Blog

Trauma: Symptome und Ursachen

von | 12.12.2023 | 0 Kommentare

Bevor ein Trauma erfolgreich behandelt und damit ein Stück Lebensqualität zurückgegeben werden kann, muss es zunächst erkannt werden. Auch weiterhin handelt es sich hierbei um eine der größten Herausforderungen, die es in der Traumabewältigung gibt. Sowohl Betroffene als auch Familienmitglieder und Freunde fragen sich: Was sind Trauma-Symptome, an denen ich traumatisierte Menschen erkennen kann?

Trauma ist ein Begriff, der inzwischen sehr häufig verwendet wird, oft auch an Stellen, die vollkommen unangemessen sind. Da hat eine Fußballmannschaft ein Spiel verloren und es wird vom Trauma der Niederlage geschrieben. Da ist jemand angeschrien worden und spricht von einer traumatischen Erfahrung. Andererseits wiederum wird der Begriff zu selten und zu einseitig benutzt und Menschen leiden jahrelang, ohne zu verstehen, dass sie unter psychischen und körperlichen Symptomen eines Traumas leiden.

Traumatisierungs-Symptome nach einem Schocktrauma

Gewalt, Katastrophen, unerwartete Umbrüche in sozialen Beziehungen (etwa der Tod eines geliebten Menschen): Die meisten Menschen denken, dass Traumata nur große furchtbare Ereignisse sind, die einmalig waren und unaussprechlich furchtbar sind.
Diese Art von Trauma nennt man Schocktrauma. Nach einer akuten Belastungsreaktion als unmittelbare Folge des traumatischen Erlebnisses können auch langfristig Beschwerden auftreten — vor allem, wenn bereits psychische Störungen oder Erkrankungen vorliegen.

Laut des Diagnose Manuals ICD-10 für Therapeut*innen sind die typischen Folgesymptome eines Schocktraumas und Merkmale für eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diese:

  • wiederholtes Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen (Nachhallerinnerungen, Flashbacks)
  • Albträume
  • andauernde Gefühle von Betäubtsein, Dissoziation
  • Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen, Rückzug
  • Teilnahmslosigkeit gegenüber der Umgebung
  • Freudlosigkeit sowie Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten
  • Zustand von vegetativer Übererregtheit
  • Vigilanzsteigerung, Schreckhaftigkeit und Schlafstörungen

Meiner Erfahrung nach haben viele Betroffene diese klassischen Trauma-Symptome nicht oder nur teilweise und leiden dennoch stark unter dem, was sie erlebt haben.

Übrigens: Wenn du dich fragst wie ein Trauma deinen Schlaf beeinflusst, empfehle ich dir, meinen Blogbeitrag zum Thema „Trauma & Schlafstörungen“ zu lesen.

Auch ein verdrängtes Trauma birgt Symptome

Bevor ich weiter auf die Symptome eingehe, die durch Traumatisierung entstehen können, ist es wichtig zu wissen, dass es noch eine andere Kategorie von Traumata gibt. Dabei handelt es sich um das sogenannte Entwicklungstrauma. Dieses entsteht nicht infolge eines einzelnen Ereignisses. Entwicklungstraumata entstehen, wenn man über lange Zeit – meist als Kind – ständig im Stress lebt.
Dieser Stress kann durch unterschiedliche Dinge ausgelöst werden, unter anderem:

  • Lieblosigkeit
  • Demütigungen
  • Als Baby oder Kind alleine im Krankenhaus sein müssen
  • Alleine gelassen werden
  • Als Baby viel alleine sein und wenig Körperkontakt bekommen
  • Eine schwere Geburt
  • Eine depressive Mutter
  • Emotional kalte Eltern

Gerade belastende Situationen und Erfahrungen, die wir in ganz früher Zeit als Kinder machen, haben einen gravierenden Einfluss auf uns. Sie prägen unser Verständnis der Welt, von uns selbst (“Bin ich liebenswert?”) und davon, wie sicher wir uns fühlen. Viele Menschen denken, dass Dinge, die man nicht weiß, auch keinen Einfluss auf uns haben. Das könnte falscher nicht sein. Gerade Dinge, die wir nicht mehr wissen, oder verdrängte traumatische Erfahrungen beeinflussen unser Leben massiv. Auch ein verdrängtes Trauma birgt Symptome. Wir handeln und reagieren auf unsere Partner*innen oder überhaupt auf alles im Leben aufgrund dieser frühen Prägungen und Lernerfahrungen. Auch, wenn uns dies nicht bewusst ist oder wir diese Erlebnisse verdrängt haben.

Entwicklungstrauma beeinflusst Charakter und Beziehungen

Die Symptome von Entwicklungstraumata sind sehr viel vielschichtiger, da diese frühen Erfahrungen unsere Persönlichkeit prägen. Sie sind eingewebt in unseren Charakter, wie die Fäden eines Teppichs. Man kann sagen, wir haben diese Erfahrungen nicht, sondern wir sind diese Erfahrungen.

Am deutlichsten zeigen sich die Trauma-Symptome und die dadurch entstehende Belastung im Bereich von Partnerschaft und Beziehungen. Oftmals haben Menschen dort starke Probleme mit Vertrauen. Sie interpretieren das Verhalten des anderen oft negativ und haben viele Ängste. Manchmal inszenieren sie auch ständig Dramen und die Beziehung ist sehr anstrengend.

Auch im Verhältnis mit sich selbst zeigen sich viele Symptome: wenig Selbstwertgefühl, Abneigung gegen den eigenen Körper, das Gefühl immer etwas leisten oder tun zu müssen. Betroffene sind oft innerlich sehr unruhig und können kaum Zeit nur mit sich in Ruhe verbringen, weil sie sich nicht wohlfühlen, wenn sie sich entspannen. Natürlich können auch stärkere Trauma-Symptome auftreten. Zu diesen gehören vor allem Depressionen und Angst, Essstörungen, Zwänge, tiefe Scham und viele andere Symptomfelder von ernsthaften psychischen Störungen.

Sich dem Trauma und dessen Symptomen stellen

Am stärksten belastet sind Menschen, wenn Entwicklungstrauma und Schocktrauma zusammen auftreten, was viel öfter der Fall ist, als man denken möchte. Gerade Schocktraumata gehören für Menschen schon immer einfach zum Leben dazu. Entwicklungstraumata sind in der modernen Welt allerdings ebenfalls epidemisch.

Gerade weil wir in unserer Kultur inzwischen so individualistisch und autonom leben und leben wollen, fehlen uns bei schweren Lebenskrisen oder traumatischen Ereignissen oft der Rückhalt und die Ressourcen, um diesen begegnen zu können. Die wenigsten von uns fallen in ein Netz, das uns sicher hält und unterstützt, bis wir wieder auf die Beine kommen.

Leider ist es so, dass die Verdrängung von Traumata und den Symptomen über die Zeit eher zu einer Verschlechterung führt und sehr viel Energie kostet. Deswegen kann ich nur jede*n ermutigen, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und beispielsweise im Rahmen einer Traumatherapie den eigenen „Keller“ aufzuräumen, um wirklich das Leben auch genießen zu können.

Das könnte auch interessant für dich sein:
Grundwissen über Trauma
Traumatisierung erkennen
Was ist ein Trauma?
Was ist Selbstregulation?
Scham – ihre Bedeutung für deine Entwicklung?
Was ist psychische Gesundheit?

Sieh dich auch gern weiter in meinem Blog um!
Auf diesen Blogseiten findest du noch mehr Informationen darüber, wie Trauma auf dich und dein Leben wirkt.

Letzte Beiträge

Autonomie und Verbindung: ein Widerspruch?

Autonomie und Verbindung: ein Widerspruch?

Als Kinder haben wir nicht viele Wahlmöglichkeiten und dennoch wählen wir. Unbewusst. Diese Entscheidungen bestimmen oft unseren weiteren Lebensweg, ohne dass wir überhaupt wissen, dass wir uns für oder gegen etwas entschieden haben. Eine dieser unbewussten...

Was unser Leben bestimmt – Selbstregulation

Was unser Leben bestimmt – Selbstregulation

Was ist Selbstregulation? Auf diese Frage wissen viele Menschen keine Antwort. Und doch ist Selbstregulation eine der wichtigsten Funktionen unseres Lebens. Sie entsteht in den ersten drei Lebensjahren und ihre Qualität wird durch die Qualität der Bindung und die...

Was ist psychische Gesundheit?

Was ist psychische Gesundheit?

In diesem Text möchte ich ein paar Dinge beleuchten, die dir, wenn du mit dem Gedanken spielst, eine Psychotherapie zu beginnen, sicher schon begegnet sind. Vielleicht verunsichern oder ängstigen sie dich auch. Dieser Text soll sie einordnen und dir Klarheit bringen....

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.