmerz durchzuatmen und dennoch die Massage zu „genießen“.

Die Bedeutung von Schamgefühlen ändern

Mir ist klar, dass das im Leben mit alten Schmerzen und Mustern viel schwerer ist. Es ist aber möglich. Ich arbeite selbst innerlich viel mit dem Bild eines Surfers, das mir ein weiser Mensch gegeben hat. Dabei versuche ich, nicht in die (emotionalen) Wellentäler zu fallen, sondern sie zu surfen. Ich atme und beobachte, was in mir passiert. An guten Tagen schaffe ich es, mich in den Schmerz zu entspannen und zu beobachten, dass er sich dann häufig recht schnell auflöst.

An schlechten Tagen geht es mir einfach schlecht. Ich habe gelernt und akzeptiert, dass das Leben gute und schlechte Tage und gute und schlechte Zeiten hat. Das ist okay.
In diesen Zeiten versuche ich, mir Hilfe von Freundinnen zu holen, die mich in den Arm nehmen und mich liebevoll unterstützen. Denn niemand kann alles alleine.

Diese Veränderung ist ein langer Prozess. Wir müssen dabei lernen, eine andere Perspektive auf uns selbst und das eigene Erleben einzunehmen und die inneren Stimmen immer mehr zu befrieden. Das hat mich viele Jahre gekostet – aber es hat sich gelohnt.
Und nicht immer braucht es Jahre!
Auf dem Weg habe ich auch viele schöne Erfahrungen machen dürfen. Mein Leben hat sich durch den dadurch entstandenen inneren Frieden und die große Lust und Neugier auf das Leben so stark geändert, dass ich es niemals missen möchte und sich jede Mühe gelohnt hat.

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14 Kommentare

  1. Annette Schneeganss

    Vielen Dank für diese Zeilen.ich kann sie sehr gut verstehen und es kommt meinem „wesen“ entgegen…in diesen „prozessen“ fühle ich mich oft „abgekoppelt“ ,aber wenn es gelingt,dann dennoch ‚in Verbindung ‚ zu bleiben,dann fühlt sich das an,als könnte ich trotz „anders sein“ über eine Brücke gehen und im aussen(zwischenmenschlich) wie auch im innen Friede zu empfinden.
    Danke für das Schreiben.
    Hilfreiche Gedanken,die sich mit meinen ergänzen/verbinden/in Resonanz sind
    Herzlich,annette

    Antworten
  2. Erna Marian

    Liebe Dami, schön dich zu hören, die Erklärungen sind wunderbar. Ich bin mit einem Trauma Verwahrlosung in Behandlung, es geht dem Ende entgegen. Es ist wahr, die Zeit war sehr schmerzhaft, ich konnte kaum gehen. Mit Kälte und Nässe musste ich meine jungen Jahre – kaum ein Jahr alt – verbringen. Es war die Mutter und die Schwester meiner Mutter. Meine Mutter erkannte es nicht, dass es von ihrer Familienseite dies geschehen ist. Trotz allem bin ich froh, diesen Schritt getan zu haben, so kann ich meine weiteren Pensionsjahre mit mehr Freude erleben. Während der Zeit habe ich sehr viele Bücher gelesen, das half mir um auch die Situation zu verstehen.
    Danke für deine Bemühungen und Beiträge
    liebe Grüße aus Wien

    Antworten
  3. Olga Carbone

    Liebe Dami, dieses Thema kam gerade zum richtigen Zeitpunkt. Langsam wird mir klar, warum ich das Gefühl habe mit einer Handbremse zu leben und, daß kindliche seelische, emozionelle Vernachlässigung weitaus schlimmer ist, als körperliche Züchtigungen. Nach 3Jahren Traumatherapie(Zeitraum von der Krankenkasse vorgegeben!!!wahnsinn) brach genau am Ende Corona aus. Das Gefühl von Hilflosigkeit und die Einsamkeit mit körperlichen Schmerzen(Hüfte-Bein) gepaart, waren der Grund warum ich nach 3 Monaten wieder abgestürzt bin. So traurig, war schon gut stabil und hatte wieder Hoffnung. Dieses nochmalige sich so elend zu fühlen hat dann tiefe Verzweiflung, Angst, Überforderung und eben Scham ausgelöst. Erst nach 1 Jahr!!!(für die, die sich Therapie nun mal nicht privat leisten können-in Österreich), habe ich jetzt wieder einen Kassenplatz bekommen!!! Ich mache derzeit eine Schematherapie. (Psychologin ist auch Traumatherapieerfahren-Glück gehabt). Emozionell sehr anstrengend, aber ich fühle immer mehr, was ich als Kind gefühlt habe und das ist sehr schmerzhaft, doch langsam, ab und zu kann ich zwischen den Kindheitsgefühlen und den Gefühlen als Erwachsene unterscheiden. Work in progress. Danke, wie immer für Deine so ausführlichen, einfühlsamen und ermutigenden Videos. Liebe Grüsse Olga

    Antworten
  4. R. Stefan

    Hallo Dami, sehr wertvoller Artikel, der sollte Bestandteil jeder pädagogischen Ausbildung sein und verpflichtend in etwa jeder fünften oder sechsten Klasse ausführlich besprochen werden und im letzten Jahr vor dem Schulabgang wiederholt werden.

    Damit könnten man „Problemfällen“ in den unteren Klassen entdecken und ggf. helfen, sowie in den oberen Klassen helfen über eigenes Verhalten und Achtsamkeit anderen gegenüber nachzudenken.

    Dankeschön Dami

    Antworten
  5. Sabine Holz

    liebe Dami ganz lieben dank für die guten Beiträge ,
    bin leider ein Heimkind von der Geburt bis zur meinem 3 Lebensjahr in Deutschland dann bin ich mit meine Mutter im Iran Gegangen auf Wunsch meines Stiefvater (Iraner)hat meine deutsche Mutter mich aus dem heim abgeholt, und so kam ich in den Iran. …. sorry das ich so viel geschrieben habe ,bin immer noch dabei es zu verarbeiten mit schreiben . nochmals lieben dank und ihr Beitrag es hat mich wirklich zum nachdenken gebracht danke liebe Grüße aus Hessen

    Antworten
    • Dami Charf

      Liebe Sabine,

      ich habe einige Schilderungen aus deinem Kommentar entfernt, weil es sich für einige hier zu stark mit ihrer eigenen Geschichte verbindet. Ich hoffe, das ist in Ordnung so.
      Ich danke dir für deine schöne Rückmeldung und wünsche dir, dass du diesen schlimmen Erlebnissen immer öfter neue und schöne Erfahrungen hinzufügen kannst. Alles Gute dafür!
      Herzliche Grüße
      Dami

      Antworten
  6. Stefanie M.

    Hallo Liebe Dami!
    Ich hab dich vor wenigen Wochen auf youtube entdeckt und bekomme nun deinen Newsletter.
    Es ist immer wieder überraschend was so alles passieren kann wenn man sich mit einem Trauma beschäftig.
    Gestern teilte mir mein Therapeut (Verhaltenstherapie) mit, dass er pausieren möchte. Er würde gerne mit mir arbeiten wollen wenn ich nicht weiter Geschichten aus der Vergangenheit als Ausrede benutzen würde um Dinge im hier und jetzt anzugehen.
    Ich erstarrte, so wie ich es immer tue wenn ich mich „falsch“ fühle und bin gestern und auch heute voller Scham darüber. Ein wenig kommt auch Wut darüber durch, dass er so unsensibel auf mein Leiden reagiert hat. Aber gleich kommt das Gefühl von falsch sein wieder auf. Ich werde mich jetzt mehr mit seiner Frau (Körpertherapeutin) treffen.
    Und nun heute der Newsletter mit diesem Thema! Ich bin fast umgefallen!
    Vielen lieben Dank für dieses soo wichtige Thema und die Erklärung dazu!
    Danke Danke Danke
    Grüssle vom Bodensee

    Antworten
  7. Anita Lindert

    Ich stecke ebenfalls in der Therapie und merke dass viele der von Dir bezeichneten Worte oder Ereignisse, Gefühle und Gedanken in mir wiederzufinden sind. Und wie bedeutsam die Scham dabei nun wirklich ist!! Manchmal kann ich es so stark fühlen wie eine Blockade in mir und es braucht erst Nähe um aus dieser Starre herauszukommen. Wieder mit mir in Kontakt zu sein und Gefühle zulassen zu können. Das ist echt erschreckend. Und ich bin sehr sehr dankbar dass Du es so umschreibst dass es a nachvollziehbar ist und b wirkt es wie eine kleine „Aussicht“. Du schreibst, wenn ein bestimmter Vorgang z.B. gerade passiert dann kommt recht sicher das und das. Ich habe es zwar auch erlebt, war in dem Moment aber gefangen in mir selbst, in dem Schmerz der aufgetreten ist und konnte es sooo schlecht halten. Dazu hab ich mich in meiner Umwelt als total fremd wahrgenommen und mich selbst wie ein Alien gesehen! Ein schreckliches Gefühl. Nun, weiß ich zumindest dass ich anders damit umgehen kann. Und es war mir nicht bewusst wieviel Macht Scham hat!! Ich kann es leider nachvollziehen was Du schreibst, es kann so schlimm sein dass man sich eher wünscht zu sterben als das zu ertragen… das weckt viel in mir. Aber ich kann es tatsächlich mit Mitgefühl für mich betrachten.

    Danke Dami und schön dass es Dich gibt, als Medium zwischen der Welt der Psyche und dem Erleben im Alltag!! Es hilft zu verstehen was los ist und warum es so ist!!

    Herzliche Grüße aus Rotenburg Wümme

    Antworten
  8. Monika-julia Ruf

    Danke liebe Dami! Es ist so schwer den Teufelskreis zu durchbrechen und braucht soo viel Kraft! Aber schön immer wieder zu lesen wie sich dein Leben verändert das macht Mut in aller Hoffnungslosigkeit weiterzugehen. Vielen lieben Dank! Es tut so gut nicht alleine zu sein!

    Antworten
  9. Simmi

    Furchtbar gut geschrieben.
    So gut beschrieben, dass ich diesen Beitrag nur stückchenweise lesen können werde.
    Ich wusste ja, dass Scham unser größtes Problem ist, aber das wurde gerade brenzlig. Wow. Hätte ich nicht so riesig und gefährlich eingeschätzt. Das gehört jetzt erstmal reguliert.
    Danke trotzdem, da wir lernen müssen und lernen ist nicht immer easy.

    Antworten
  10. Simmi

    Ich gönne Ihnen Ihr Glück von Herzen und das Ihre Bemühungen sich jetzt auszahlen und Sie genießen können. Ich glaube Ihnen das auch, denn man sieht es in Ihren Augen. Das tut so gut zu sehen!

    Was tut man, wenn man zu viele Nieten zieht im Leben?
    Ist man wirklich immer seines Glückes Schmied? Nein. Wie Sie geschrieben haben, wir alle brauchen wen.
    Nimmt man jedes vermittelte „schäm dich“ an?
    Ja, Scham und Ekel/angewidert sein liegt dicht beieinander. Sehr dicht. Das sind richtige Kumpels. Die bekommt man glatt im Doppelpack ganz ungefragt dazu.
    Verbrannte Erde. Da wächst so schnell nichts mehr.

    Man dreht sich um und verschwindet im Nebel.

    Antworten
  11. Simmi

    Sie schreiben: Jeder Verstoß löst extrem viel Stress und Angst aus. Wir erwarten innerlich sofort die Strafe von damals.

    Ich schreibe: Ja, so ist das und es stresst so so sehr viel mehr, wenn diese eigentlich verlässliche Strafe nicht kommt. Ich glaube nicht, dass die Strafe nicht kommt und Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag ständiges scannen nach der drohenden Strafwelle, Welle, weil immer mehr aufläuft an Fehlverhalten durch eigenständigen Alltag, der mich immer mehr in eine ganz bestimmte Ecke drängt. Da es nötige Kraft raubt für den Alltag, kann man nicht standhalten.

    Ich hasse teils meine Mitmenschen im Heute, da diese mir mit ihrem Verhalten zeigen das ich in falscher Umgebung lebe, die falsche Umgebung mich mehr stresst als früher und dann bekommen die Wut von mir und der alten Leute von damals, aber niemand versteht meine Wut. Meine Umgebung ist falsch und tut mir im Heute nicht gut und keiner kapiert das. Für mich kommt das alles viel zu spät.

    Antworten
  12. Anonym

    Wenn ich wieder zurück nach Hause gehe, bin ich vom Verhalten her völlig verkorkst und das zieht viel Energie nach sich. Daran denkt hier aber niemand. Mein Körper denkt schon lange im Voraus daran.
    Ich gehe mein Regelheft besser täglich durch.
    Gebe es Schutz und Sicherheit könnte der Körper völlig relaxt sein. Kein Körper ist scharf dadrauf und höllischer Angespanntheit leben zu müssen, deshalb lohnt es sich für meinen Körper sich selbst zu zerstören (Autoimmun). Nicht mal Biologika bremst das noch aus.
    Feierabend gibt es hier nicht. Nicht mal Urlaub.

    Antworten
  13. Anonym

    Dieses Wort re-inszenieren finde ich für mich gesehen echt unfair. Das klingt so wie mit Absicht so gestaltet um ein Ziel zu erreichen. Was für ein Ziel? Ein Ziel des Leidens, was cool ist?! Ich finde dieses Leiden echt nicht cool, ich finde es ist genau das, was mir früher angedroht wurde – es ist mein Untergang.
    Ich inszeniere nicht, sondern alles was ich tue ist wie, als würde ich eine Straftat machen.
    Andere machen eine Überweisung am Automaten/Terminal und alles ist ganz normaler evtl. nerviger Alltag.
    Ja, auch für mich ist das nervig, aber leider aus Angst, weil es eigenständiges Verhalten ist, äußerlich losgelöst, weil es eines Tages dazu im Äußeren kam, nur innerlich kam es nur an vielleicht zwei von vielleicht 15 Stellen zur Loslösung/Abkapselung der Kreise.
    Gehen Sie mal die Vorstellung durch, jeden Tag 5 x mindestens ins Geschäft zu gehen und zu klauen. Sie müssen es tun für Ihren Alltag. Es ist Pflicht. Die unerträgliche Anspannung vorher, während dessen und die Scham und Schuld danach und doch müssen Sie sich sagen, dass muss ich morgen wieder mehrmals tun, auch wenn ich überhaupt nicht will. Ständiges scannen, ob der Ladendetektiv Sie krallt oder vielleicht der Polizist auf der gegenüberliegenden Seite oder vielleicht holt er Sie auch von zu Hause nächste Nacht. Das geht Jahre so und Sie gewöhnen sich nicht daran. Sie sind nur immer mehr erschöpft und sind über jeden Tag froh, wo Sie genau vor all dem Pause haben, auch wenn Sie wissen, Pause bedeutet zu leben wie früher in der Gewalt und Isolierung. Das alles bedeuten für mich eigenständige Aufgaben und Pflichten. Das ich nicht jeden Tag heulend zusammen breche, trägt mein Körper innerlich.
    Für mich sind es keine normalen Aufgaben und ich habe von klein auf an gelernt, dass es verboten ist.
    Ich bekomme das nicht aus mir raus, so wie andere von klein auf lernen, Feuer ist heiß, tut weh, kommen Narben und macht Angst, weil viel kaputt gehen kann. Es kann mein tot bedeuten. Eine „einfache“ Aufgabe.
    Diese Aufgabe zu viel wird eines Tages mein Strom/Benzin/Energie/Konzentration für den Weg zurück nach Hause sein. Ich freue mich auf den Tag und ja, ich habe genug Erfahrungen gemacht. Ich bin erleichtert. Ich sehe es als viel zu langen Ausflug an, wo man nicht all die nötige Ausrüstung dabei hatte. War brutal, nur anders brutal.
    Manchmal will man etwas haben, weil etwas schön auf einen wirkt und man merkt erst sehr spät, dass man nicht die nötigen Voraussetzungen dafür mitbringt. Dann drückt und quetscht der Schuh vielleicht doch so arg, dass man da aussteigen muss.

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