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Selbstverachtung – das schreckliche Gefühl

von | 16.11.2017 | 6 Kommentare

Selbstverachtung und Trauma

​​Traumatisierungen führen zu Abspaltung, Wut und Ablehnung. Leider richten diese Gefühle sich meist von den Opfern gegen sich selbst. Wir beginnen schon als Kinder uns selbst zu hassen und uns für unsere „Schwäche“ zu verachten. Wir verachten uns sogar dafür, dass uns jemand Gewalt antut.

​Die zwei Seiten der Selbstverachtung

​Selbstverachtung, die wir schon als Kinder entwickelt haben, hilft uns aber auch, innerlich Abstand zu wahren, uns unberührbar und sogar überlegen zu fühlen. So kann Selbstverachtung zur Ressource werden, die uns zwar nicht gut tut, aber hilft, zu überleben.

​Wir dürfen aber nicht vergessen, wie zerstörerisch Selbstverachtung in ihrem Kern ist und wie sie unser Leben vergiften kann. Verachtung ist gefrorene Wut. Sie ist kalt und die Person, auf die sie gerichtet wird, wird mit Kälte verletzt. Selbst, wenn die Person wir selbst sind.

​Wir lernen Selbstverachtung

​Ich glaube, ein Weg, Selbstverachtung auf jeder Ebene näherzukommen und zu verändern, ist, anzufangen, zu spüren, wie wir selbst mit uns umgehen. Der erste Schritt ist, zu verstehen: „ICH mache das, und nur ich kann dafür sorgen, heute anders mit mir zu sprechen. Dabei geht es nicht um Schuld und es geht nicht darum, dass man doof ist, wenn man das macht. Selbstverachtung ist ein erlerntes Denkmuster und es zu verändern, braucht Zeit. Wir lernen Selbstverachtung durch die Art und Weise, wie unsere Eltern mit uns umgehen. Später kommen dann noch die Normen und Werte dazu, die wir durch die Gesellschaft vermittelt bekommen und die uns sagen, wie wir zu sein haben.

Wenn ​Du das verändern willst…

​​…musst Du anfangen, zu spüren, wie und wann Du Dir mit Selbstverachtung begegnest und welche Wirkung das auf Dich hat. Eine gute Übung hierfür ist, sich vorzustellen, dass Du so, wie Du mit Dir selbst sprichst – in dieser Härte und Verachtung und in diesem Ton – ein Kind erziehst. Und zwar den ganzen Tag, Tag für Tag. Wie würde sich das Kind fühlen? Wenn Du anfängst, das zu spüren, und dabei in Tränen ausbrichst, bist Du dem Ganzen ein Stück näher. Heute hast du die Möglichkeit, anders mit Dir zu sprechen, dich auch mal zu loben und Dich über Dich selbst zu freuen.

Veränderung und Schmerz

Wenn Du dann anfängst, Mitgefühl mit Dir zu entwickeln, Dir zu denken, „Wow, von da komm ich, das hab‘ ich mal gelernt, so mit mir umzugehen – wie furchtbar!“  und anfängst, wirklich Mitgefühl mit Dir zu haben, mit dem, wie Du behandelt worden bist, dann kommt leider erstmal der Schmerz.

Aber wenn Du erst einmal Selbstmitgefühl hast, bist Du plötzlich einen riesigen Schritt weiter. Dann lösen sich bestimmte Sachen, fangen an, ihren Griff zu lockern, und Du kannst ein großes Stück weitergehen.

​​Es macht einen riesigen Unterschied, etwas freundlicher mit sich selbst umzugehen. Schaue auch gerne nochmal bei meinem Artikel über den Umgang mit Wut vorbei. Ich hoffe, dass meine Beiträge Dich zum nachdenken anregen konnten.

​​Liebe Grüße
Dami

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6 Kommentare

  1. michaela greil-schmatz

    Hallo Dami,

    Selbstverachtung oder ich nenne es das Selbstliebe-Verbot oder Narzissmus-Verbot, ist sehr verbreitet, v.a. bei Frauen. Es ist Konditionierung, durch die Meinung eines anderen in der Kindheit entstanden, wie du sagst. Verdeutlicht wird das Thema auch sehr schön in Märchen wie „Schneewittchen“ oder „Aschenputtel“ (Interpretation von E. Drewermann). Ich glaube, dass auf diese Art und Weise durch Konkurrenz der Schmerz der Frauen von Generation zu Generation weitergegeben wird: Erniedrigung des Kindes und später wiederum Erniedrigung des eigenen Kindes. Bewusstwerdung dieses Verbotes der Selbstliebe ist der einzige Weg, um das Drama langsam überwinden zu können und diese Konditionierung mit der Zeit umzukonditionieren in ein realistisches Selbstbild. Dazu ist der Blick in den Spiegel nötig! Ich denke, dass auch die kath. Kirche hier eine Rolle spielt, indem sie den Stolz und die Eitelkeit zur Todsünde erklärt hat. Wird das Kind an dem frühkindlichen Narzissmus gehindert, entwickelt es sich später als Kompensation zum Hypernarzissten. Der Prozess des Verlernens dieser „schlechten Angewohnheit“ (Selbstverachtung) ist sehr schmerzhaft – wie du sagst. Ein Thema hier ist auch grundsätzlich das erlernte Abgrenzungs- und Autonomieverbot. Wir (Frauen) sollten uns gerade dabei gegenseitig unterstützen und uns ermutigen, statt zu konkurrieren. Danke für das Video!
    Schöne Grüße
    MG

    Antworten
  2. Katja

    Liebe Dami,

    ich habe nun einige Deiner Mails und Inputs erhalten, und ich mag die Direktheit und die erdende Güte darin.

    Fast schon komisch, ich habe gerade selbst eine selbstverachtende Phase …
    Natürlich kurz vor einem Sprung in eine für mich nötige Ortsveränderung. Zu oft genötigt erklärt und gerechtfertigt, und das doppelläufig auf der Flucht vor Denen, die mich immer wieder demütigen. Und ich denke, sogar mit Genugtuung zusehen, wie ihre Sabotage, ihre Nicht-Unterstützung nach Bitte „wirken“.

    Was einfach krass ist, ist die Tatsache, daß ich Lähmungserscheinungen habe, in Armen und Beinen – solange ging der Verabschiedungsprozeß links und meine Wegbereitung rechts,
    daß das Hin-/Herhalten im Körper geladet sind.

    Es war mir (natürlich sehr entkräftend) aus Wut und ja eben dem Grund monatelang (immer weniger) noch möglich zu tranformieren.
    Ob die Fassungslosigkeit, gerade in Bitte angelaufener therapeutischer Adressen (ich bin völlig alleinstehend und Stärke bewirkt ja gern, in der Schwäche alleingelassen zu werden: paßt nicht ins Gewohnheitsschema der selbst nicht, aber von anderen gesehenen, bewunderten oder beneideten Person, die ich da gesehen wurde) nicht unterstützt zu werden, sondern mich noch vergiften zu lassen.

    Ich hätte niemals geglaubt, daß so nette (blöde Projektion von mir, ich habe strahlend den Lösungsweg beschrieben) Ärzte soweit gehen, Monat für Monat sich mehrende Beschwerden zu überhören. Und (ich lief in der Verzweiflung 2 Adressen an) mir Medikamente statt Gesprächszeit zu geben. Ich habe Team-Absprache, so sportlich und klar wie die Yoga-Adressen die ich anlaufe, so wie im wohlwollenden Umgang mit denen, gesucht …
    Aber bei den Doctoren nur mit aller Macht erlebt, eine unterhaltsame Kundin zu halten.

    Ich bin z.Zt. das Gegenteil von mir, und kann im Gegensatz zu sonst keinem mehr vertrauen.
    Und traue mich SO nicht in die reine und körpertherapeutische Welt, der ich eigentlich selbst zugehöre.
    Ehrlich, ich weiß nicht, was schlimmer oder dümmer ist:
    Den falschen Weg, ein gedachtes (und abhängiges) Hilfsmittel zu betreten oder zu verlassen.
    Ausser mir bin ich jedenfalls.

    Mit meinem Auszug habe ich etwas ganz Anderes gemeint.
    Und bin nun ehrlich gespannt, wie ich mir, was Alle erwarten, obwohl ich 200mal gesagt habe „ich schaffe es nicht allein“.
    Vielleicht ist es nicht ‚obwohl‘, sondern genau diese Autosuggestion.

    In Allem Danke nochmals, ich habe mir Dein E-Book unter (immerhin ist die schon erneuert, für fördernde Kontakte) neuer Email-Adresse angefordert.
    Und bin gespannt, ob ich wieder in meinen Körper zurückfinde.

    Deine Beiträge sind jedenfalls wertvolle Unterstützung dabei.

    LG & vielen Dank!

    Antworten
  3. Mimi

    Dass nach der Selbstverachtung erst Trauer kommt, ist doch gut! Es ist das Putzwasser für Geist und Herz, das alles innen sauber macht für neues frisches Selbsterleben.

    Antworten
  4. Annette

    Hast du eigentlich auch mal laut darüber nachgedacht, wenn sich zwei beeinträchtigte begegnen. Der eine tut, als wäre er unversehrt, der andere weiß um schwierige Einflüsse, aber kann sie nicht integrieren, noch ihre Rolle im hier und jetzt verstehen?

    Antworten
  5. Anja

    Liebe Dami,

    beim Lesen und Anschauen Deines Materials gehen mir immer wieder Kronleuchter auf und ich verstehe immer besser, was mit mir los ist. Die Krankenkassen-Therapeuten, bei denen ich war, haben überhaupt nichts gecheckt, und erst durch das Lesen von Büchern kam ich auf die Spur, dass ich etwas Traumatisches haben könnte. Sehr hilfreich sind die Zusammenhänge, wie das Ganze sich auf den Kontakt und die Nähe zu den Mitmenschen ausmacht. Vielen Dank für die tolle Seite und noch gutes Gelingen,

    Anja

    Antworten
  6. Monika Stukator

    Hallo Dani, in der Hochphase meines Lebens verliess meine Mutter auf unnatürliche Weise dieses Leben. Es ist über 20 Jahre her. Meinem Sohn, der damals 10 Jahre alt war, sagte ich, dass seine Oma auf unnatürliche Weise verstarb.
    Ich habe mir viele Selbstvorwürfe gemacht, dass ich das sagte und nicht einfach etwas erfunden habe. Ein furchtbare Wahrheit ist auch eine Wahrheit.
    Ich wollte vermeiden, dass mein Sohn Trauer, Weinen, auf sich beziehen könne.
    Es war eine furchtbare Lebensschulung für uns beide.
    Wir haben es beide sehr gut geschafft.

    Antworten

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