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Trauma und Gedächtnis

von | 11.07.2017 | 0 Kommentare

Das explizite Gedächtnis

​Sprechen wir über Gedächtnis, so sprechen wir meist über das sog. explizite Gedächtnis. Es zeichnet sich dadurch aus, dass wir etwas bewusst erinnern können. Wir können diese Erinnerung gewollt abrufen und Schritt für Schritt wiedergeben. Dies geschieht z.B., wenn wir anderen von einem Urlaubserlebnis erzählen. Das Problem hierbei ist, dass es grundsätzlich kein statisches Gedächtnis in dem Sinne gibt. Wir erleben die Welt immer aus unserem eigenen subjektiven Empfinden heraus. So kann man sagen, dass selbst ein Tagebucheintrag keine akkurate Erinnerung darstellt, denn auch dort schreibt man ja auf, wie das Erlebte für einen selbst war. Trotz dieser Ungenauigkeit sprechen wir dem expliziten Gedächtnis rein gesellschaftlich einen sehr hohen Stellenwert zu.

Was Dein Leben prägt: das implizite Gedächtnis

​​Für die Arbeit mit Traumata ist das explizite Gedächtnis von viel geringerer Bedeutung als das implizite Gedächtnis, da Traumatisierungen genau hier wirken. Erinnerungen und (negative) Lernerfahrungen, die im impliziten Gedächtnis liegen, sind unbewusster Natur und nicht gewollt abrufbar. Trotzdem haben sie großen Einfluss auf unser Leben, denn sie bestimmen letztendlich, wie wir uns fühlen, wie wir etwas erleben und oft auch, wie wir uns verhalten.

Trauma ist eine Lernerfahrung

​​Traumatische Erfahrungen, welche wir vor dem dritten Lebensjahr gemacht haben, werden im Stammhirn gespeichert und wirken im impliziten Gedächtnis. Dieses speichert alles, was mit dem erlebten Trauma in Zusammenhang steht, um sicherzustellen, dass wir zukünftig nie wieder in diese Situation kommen. Ein Trauma ist also sozusagen eine hocheffektive Lernerfahrung. Problematisch daran ist, dass das Erlernte uns später in Form von Triggern, Symptomen oder traumatischen Verhaltensmustern im Weg steht. Diese Reaktionen entspringen alle dem nichtsprachlichen, also impliziten Teil des Gehirns, denn genau dort hat ja auch die „Lernerfahrung“ stattgefunden.

Erfahrungen bestimmen unser Leben, auch wenn wir sie nicht erinnern

​​Für Traumaarbeit bzw. für die Integration traumatischer Inhalte ist es völlig irrelevant, ob Du Traumatisches bewusst (explizit) erinnern kannst oder nicht, da die Wirkung traumatischer Erlebnisse sowieso implizit (also unbewusst) gespeichert wird. Um die Folgen von Trauma zu bearbeiten, braucht man einen Zugang zum Impliziten – dieser ist über den Körper möglich. Es geht darum, erlernte Verhaltensmuster, Konditionierungen und oft auch Trigger wieder sichtbar zu machen und dann einen Zugriff darauf zu bekommen. So können neue Erfahrungen gemacht werden, die dann die alten Erfahrungen Stück für Stück ablösen und verändern.

​​Tiefe Veränderung gelingt nur mithilfe des impliziten Gedächtnisses

​​​Das implizite Wissen wird unbedingt für die Traumaarbeit benötigt, weil das implizite Gedächtnis das ist, was Dir heute das Leben schwer macht. Das heißt, du kannst ganz viel wissen und wunderst dich, warum du immer wieder in alte Erfahrungen, alte Abläufe oder  in alte Ängste gerätst. Implizite Inhalte können eben nicht wirklich durch explizite Vorgehensweisen wie reden (z.B. in Gesprächstherapien) erreicht und verändert werden. das implizite Gedächtnis ist sozusagen das, was unser Leben bestimmt, ohne dass wir es überhaupt wissen.

​​Liebe Grüße
Dami

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