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Trauma und Gerechtigkeit

von | 11.07.2017 | 0 Kommentare

Wie das Bedürfnis nach Gerechtigkeit Dich am weitergehen hindern kann

Gerechtigkeit ist ein tiefes menschliches Bedürfnis. Selbst Kinder entwickeln schon sehr früh ein Gefühl für Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit. Haben wir durch ein Trauma Leid erlitten, so wünscht sich ein Teil von uns sehnlichst Wiedergutmachung. Wir möchten gesehen werden in unserem Schmerz und mit diesem Bedürfnis irgendwo landen.

Trauma hat immer einen sehr schmerzhaften Hintergrund. Besonders wenn wir durch Menschen traumatisiert worden sind, gibt es oft einen Teil von uns der verzweifelt darauf wartet gesehen zu werden. Als Kinder hat uns möglicherweise niemand getröstet und gesagt, wie ungerecht und furchtbar es ist, was wir durchleiden mussten.

Dabei würde Gerechtigkeit den Schmerz eines Traumas etwas lindern. Unser Leid würde anerkannt werden und jemand würde die Verantwortung für sein Verhalten übernehmen. Wie großartig wäre das?! Stell Dir vor jemand würde mit Empathie und Ernsthaftigkeit zu Dir sagen :“ Es tut mir furchtbar leid, was ich getan habe! Du hast nie etwas falsch gemacht und warst ein Kind und ich war erwachsen und hätte das nie tun dürfen. Ich sehe welches Leid ich verursacht habe und ich werde alles tun, was ich kann und was Du möchtest, um dieses Leid zu lindern.“ Wäre das nicht berührend?

Man weiß heute aus der Traumaforschung, dass ein großer Teil der Traumafolgen nicht aus dem Ereignis an sich entstehen, sondern dadurch wie die Umwelt darauf reagiert. Es gibt Studien darüber, dass Menschen, die nach einem erlittenen Trauma von anderen aufgefangen wurden, weniger unter den Spätfolgen litten. Wenn Traumatisierte versichert bekommen, dass sie nicht verantwortlich sind für das, was passiert ist, spüren sie eine Art Gerechtigkeit.

Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit kann uns am Leben hindern

Doch das Bedürfnis, Gerechtigkeit zu erlangen, lässt uns manchmal an bestimmten Stellen in unserem Lebensprozess und bei der Verarbeitung und Integration von Trauma stagnieren. Denn leider wird dieser Wunsch nach Gerechtigkeit in den seltensten Fällen erfüllt. Trotzdem können wir nicht davon ablassen nach ihr zu suchen. Wir fühlen uns schneller von anderen betrogen und verhärten uns bei den kleinsten Kleinigkeiten, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen.

Trauern ist der Weg in etwas Neues

Um wieder auf gesunde Weise mit anderen interagieren zu können, sollten wir dieses Streben nach Gerechtigkeit loslassen. Wir bleiben sonst auf eine ungute Art und Weise mit unserer Vergangenheit und dem Trauma verbunden. Mach Dir bitte bewusst, dass die Gerechtigkeit, nach der Du suchst, mit großer Wahrscheinlichkeit nicht eintritt. Weine und trauere, denn das muss betrauert werden, wirklich betrauert werden! Und dann gehe weiter für Deine eigene Gerechtigkeit und Dein eigenes Mitgefühl mit Dir selbst!

Wir müssen lernen, gut und gerecht zu uns selbst zu sein

Wir können heute dafür sorgen, dass wir gut und gerecht mit uns umgehen, und unser Auftreten in der Welt positive Fußstapfen hinterlässt. Beispielsweise wenn neben mir in der Straßenbahn jemand schlecht behandelt wird, sexistisch oder rassistisch, kann ich den Mund aufmachen und für meine eigene Gerechtigkeit einstehen. Es geht letztendlich darum, dass Du Dir selbst gegenüber in Deinen Werten und Vorstellungen gerecht wirst.

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