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Trauma und Ökologie

von | 05.07.2017 | 0 Kommentare

​Trauma und Ökologie – oder wie wir mit unserer Erde umgehen

In diesem Beitrag möchte ich über etwas sprechen, was mir sehr am Herzen liegt. Es geht darum, was Trauma mit Ökologie und mit unserem Verständnis der Erde zu tun hat.

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Trauma trennt uns

Im Laufe der Jahre als Traumatherapeutin habe ich festgestellt, dass ein Trauma uns in mehrerer Hinsicht von Dingen trennt. Zum Einen ist das die Trennung von unserem Körper, von anderen Menschen, von der Gemeinschaft, aber zum Anderen eben auch von unserer gesamten Umwelt.

Meine eigene Geschichte

Zunächst möchte ich ein bisschen von meiner eigenen Geschichte erzählen. Als Kind habe ich immer „Der Mann in den Bergen“ geschaut und war einfach total fasziniert von der Wildnis und von den Rocky Mountains, wo die Serie aufgenommen wurde. Mit 23 Jahren habe ich mir dann den Traum einer Reise, zusammen mit einer Freundin, nach Kanada erfüllt. Dort haben wir uns völlig unbedarft auf den Weg in die kanadische Wildnis gemacht, sind mit dem Kanu gefahren und es war einfach wunderschön.

Wie durch eine Glaswand schauen

Es gab dort ein Erlebnis, was mich in der folgenden Zeit viel beschäftigte. Wir sind dort über einen See gepaddelt, der voller Seerosen war. So schön das auch war, habe ich mich trotzdem seltsam unberührt gefühlt. Es war das Gefühl wie abgeschnitten von der Erfahrung zu sein, wie durch eine Glaswand zu schauen.
Diese Erfahrung hat mich nie losgelassen. Wie konnte es sein, dass etwas so Schönes mich kaum berührt? Wenn ich es dagegen im Fernsehen gesehen hätte, hätte ich vor Rührung sicher geweint. Im Laufe meines Lebens hat mich dies immer wieder beschäftigt. Ich habe ähnliche Erfahrungen auch oft von anderen Menschen in meiner Arbeit berichtet bekommen.

Trauma und Trennung von der Welt

Inzwischen denke ich, dass diese Art von Trennung oder Entfremdung sehr viel mit Trauma zu tun hat. Das gilt gerade auch für frühe Traumatisierungen,​sogenannte Entwicklungstraumata, die mit dem Gefühl verbunden sind, gar nicht richtig zu dieser Welt zu gehören. Das geht oft mit einem Gefühl der Fremdheit und auch der Scham sich selbst gegenüber einher.

Das Gefühl falsch oder schlecht zu sein

Es kann daher kommen, dass man, nachdem man auf die Welt gekommen ist, gewissermaßen nur liegen gelassen wird, weil die Eltern vielleicht nicht fühlen, was das Baby braucht. Oder es kommen Gewalt oder Missbrauch ins Spiel. Kinder bekommen dann das Gefühl, selbst falsch oder schlecht zu sein, da sie nicht erkennen, dass es die Eltern sind, bei denen etwas schief läuft. Diese Entfremdung von sich selbst drückt sich häufig körperlich aus, wenn man sich unwohl in der eigenen Haut fühlt. Es dauert sehr lange, dieses Gefühl wieder aufzulösen.
Bei diesem Abspalten von Teilen bleibt aber ein funktionaler Teil übrig, der den Alltag dann bewältigt. Wir erledigen alles, was wir wollen, wir arbeiten, wir kaufen ein, aber wir verweilen ganz selten bei uns selbst. Das hat auf Dauer weitreichende Folgen. Einige Wissenschaftler vergleichen hier den inneren mit dem äußeren Zustand. Je fragmentierter Menschen in ihrem Inneren werden, desto fragmentierter wird auch unsere Welt.

Einsamkeit und Fragmentierung der Welt

Wir können jeden Tag sehen, dass die ganze Welt inzwischen in Fragmente aufgeteilt und dissoziiert ist. Ich habe keine Ahnung, wer mein Hemd gemacht hat oder wer diese Jeans produziert hat.
Wir kennen den Bauern nicht, der unser Essen produziert hat. Wir haben immer noch oft Bilder von einer bäuerlichen Landwirtschaft im Kopf, die es so kaum noch gibt. Kaum jemand stellt sich unter Landwirtschaft eine Fabrik vor.
Wir leben praktisch in einer völlig zergliederten Welt. Entsprechend schwer fällt es uns, uns als Teil einer Weltgemeinschaft zu begreifen.
Wir stellen uns nicht die Frage, ob es für unsere Gesellschaft gut ist, was wir gerade einkaufen. Ob unser Handeln für die globale Gesellschaft mit allen Lebewesen auf der Erde gut ist, ist eine Frage, die sich die Wenigsten stellen. Dieses Abgespalten-sein vom großen Ganzen führt unweigerlich zu einem Gefühl der Einsamkeit.

Die Natur als Accessoire

Das ist für mich der Zusammenhang von Trauma und Ökologie, oder dem, wie wir mit der Erde umgehen. Wir entfremden uns von uns selbst und von der Natur, so dass wir uns kaum mehr als Teil der Natur begreifen. Wir betrachten sie eher als Accessoire, wo man am Wochenende mal nett spazieren geht und die schön anzuschauen ist.
Eine Traumaheilung ist für mich nur dann möglich, wenn wir uns selber wieder zu fühlen beginnen und die Verletzbarkeit und Berührbarkeit wieder zulassen.

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