Blog

Traumaheilung » Blog » Umgang mit den Eltern

Umgang mit den Eltern

09.04.2018 | 40 Kommentare

​Wie ​finde ich einen guten Umgang mit meinen Eltern?

​Familie um jeden Preis?

Der ‚Kontakt mit den eigenen Eltern‘ ist ein sehr brisantes Thema und die Idee, dass es uns irgendwann loslässt, ist meiner Meinung nach ziemlich illusorisch. Sie sind unsere Eltern, das heißt, sie hinterlassen die größten Spuren in unserem Leben. Gleichzeitig ist der Wunsch von den eigenen Eltern geliebt zu werden sehr groß.

Es gibt einige Fragen, die mir zu diesem Thema immer wieder gestellt werden: Wie gehe ich mit meinen Eltern um? Darf ich den Kontakt abbrechen? Wie kann ich den Kontakt so gestalten, dass es mir hinterher noch gut geht?

Gerade wenn man eine schwierige, traumatische oder lieblose Kindheit hatte, sind diese Fragen oft sehr schwer zu beantworten.

Insbesondere, wenn Eltern im hohen Alter sind und hilfsbedürftig werden, sind wir mit Entscheidungen konfrontiert, die auf unsere Beziehungen zu ihnen verweisen. In diesem Moment, stellt sich die Frage wie engagiert wir sein möchten.

Für den Umgang mit den eigenen Eltern gibt es natürlich keine Richtlinien und keine Wahrheiten. Es gibt nur Versuche und Lösungen, die jeder Mensch ganz individuell für sich finden muss.

Die liebe Moral

Meine Meinung ist sicher nicht repräsentativ, auch nicht für Therapeuten. Ich denke, dass ich alles machen darf, was für mich gut ist – schlicht und einfach. Warum sollte ich mit Menschen Umgang haben, die mir nicht gut tun und mich immer wieder in meinem eigenen Bemühen zurückwerfen, meine Geschichte zu verarbeiten? Es würde mein Leben beträchtlich erschweren!

Beim Thema Umgang mit den Eltern spielt leider häufig übertrieben viel Moral mit in die Diskussion hinein und beeinflusst unser Denken. Wir alle müssen damit leben, dass Menschen uns auf Grund unserer Person, unseres Charakters, unserer Handlungen und Meinungen nicht mehr mögen und wieder aus unserem Leben entschwinden. Warum sollte dies für Eltern anders sein?

Dabei sollten wir berücksichtigen, dass wir sehr christlich geprägt sind, unbedeutend, ob wir christlich erzogen worden sind oder nicht. Unsere Gesellschaft basiert maßgeblich auf christlichen Erziehungsstrukturen, die ohne ausgesprochen zu werden, noch Allgemeingültigkeit besitzen.

Damit ist vor allem „Du sollst Deine Eltern ehren“, gemeint. Überall wird uns vermittelt, dass wir mit unseren Eltern gnädig sein sollen, sie ‚ehren‘, lieben und verstehen sollen. Dies ist alles möglich, aber das Wichtigste ist, dass Du darauf achtest, wie es Dir damit geht. Weder muss man Eltern alles verzeihen, noch muss man mit ihnen alles aufarbeiten. Man muss auch nicht den Kontakt halten oder ihn rigoros abbrechen. Du solltest einfach schauen, was für Dich gut und für Dein Leben sinnvoll ist!

Abschied von der Hoffnung

Möchtest Du die Frage nach dem Umgang mit Deinen Eltern, der Häufigkeit und Intensität des Kontaktes für Dich beantworten, so ist es wichtig, Dich zu fragen, welche Intention Du hast, um im Kontakt mit Deinen Eltern zu bleiben.

Warum möchtest Du Kontakt haben? Geht es Dir darum, endlich doch noch Liebe zu bekommen? Gibt es in Dir immer noch den Funken Hoffnung noch ein „Es tut mir leid“ zu hören oder endlich gesehen zu werden?

Das sind eher negative Voraussetzungen, um Kontakt aufrecht zu erhalten, denn meist setzt sich die Enttäuschung und Verletzung dann fort. Leider ist es so, dass wir uns mehr und verzweifelter an Menschen binden oder um diese bemühen, bei denen wir nie landen können. Wir haben uns nie satt und geliebt gefühlt und das lässt uns mehr gebunden sein als wenn wir alles bekommen hätten. Leider.

Ich kann Dir aus meiner jahrelangen therapeutischen Erfahrung sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Du noch bekommst, was Du Dir erhoffst, unglaublich gering ist. Das bedeutet nicht automatisch, dass es besser wäre den Kontakt abzubrechen. Es geht eher darum die Erwartung loszulassen, dass sich irgendetwas ändert.

Betrauere Dein Schicksal und lass die Hoffnung und Erwartung an eine Veränderung los. Das ist unglaublich traurig, unglaublich schmerzhaft, aber es wird Dir helfen, ein anderes Verhältnis, einen anderen Umgang zu finden, der Dich freier sein lässt.

Der Umgang mit den Eltern wird durch diesen inneren Abschied von der Hoffnung mit Sicherheit auch ein Stück einfacher.

Kontakt ohne Beziehung

Eine Autorin, deren Namen ich leider vergessen habe, macht den Vorschlag „Kontakt ohne Beziehung“ mit Eltern zu halten. Diese Idee finde ich sehr gut, auch wenn ich denke, dass es für viele nur sehr schwer umzusetzen ist.

Es bedeutet, dass ich zwar Kontakt halte, aber keine Beziehung erwarte und ich meine Eltern ein bisschen wie andere Menschen in meinem Umfeld sehen und behandeln kann. So entsteht ein durchaus oft gesunder Abstand und die Erwartungshaltung verschwindet zu großen Teilen.

Allerdings wird dieser Abstand wahrscheinlich immer wieder zusammenbrechen, da es fast unmöglich ist, mit Menschen, denen man innerlich so nah war (oder ist) so distanziert zu sein, dass auch verletzende Aussagen nicht treffen.

So kann es gut für Dich sein, Dir vor jedem Kontakt bewusst zu machen, was Du erwartest und was Du von dem Kontakt möchtest, um dann zu entscheiden, wie Du mit Deinen Eltern umgehen willst. Es kann auch von Vorteil sein, Dir bewusst zu machen, wie es Dir gerade geht, denn es gibt natürlich Stimmungen, in denen Du nicht so stabil bist.

Geben und nehmen

Ich persönlich glaube daran, dass wir gerade in sozialer Interaktion ein direktes Feedback zurückbekommen. Ich glaube, wenn ich meine Beziehungen positiv gestalte, dass ich sicher sein kann etwas zurückzubekommen. Sind Menschen dazu nicht in der Lage, wird sich ihr soziales Umfeld schnell reduzieren.

Dies kann auch bei den Eltern passieren. In dem Fall bist Du nicht verantwortlich diesen Mangel an sozialem Umfeld auszugleichen. Selbst, wenn Deine Eltern alt werden, nicht. Wir stehen in der heutigen Zeit nicht mehr in den Abhängigkeitsverhältnissen, wie vor einigen Generationen. Wir leben nicht mehr unter einem Dach und können uns frei entfalten – auch ohne unsere Eltern!

Du solltest die vielen Gedanken und Gewissensfragen mal beiseite schieben. ‚Ich muss jemandem verzeihen‘ oder ‚Ich muss für jemanden da sein‘, sind Phrasen, die nicht stimmen. Wer sagt Dir, dass Du etwas musst?

Stattdessen frage Dich mal: Tut es Dir gut, mit Deinen Eltern Zeit zu verbringen, oder schadet es Dir womöglich? Vielleicht ist Dein Gefühl auch neutral, weil sie viel für Dich getan haben und Du jetzt etwas für sie tun möchtest? All das ist okay. Das Wichtige ist: Wie geht es Dir damit?

Du bist nicht in der Pflicht, Dich zu kümmern. Du bist vor allem nicht in der Pflicht, Dich um jemanden zu kümmern, der Dir ein Leben lang geschadet hat und das vielleicht bis heute tut. Vor allem dann nicht, wenn Du nach jedem Besuch drei Tage brauchst, um Dich wieder zu erholen. Freunde würdest Du dann doch auch nicht mehr besuchen.

Versuche die Perspektive zu wechseln

Was ich ganz oft rate, ist: Stell Dir vor, Du beobachtest Deine Eltern im Café; sie sitzen drei Tische weiter oder Du siehst sie von außen durch die Scheibe. Schau sie einfach nur neutral und mit möglichst viel Abstand an, als erwachsene Menschen, die da sitzen. Und dann nimm mal wahr, ob das Menschen sind, mit denen Du Freude haben würdest? Mit denen Du befreundet sein wollen würdest, die Du besuchst, die Dir zuhören und die interessant sind?

Spüre nach ob Deine Eltern, Menschen sind, denen Du glauben und vertrauen kannst, die weise und herzlich sind. Denen Du glaubst, dass sie etwas Gutes, etwas Zutreffendes über Dich sagen. Oder siehst Du einfach Menschen, die womöglich ziemlich ignorant oder bitter sind und von denen Du Dich nicht gesehen und geschätzt füllst? Ich spreche hier nicht von Meinungsverschiedenheiten!

Was ist das Das Beste für Dich?

Vielleicht hilft Dir das, in den Umgang mit den Eltern ein wenig Abstand hineinzubekommen und zu entscheiden, wie viel Kontakt Du möchtest. Es gibt keine Regel, wie viel das sein muss. Lass Dir nichts erzählen, nicht von Büchern, nicht von Therapeuten, nicht von Priestern. Es gibt keine Regel. Die einzige Person, die entscheiden kann, wie viel Kontakt Du möchtest, bist Du. Punkt. Nicht ich, nicht irgendjemand. Du musst es entscheiden und Du musst spüren, tut mir das gut, ist das richtig für mich. Und wenn Du keinen Kontakt haben willst, gibt es keine Absolution für Dich. Keiner wird sagen, das ist super, schon gar nicht Deine Eltern. Aber darum geht es nicht!

Lass Dein schlechtes Gewissen los!

Es ist kein Konzept für Zufriedenheit und Wohlgefühl, das Leben von schlechtem Gewissen steuern zu lassen. Da wirst Du mir zustimmen. Es würde bedeuten, dass du immer damit beschäftigt bist, andere glücklich zu machen, damit Du kein schlechtes Gewissen haben musst. Das eigene schlechte Gewissen ist ein ganz schlechter Ratgeber, vor allem, weil Du es bei Deinen Eltern gelernt hast. Deshalb wissen sie ganz genau, welche Klaviatur zu spielen ist – und alle Menschen, die Dir später nahekommen, werden die Klaviatur auch zu spielen lernen.

An diesem Punkt wird Dein schlechtes Gewissen zu Deinem Bearbeitungsthema. Es ist ein schwerer Weg, um sich neu zu positionieren. Aber er lohnt sich. Wenn Du daran arbeitest, dass es Dir besser geht und Du das Gefühl hast der Umgang mit den Eltern hindert Dich daran, hinterfrage wie Dein Kontakt zu Ihnen aussieht. Du willst in Deinem Leben nicht immer wieder verletzt werden.

Es geht jetzt für Dich darum Menschen zu suchen, die sich an Dir erfreuen, Dich mögen oder gar lieben. Lass die Hoffnung für einen besseren Umgang mit den Eltern gehen, denn Hoffnung ist manchmal Gift für unser Leben. Es ist ein schwieriger und häufig langer Prozess, macht aber den Weg für Dich frei, anders in Dein Leben zu gehen.

Was mir wirklich wichtig ist, ist Dich von dem Gefühl der Verpflichtung zu entbinden. Es gibt kein Gesetz, dass Dich verpflichtet, Kontakt mit Deinen Eltern zu halten. Du würdest doch auch bei anderen Menschen, die Dir nicht gut tun oder schaden, den Kontakt abbrechen, oder?

Letzte Beiträge

Tagebuch zu Zeiten des Corona Virus

Tagebuch zu Zeiten des Corona Virus

Hallo! Ich bin Helgrit. Ich gehöre zum Online-Team von Dami und die Entstehung dieses Textes hat sehr viel mit meinem eigenen Weg zu tun. Unter anderem damit, dass ich gern schreibe. Vor allem, weil es mir dabei hilft, meine Gedanken zu sortieren und mich selbst zu...

Webinartermine

Webinartermine

Unsere Unterstützung für dich in der letzten Woche haben mein Team und ich insgesamt 6 Webinare kostenfrei angeboten. Leider werden wir alle noch eine Weile aushalten müssen, bis wir wieder in die Welt hinausdürfen und uns wieder mit anderen Menschen treffen können....

Das Virus und Wir

Das Virus und Wir

Leergefegte Straßen, verlassene Geschäfte, leergeräumte Regale… Papier, das langsam über eine leere Straße weht… Menschen, die in Krankenhäusern nicht behandelt werden können…. Wer von uns hat noch keinen Film gesehen, der eine Pandemie zum Thema hatte. Zum Glück kann...

40 Kommentare

  1. Uta

    Schön, das zu lesen. Ich hab es erst spät geschafft, jeden Kontakt zu meinem Vater abzubrechen. Die letzten 10 Jahre seines Lebens habe ich keine Pflichtbesuche mehr gemacht trotz geografischer Nähe und keine Pflichtanrufe zum Geburtstag getätigt. Früher war es so, dass ich nach jedem Besuch, auch wenn er nur 10 Minuten dauerte, völlig verstört war. Ein Freund sagte mal, als ich aus dem Haus kam: Du siehst aus, als ob Du von einem ganzen Bataillon vergewaltigt worden wärst. Ich bin so froh, dass ich alles hinter mir habe. Natürlich ist meine Seele nicht unberührt von diesem Menschen geblieben. In meiner Jugend hoffte ich bei Psychoanalytikern Unterstützung gegen meinen Vater zu finden, doch der beeinflusste sie, und sie solidarisierten sich mit ihm statt mit mir. Schließlich war er Geldgeber und Arzt, also Kollege. Auch heute noch gibt es die moralische Keule. Meine christlichen Freunde und Bekannten haben die Beziehung abgebrochen, mein Bruder, das „Goldene Kind“, auch. Trotzdem: Der Beziehungsabbruch rettete meine geistig-seelische Gesundheit. Ich hatte seither nie mehr Depressionen. Meine Mutter hat mir auf dem Sterbebett mein „Anderssein“ vergeben und gesagt: „ich war immer lieb“. Es ist absolut sinnlose Energieverschwendung, sich um Verständnis und Anerkennung narzißtischer und psychopathischer Eltern zu bemühen, und es macht mich traurig, dass ich das Jahrzehnte lang versucht habe, auch unter dem Einfluß der Psychoanalytiker. Uta

    Antworten
    • Finja

      Sie hat dir dein „Anderssein“ vergeben… Das liest sich einfach nur schrecklich! Du warst mit Sicherheit immer gut so, wie du warst und bist. Dir dein Selbst extra vergeben zu müssen, impliziert das genaue Gegenteil. Mit narzisstischen Eltern kenne ich mich leider aus. Viele Grüße!

      Antworten
  2. Fynn

    Ein unglaublich gutes Video. Ich finde den Teil, in dem vorgeschlagen wird, die Eltern von außen zu sehen, am besten. Vielen Dank, Dami, dass du uns an deinem wertvollen Wissen teilhaben lässt.

    Antworten
  3. Inga Fischer

    Liebe Dami Charf,

    vielen Dank – das ist sehr hilfreich.

    Herzliche Grüße und alles Liebe
    Inga

    Antworten
  4. Beatrice

    Liebe Dami,

    vielen Dank für diesen guten Beitrag zum Umgang mit Eltern.

    Ich beschäftige mich schon sehr lange damit und habe mich daran ganz schön abgearbeitet. Ich wollte die sich abzeichnende in den Abgrund bewegende Entwicklung unserer Familie stoppen und auf einen konstruktiveren Weg bringen. Vor allem, weil es nicht nur um meine Eltern und mich ging, sondern auch um meine Geschwister, meine Ehe und Enkel ging. Ich habe dafür sogar Ausbildungen absolviert und Mengen von Büchern gelesen. Ich wollte verstehen, was da vor sich ging, warum man so schrecklich miteinander umging und man mich mundtot machen wollte, weil ich es verbessern wollte.

    Ich denke, dass meine Eltern durch ihre große innere Zerrissenheit und die vielen Traumatisierungen in eine eigene Welt eingetaucht sind, die mit der Realität nicht viel zu tun hat. Es war wie ein sicherer Bunker. Daher taten sie immer so, als seien sie richtig und die anderen falsch.

    Wie lange ich schon recherchiere, was ich schon alles getan habe, um das ganze Treiben zu durchschauen und mich zu finden. Vielen Dank auch für Deine Berichte, Informationen und Videos. Sie haben mir schon sehr geholfen, weitere Mosaiksteine und Antworten zu finden.

    Herzliche Grüße
    Beatrice

    Antworten
  5. Jana

    Guter, kompetenter und einfühlsamer Vortrag, wie immer.
    Was ich aber etwas schade finde, ist, dass Sie am Anfang einen Seitenhieb gegen Christliches machen. „Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass es dir wohlergehe.“ Ich sehe dies christliche Gebot nicht als etwas Kritikwürdiges.
    Im Gegenteil: Das kann doch jeder für sich selber ausfüllen – so wie Sie ja auch eine individuelle Handhabung vorschlagen.
    Ich verstehe die Ehre gegen die Eltern so, dass ich respektvoll ihnen gegenüber bin und ihnen in der Not helfe. Dass die Eltern mit mir überfordert waren, ist kein Grund, ihnen dies beides zu verweigern.
    Ich brauche keine persönliche Beziehung zu meinen Eltern zu leben, wenn sie es nunmal damals nicht konnten, und ich heute nicht. Hilfe in der Not kann vieles sein: dass ich ihnen, wenn es die Versicherung nicht zahlt, einen ambulanten Pflegedienst finanziere, oder dass ich jemanden engagiere, der sie zu einem Seniorenkaffee hinfährt z.B. Da muss ich nicht in die alten Muster gehen. Schwierig ist es natürlich, wenn Enkel da sind. Da wollen Großeltern und Enkel, auch wenn ich es schwer ertrage, einander kennenlernen.
    Und ja, es bleibt schwer, sich abzugrenzen, wenn die Eltern den Kontakt aufrecht erhalten wollen. Als Erwachsene habe ich längst keine Erwartungen mehr gegenüber den Eltern. Schuldgefühle im Allgemeinen natürlich genug, aber die folgen sicher nicht aus dem sinnvollen christlichen Gebot, sondern daraus, dass es immer als selbstverständlich angesehen wurde, dass man den Eltern alles rechtzumachen versucht – wenn man in der dafür notwendigen Lebensphase der Pubertät nicht lernen durfte, Grenzen zu setzen.

    Antworten
    • Finja

      Dami kritisiert sicherlich nicht das Gebot, sondern das, was viele daraus machen: nämlich Schuldgefühle erzeugen bei Menschen, die von ihren Eltern schlecht behandelt bis misshandelt worden sind.
      Übrigens: Wieso gibt es kein Gebot, das lautet, man solle seine Kinder ehren?
      Respekt funktioniert beidseitig.

      Antworten
      • Claudia

        danke für diese Sicht, ich han nur sllzu oft gehört: das 4. gebot!

        Antworten
  6. Mirijam

    Liebe Dami,
    es gibt keine Zufälle. Du sprichst mir aus der Seele. Vielen, vielen Dank. Ich bin zur Zeit im schmerzhaften Ablösungsprozess von meinen Täter-Eltern. Ich habe seit ich in Genesung von meinen Traumata bin alles versucht, Besuchen, Telefonieren, Briefe schreiben. Und ich habe drei Jahre lang brieflichen Kontakt ohne Beziehung ausprobiert, nachdem mich ein letzter Besuch bei ihnen retraumatisiert hatte. Es geht nicht, jede Kontaktaufnahme schadet mir. Außerdem versteht sich meine Mutter gut auf Telefonterror und darauf, wie du im Video gesagt hast, die richtigen Knöpfe zu drücken. Wenn ich so weitermache, werde ich richtig krank. Angeschlagen bin ich schon. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst mich von Ihnen zu trennen, meine Schuldgefühle, meine Verwicklung mit ihnen aufzugeben. Ich habe einen Abschiedsbrief geschrieben, den ich mit meiner Therapeutin bespreche, bevor ich ihn abschicke. Ich muss mich nicht um sie kümmern. Sie haben selbst dafür gesorgt, dass sie jetzt allein sind. Ich muss mich jetzt super gut um mich kümmern, damit ich durch diesen schweren Prozess durchgehen kann. GOTT sei Dank habe ich meine ehemalige Traumatherapeutin, die ähnliche Ansichten hat wie du und mich auf diesem Weg unterstützt. Und ich habe das Glück Freundinnen zu haben, eine geistliche Begleiterin und einige Menschen aus den Selbsthilfegruppen, die mich ermutigen.

    Zum Schluss möchte ich an alle, die das lesen, weitergeben, dass dieser Weg sich bis heute gelohnt hat und es weiter tun wird. Auch wenn es mitunter ein dorniger Weg ist, so blühen doch immer wieder Rosen für mich, Deswegen habe ich mir auch gestern ganz bewusst einen Rosenstrauß mit roten Rosen gekauft.

    Herzliche Grüße
    Mirijam

    Antworten
  7. Renate

    Liebe Dami,
    danke für den Beitrag zu den Eltern! Ich möchte dich bitten vielleicht mal einen Vlog über Geschwister zu machen, mir scheint, diese übernehmen das Verhalten der Eltern zu den jeweiligen Kindern. Ist das so?
    LG,
    Renate

    Antworten
    • Dami

      Liebe Renate, ich denke darauf gibt es keine falsch-richtig Antwort. Manchmal scheint das so zu sein und manchmal nicht. Es liegt ein wenig daran, ob die Geschwister miteinander loyal und solidarisch sind oder zu den Eltern.
      Herzliche Grüße,
      Dami

      Antworten
      • Renata

        Erstmal: Danke für dein unermüdliches Finden prägnanter und treffender Worte!

        zur Ergänzung des Themas Geschwister:
        nach meiner Erfahrung versucht eins der Geschwister oft einen frei werdenden Platz (Rolle) der Eltern einzunehmen, sobald sich die Gelegenheit ergibt (Alter,Schwäche, Tod)
        Die „Methoden“ sind manchmal anders, angestrebt ist der gleiche Einfluss.

        Antworten
      • Susanne

        Liebe Dami, es gibt auch die umgekehrte Seite. Ich bin Mutter von 2 Töchtern die 22 und 17 Jahre alt sind. Meine Ehe war für die Kinder Stress deshalb haben wir uns auch getrennt. Dennoch ist meine große Tochter in Kritiksucht verfallen mir und der Schwester gegenüber da sie das was mal war nicht verarbeiten will. Wie kann man in so einem Fall Frieden finden , da wir alle zusammen wohnen.Ist es mein schlechtes Gewissen? Danke dir von herzen für deine Arbeit.

        Antworten
  8. Melinas

    Gottseidank sind meine Eltern seit ich 14 bin tot – sonst wäre es noch schlimmer gekommen.

    Antworten
  9. Sophia

    Hallo Dami,
    dieser Beitrag kommt zur rechten Zeit. Ich ersetze Eltern durch Geschwister und habe dann dasselbe Thema. Wobei ich es schwierig finde einen Kontakt ganz abzubrechen. Es gibt ja familiäre Verpflichtungen die uns der Gesetzgeber auferlegt, von denen man sich nicht komplett verabschieden kann.
    Gleichzeitig regt mich dein Beitrag an, den Abschied einzuleiten. Eben mit trauern und/oder moralische Erwartungen loslassen und vielleicht neue Bilder zu kreieren wer der andere sonst sein könnte, außer ein Verwandter.
    Vielen Dank!

    Antworten
  10. Barbara

    Liebe Dami,

    das Video betreff Eltern ist ein Knaller! 🙂
    Die Anregung, mir vorzustellen, ich sähe meinen Vater im Cafe und die Frage, ob ich mit diesem Menschen gern Zeit verbringen würde…
    Ehrlich, es ist ja ein sehr trauriges Thema, aber ich habe sehr gelacht, es traf genau ins Zentrum des Themas und fühlte sich irgendwie befreiend an.
    Hat gut getan, den Film zu sehen!!
    Danke und mit freundlichen Grüssen,
    Barbara

    Antworten
  11. Alexandra

    Liebe Dami, ich danke dir sehr für dein Video über Eltern. Du hast damit so sehr mein Inneres gestärkt, das sagt, ich darf aufhören, Energie in diese Beziehung zu stecken. Es ist wahr, ich bekomme dort nicht das, was ich mir wünsche. Und ich achte ab jetzt noch mehr gut auf mich. Mein Inneres weiß, wann Kontakt geht und wann nicht.

    Herzliche Grüße, Alexandra

    Antworten
  12. Birgit

    Liebe Dami Charf,

    endlich wieder etwas von dir und deiner wundervollen Arbeit.
    Es ist mir wohl bekannt. Und obwohl meine Eltern nicht mehr leben, so hilfts mir im nachhinein noch sehr, bringt innerlich noch einiges in Ordnung,
    vielen Dank.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Beitrag und werde diesen einer Bekannten zeigen, die sich ebenfalls mit diesem Thema auseinander setzen muss.
    Viel Kraft für deine Arbeit
    Birgit

    Antworten
  13. Nadja

    Liebe Dami,

    ich bin seit Jahrzehnten so unschlüssig was ich tun sollte. Es ist alles zerbrochen. Es gab keinen einen riesen Streit, aber von ihnen immer nur diese emotionale Kälte, die ich schon als Kind nur so schwer ausgehalten habe. Was ich auch an Zuwendung, Anerkennung, an Liebe und Worten, an Wärme und Familie wünschte, es gab es nicht. Niemals.

    Später dann: Immer nur der Hinweis darauf, dass jeder seins macht. Was bedeutet: Erzähle bloß nichts von Dir, ich müsste dann höflich darauf eingehen, was ich aber nicht tun will.
    Echtes Interesse – Fehlanzeige.

    Als Erwachsene und verheiratete Frau, habe ich so oft den Kontakt hergestellt, Besuche organisiert, forciert, mich bemüht.
    Nach und nach wurde von ihnen alles abgelehnt. Das Kuchen backen, das zu mir kommen, kleine Geschenke… alles nicht erwünscht. Als alles liquidiert war, blieb nur noch mein Kommen zu ihnen. Nur kurz, keine Gespräche, nur mal gesehen haben. Es war nur noch oberflächlich, angestemmt, verklemmt und ohne Frohsinn.
    Ich habe das nicht mehr ausgehalten. Ständig begleitend dieses über einem schwebende Pulverfass, mit all den Dingen über die ich nicht sprechen darf. Und dass er als Vater mich jederzeit des Tisches und der Wohnung verweisen kann. Alles was mich betrifft kann ich nicht erzählen. Da ist auch gar nichts Seltsames oder Unwürdiges. Einfach nur mein Leben mit meinem Mann und meiner Familie. … alles nicht erlaubt zu äußern.

    Es blieb nichts übrig. Nur am Tisch sitzen und sich Mühe geben nicht das Falsche zu sagen.

    Ich bin nicht wieder hingegangen. Seit 3 Jahren nicht mehr.

    Sie kommen nicht zu mir. Sie waren vor 10 Jahren ein paar mal da und dann nie wieder. Ich habe sie ungezählte Mal eingeladen. Sie tun es nicht.
    Ich habe aufgehört sie einzuladen.

    Nun rufen sie ein oder zweimal im Jahr an. Ganz nichtssagend. Ich höre was sie sagen und fühle dass sie sich Mühe geben nichts Bedeutungsvolles zu sagen. So wie sie mir nie jemals etwas Bedeutungsvolles gesagt haben. Sie brauchen mich nicht, finden nichts von dem was ich tue gut, vermissen mich nicht, interessieren sich nicht für mich.

    Langsam höre ich auf, noch irgendetwas zu hoffen.

    Das fühlt sich durchaus auch gut an.

    Umso unerträglicher sind die kurzen Telefonate. Als ich noch so sehr und auch manchmal auch offen damit haderte, weshalb man sein eigenes Kind so ablehnen und so wegschieben kann waren in ein paar Gesprächen durchaus Emotionen, vor allem bei mir… heute ist diese Gesprächsenergie auch nicht mehr da. Es ist überhaupt keine Energie mehr im System.
    Eine mit Worten gelegentlich gefüllte leere Blase.

    Auch ich habe ihnen dadurch nichts mehr zu sagen,
    Aber diese Leere in den Momenten der Telefonate ist unerträglich hart.
    Ich versuche das auszuhalten. Es ist so selten. Aber beschäftigt mich dann Tage oder Wochenlang. Es schmerzt gezeigt zu bekommen, wie wenig Familie wir sind. Und ich gar nicht dazugehöre.

    Um sie sorgen muss ich mich nicht.
    Sie haben noch einen guten Sohn.
    Das sage ich heute ohne Groll. Er ist der gute Sohn, das gute Kind. Er ist mit ihnen nicht nur verwandt, sondern fast geklont. Auch er will keinen wirklichen Kontakt zu mir. Er leistet einen Pflichtgeburtstagsanruf ab, neuerdings nur eine Karte.
    Sie alle drei eint dieselbe kühle Art zueinender Nichtssagend zu sein. Vielleicht haben sie auch Emotionen, ich weiß es nicht. Vor mir blieb alles das verborgen.

    Ich werde immer darüber traurig sein.
    Das ist das eigentliche Traurige daran.
    LG Nadja

    Antworten
  14. Martin

    Besten Dank für das Video. Es hat mir sehr geholfen Erwartungen zu erkennen und loszulassen. Erwartungen von Verständnis, Anerkennung, Anteilnahme, Liebe und Hoffnung auf Veränderung usw. Das Loslassen dieser Erwartungen hat einen bisher unerkannten Teil Verstrickung gelöst und mich mehr befreit.
    Die Frage ob mir die Kontakte mit meiner Familie selber gut tun, habe ich mir noch nie so klar gestellt und irgendwie Kompromisse gesucht. Mich getrauen wahrzunehmen, dass meist nach einem Kontakt eine oder mehrere alten Geschichten aktiviert wurden oder sogar wiederholt werden, ist für mich wegweisend.

    Antworten
  15. Fiona

    Vielen Dank für Ihre Arbeit. Mir tut allein ihr ruhiges, geerdetes Verhalten und ihre natürliche Ausstrahlung schon so gut. Wie präzise in kurzen Worten sie das wichtigste zusammen fassen ist super!
    Auch ich habe diesbezüglich einen langen Leidensweg hinter mir. Was hab ich mich verbogen und noch ausprobiert und gelesen und gemacht, damit die Beziehung zu meinen Eltern irgendwie funktioniert. Hat es nie. Die Waagschale war schief, ich gab immer, die nahmen immer und behandelten mich weiterhin wie den letzten Mist.
    Dann nach langem ringen, nach vielen kleinen Schritten, endlich der Kontaktabbruch. Eine unendliche Befreiung! Endlich wieder Unbeschwertheit genießen, fröhlich sein, leben! Ich konnte sofort das rauchen sein lassen (nach 17 Jahren und unzähligen Aufhörversuchen) und mich endlich um MEIN Leben kümmern. Und aus meiner Coabhängigkeit aussteigen.
    Ja die Trauer kommt immer mal wieder hoch, aber ich werde nicht wieder in das alte Fahrwasser zurück fallen und wieder Kontakt aufnehmen, denn wie Sie schon sagen: Das was ich mir wünsche, brauche erhoffe können meine Eltern nicht geben: Lob, Anerkennung, Wertschätzung, Aufrichtigkeit, Mitfreude, Wärme… all das gebe ich mir nun immer wieder selber….sei dir selbst die guten Eltern. Oder so 🙂
    Alles Gute für Sie!

    Antworten
    • Bea

      Toller Beitrag der mir aus der Seele spricht wobei ich noch einen event. Kontaktabbruch beiseite schiebe.
      Ich fühle genau so.

      LG !

      Antworten
  16. Peggy

    Vielen Dank für Ihr Video! Das Thema Schuldgefühle kenne ich sehr gut in diesem Zusammenhang. Jede Familiensituation ist anders.
    Ich habe über viele Jahre versucht auch zusammen mit Therapeuten die Beziehung zu meiner Mutter zu klären. Ich weiss noch, wie meine Mutter im Gespräch bei einer Therapeutin erklärte, dass sie viel dazugelernt hätte und jetzt vieles anders machen wird.Es änderte sich nichts. Meine Mutter schafft es auch immer wieder mich als Täterin und sich als Opfer hinzustellen. Verkehrte Welt! Da habe ich verstanden, es gibt Familien da gibt es nur eine Chance : Gehen! Und lernen sich zu Schützen! Egal wie andere darüber denken! Das ist traurig, aber es gibt auch Menschen, die anders sind, als die Familie. Wo Vertrauen und Beziehung möglich ist!!!

    Antworten
  17. Catrin E.

    Ich sehe dieses Thema ggf. ebenso zutreffend auf die Beziehung zu den Eltern des Partners. Was u.U. die Beziehung zum Partner erschwert.
    Das ist eine meiner Erfahrungen.

    Antworten
  18. Milena

    Liebe Dami
    Vielen Dank für das gute Video.
    Ich habe gelernt, mich in Liebe von meinem Vaten abzugrenzen. Ich spüre sein Leid, aber es ist seins. Er kommt ein Mal in der Woche auf Besuch, auch, damit er meine Kinder sieht, aber er ist wie er ist und darf so sein und wir auch. 🙂 Es ist schön, ihn ohne Erwartungen einzuladen und die „unperfekten“ Momente stehen lassen zu können. Es war ein langer Weg, aber ich bin danbkar, hab ich einen friedlichen Weg gefunden, meinen Vater in meinem Leben zu integrieren. (Es gab ein Jahr, da hab ich jeglichen Kontakt mit ihm verweigert, war sehr wichtig, notwendig und heilend für mich).
    Milena

    Antworten
  19. Patricia Gase

    Bei mir geht es auch um die Beziehung zu meinen Eltern.

    Antworten
  20. Andrea

    Vielen Dank für das Video. Nie war mein Familienleben normal, ich wusste nie warum. Ich bin Einzelkind, habe 2 tolle Kinder und Enkelkinder und liebe Schwiegerkinder.
    Ich bin von einer Mutter ohne Gefühl und einem Vater mit extrem narzistischen Verhaltensweisen erzogen worden. Heute im Nachhinein betrachtet die Hölle. Ich kann selbst nach meiner Aufarbeitung, immer noch bei…nicht fassen wie ich seel. und körperl. Gewalt aushalten konnte. Ich bin selbst inzw. 58 Jahre. Wir wohnen uns schräg gegenüber und meine Eltern sind über 80. Noch immer tu ich mich extrem schwer Abstand zu halten trotz Hilfe in Alltagssachen.Ich habe über 50 Jahre gebraucht um einen eigenen Weg zu finden mein Leben zu leben. Ich war über 26 Jahre in einer Ehe mit einem Trinker und Narzisten. Mein Mann ist inzw. verstorben und ich fühle mich befreit. Es war eine schlimme Ehe, mit körperl. und psych. Gewalt. Ich war auch nicht die beste Mutter weil ich es nicht besser wusste. Heute nach vielen Gesprächen haben wir die Kinder und ich ein sehr gutes Verhältnis. Wirklich leiden tu ich noch immer weil ich nie von meiner Mutter Liebe bekommen habe und ich emotional nicht loslassen kann. Dieses Video und die Seite helfen mir auch ein Stück weiter.Vielen Dank

    Antworten
  21. Sarah

    Liebe Dami

    Du hast wirklich ein Talent Wesentliches auf den Punkt zu bringen. Ganz grosses Lob an deine Arbeit!!!:-)

    Der Aspekt, der mir persönlich in Bezug auf den Kontakt zu den Eltern fehlt, ist, wie man damit umgeht, wenn die Eltern den Beziehungsabbruch nicht akzeptieren.

    Bei mir zeigt sich das durch Telefon-Terror, Combox-Nachrichten, handgeschriebene Briefe. Inhaltlich von sehr aggressiv bis „ich liege im Sterben und möchte dich nochmal sehen“. Geht in Richtung moralisch-emotionale Erpressung und repräsentiert auch schön meine Kindheit, welche von Parentifizierung geprägt war. Ich reagiere nicht. Jedoch ist es für mich immer (noch) schwierig gelassen darauf zu reagieren und das einfach abperlen zu lassen. Mittlerweile hält der Zustand schon 4 Jahre an und ich frage mich, ob es da draussen noch andere Menschen mit einem ähnlich abgefahrenen Problem gibt;-)…

    Glg

    Sarah

    Antworten
    • Anja

      Oh, liebe Sarah, ja, ja, ja, da draußen gibt es Menschen, denen es ähnlich geht! Ich danke dir so sehr für deinen Kommentar! Ich weiß genau, wovon du redest! Bist du auch Einzelkind?

      Antworten
  22. Claudia

    Hm,schöner Artikel, dennoch weiß ich jetzt immer noch nicht: ob ich das darf: meine Beziehung zu den Eltern auf ein Minimum zu reduzieren.
    Nach außen hin hatte ich eine wundervolle Kindheit, meine Eltern, vor allem mein Vater schienen sehr liebevoll und besorgt um mich. Klassenkameraden erinnern sich, dass ich sogar sehr verwöhnt wurde.
    Dennoch sind einige Dinge schief gelaufen, was ich erst sehr spät bemerkt habe, weil alles sehr subtil abgelaufen ist. Ich zeige alle Anzeichen einer traumatisierten Persönlichkeit und kämpfe heute, mit 60 Jahren, mehr denn je um mein Wohlbefinden.
    Heute,wo ich das schreibe, hat meine Mutter , schwerst alzheimerkrank und auf der Stufe eines Säuglings, ihren 94. Geburtstag. Mein Vater hat uns indirekt aufgefordert, “ diesen Tag doch nicht zu vergessen“.
    Bisher hab ich es nicht geschafft, irgendeine Form der Gratulation abzuliefern, zumal ich denke, ich würde es eher für meinen Vater tun als dass meine Mutter davon etwas mitbekäme oder gar irgendeine Reaktion zeigen würde.
    Ich fühle mich schuldig….

    Antworten
    • Dami

      Liebe Claudia, leider kann dir niemand erlauben den Kontakt abzubrechen (also meine Erlaubnis hast du), das kannst nur du selbst. Ebenso kann leider nicht niemand von deinen Schuldgefühlen entbinden ausser du selbst. es ist dein Leben, niemand kann dir vorschreiben, was du tust. Das wirklich zu fühlen ist ein langer Weg, das weiß ich, aber dort angekommen ist es eine ungeheure Befreiung. Ich wünsche dir die Kraft dazu. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  23. Martina Braun

    Liebe Dami ,Danke für deine Arbeit….du sprichst immer wieder auch unsere christliche Sicht an ,was ich sehr schätze ,das Gebot …es ist ja auch nur ein Gebot ,kein Gesetz ,Eltern zu Ehren hat auch einen Zusatz in der Bibel der einfach immer überlesen wird und der uns auch present sein sollte ….der besagt das auch die Eltern vor Gott die Verantwortung haben ihre Kinder so zu lieben und gut zu behandeln ,das in den Kindern kein Hass gegen die Eltern entstehen kann .Das ist eine Elternpflicht ….mir hat dieses Wissen sehr geholfen

    Antworten
  24. Bea

    Ganz lieben Dank Dami für diese weisen und wohltuenden Worte. Als Tochter einer (nun im Alter) stark narzisstischen Mutter schaue ich immer noch dass es ihr gut geht. Leider vergesse ich mich selbst dabei.

    Antworten
  25. Bea

    Nachtrag:

    Ach so… mein Co-narzisstischer, cholerischer Vater war eh nie eine (emotionale) Ansprechperson.
    Er ist mir bis heute noch (bin ü50) ein liebes Wort, eine Umarmung o.ä. schuldig geblieben. Jetzt ist der Kontakt inzwischen ganz zerrüttet. Kein Wunder dass ich mich in eine Pseudo-Geborgenheit bei meiner Mutter geflüchtet habe, die in eine Abhängigkeit führte und mich noch heute zusätzlich durch eine Substanzabhängigkeit begleitet.

    Antworten
  26. Angelika Wagner

    Hallo Dami,
    in Deinem Video über die Beziehung zu Eltern hast Du mich in meiner Entscheidung bzgl. des Kontaktabbruches zu meinen Eltern bestärkt.
    Ich habe vor einiger Zeit den Kontakt komplett abgebrochen, weil ich sonst an der Hoffnung auf das Geliebtwerden und das Anerkanntwerden von meinen Eltern, zerbrochen wäre.
    Es tut immer noch weh, aber es ist besser zu ertragen als die ständige unerfüllte Hoffnung.
    Du gibst mir mit Deinem Video wieder mehr Halt in meiner Entscheidung.
    Vielen Dank dafür.
    LG Angelika

    Antworten
  27. Silja.lenarz-stephany

    Liebe Frau Charf,
    Ich habe mich schon sehr sehr lange mit meiner Entwicklungsgeschichte befasst und bin immer wieder aus Sorge vor mangelhafter fachtherapeutischer „Hilfe“ und damit Mißerfolg und sinnlosem emotionalen Energie- (und auch finanziellen) Aufwand vor Therapien zurückgeschreckt. Ich habe mir mühsam umd langsam teilweise erfolgreich selbst geholfen, dabei natürlich Freunde und Partner mehr oder weniger stark „strapaziert“. Ich habe so eine Essstörung und eine depressive Lebenshaltung (keine Depression! – nur ein Grundgefühl) lokalisiert, ergründet, verstanden und wieder überwunden. Alles aus meiner Vergangenheit ist allerdings noch nicht verarbeitet und ein liebevoller Mensch hat mir Ihren Link genannt.
    Solch eine kompetente Person und Therapeutin wie Sie es sind ist mir bisher noch nicht bekannt geworden und ich lese und höre äußerst interessiert und mit „Aha-Effekten“, was Sie schreiben und sagen. Hut ab vor Ihrer Reife, Wahrhaftigkeit, Bildung, Persönlichkeit und auch Motivation zu helfen,u.s.w und vielen Dank Ihnen! gut, dass ich von Ihnen erfahren habe.

    Antworten
    • Dami

      Vielen Dank! Und weiterhin alles Gute! Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  28. Marlen

    Danke! Mich hat der Text darin bestärkt, das zu tun, was mir gut tut… ohne schlechtes Gewissen. Doch dieser Prozess hat lange gedauert, und ich bin noch mittendrin. Meine Schwester übrigens auch…

    Was mich sehr berührt und auch fassungslos macht, sind die vielen Kommentare – wie traurig, dass so viele von euch auch leiden. Alles Liebe für euch und seid gut zu euch! ?

    Antworten
  29. jens marktwart

    ich bin 35, mit 21 bin ich ausgzogen. nach dem auszug kamen meine mutter und ich damit sehr gut klar. sie hatte nie sowas wie einen freundeskreis aber familie. sie war beinahe jeden tag bei meinen großeltern. wir haben uns alle 3-5 wochen gesehen. das ging 6 jahre lang gut, bis die großeltern starben. ab dann war sie wirklich alleine und vereinsamte.
    sie übernahm das haus meiner großeltern und wohnt auf 140 qm allein. keine freunde, keine sozialen kontakte abseits der arbeit. ab da ging es los, dass sie mehr und mehr kontakt zu mir suchte. sie wollte mich als sohn, besten freund, problemlöser, einkaufshelfer und handwerker. 2 jahre nach dem tot ihrer eltern, war sie 56, war aber so unselbstständlich und hilfebedürftig, wie eine typische 80 jährige. wenn sie einen tisch verrücken will, ruft sie an, für weihnachten kann sie nicht alleine schmücken und ruft an, wenn sie getränke kaufen will, ruft sie an. etwa 2 weitere jahre später, entwickelten sich bei ihr ängste. jeder mensch ist böse, an jeder ecke wird man betrogen und könnte beklaut werden, man könnte ihr konto leerräumen. jeder bauchschmerz kann darmkrebs sein, jeder kopfschmerz ein hirntumor. ständig ist sie im krankenhaus 3-5 mal im jahr, es wird selten mal was gefunden was dann behandelt wird und sie ist so oft drin, dass ich es schon nicht mehr ernst nehmen kann, was sie sehr verletzt. ginge es nach ihr, sollte ich am besten mit meiner frau bei ihr wieder einziehen, auch wenn sie vor 14 jahren froh war, dass ich ausgezogen bin. an sich wünscht sie sich aber, dass ich 3x die woche, die 50km zu ihr auf mich nehme und nicht nur zum kaffe trinken komme, sondern 5 stunden da verbringe.
    auf sehr subtile art, spielt sie die schlechte gewissen karte, da sie mir während meiner ausbildung finanziell stark geholfen hat, da ich sonst die ausbildung nicht hätte machen können, denn jeden monat von den eltern 450 euro zu bekommen und auto, sprit und wohnung zu bekommen, um 200km entfernt seine schulische ausbildung machen zu können, war für sie auch nicht einfach zu stämmen. es macht mich seit jahren fertig. wenn ich an einem sonntag bei ihr bin um sie zu besuchen und um 10:00 da bin, fallen ihr 100 sachen ein, die ich, wenn ich schonmal da bin, erledigen könnte, weil sie es ja nicht kann oder es ihr zu anstregend ist, wenn ich dann um 18 uhr fahren will, weils zu hause essen gibt, versucht sie mir essen anzubieten, damit ich länger bleibe und wird traurig, wenn ich dann nach gehen will. mir ist absolut bewusst, dass wenn ich mich zurückziehe und den kontakt abbreche, dass sie richtig abstürzen wird. ich habe mein eigenes leben und das gefühl, das ich mit mitte 30 noch zu jung bin, um mich um 2 haushalte zu kümmern und neben meinen, den bedürfnissen meiner frau, auch noch vollständig die meiner mutter bedienen zu müssen. ich weiß einfach nicht, was mit ihr passiert ist seit dem tot ihrer eltern, denn sie ist wie gesagt, rasant gealtert. meine oma war mit 74 selbstständig, kontaktfreudiger und robuster, als es meine mutter mit 60 ist. und jedes jahr wird es schlimmer. meiner frau wäre es am liebsten, wenn ich ihr garnicht mehr helfen fahre und sie sich dafür dienste kommen lässt und ich nur 1x im monat hinfahre, wenn es dabei nicht um problemlösung geht, sondern nur darum einen schönen tag zu haben. ich fühle mich nicht wie ein arbeitssklave, sondern mehr wie die einzige person, die einer anderen person helfen kann und daher aus verantwortung muss, denn wenn ich es nicht tue, wird es für sie nur noch schlimmer.

    Antworten
  30. Andrea Pirringer

    Liebe Frau Charf,

    danke für diesen Text, den ich heute „gegoogelt“ habe, weil ich ihn gerade jetzt brauche …

    Bei mir sind es auch vorwiegend die Schuldgefühle, die mich daran hindern, mich von den Eltern zu lösen. Jahrelange Gehirnwäsche und Manipulation haben dazu geführt, dass ich nicht wirklich frei bin in meinen Entscheidungen.

    Es ist schwer, sich daraus zu lösen, weil immer noch die Furcht vor Bestrafung im Raum schwebt. („Wenn ich mich nicht so verhalte, wie die Eltern es wollen, dann passiert etwas ganz Schlimmes…“).

    Mein Therapeut diagnostizierte kürzlich bei mir sogar masochistische Tendenzen. Ich glaube nicht, dass man von Natur aus Freude an Leid und Schmerz hat. Jeder Mensch sehnt sich nach Glück und Liebe. Aber wenn man dies von den Menschen, die einem am nächsten stehen, jahrzehntelang nicht bekommt, wird es zu einer dauerhaften Selbst-Qual.

    Das Hauptproblem sehe ich einerseits in den Schuldgefühlen, andererseits aber in bestimmten (ebenfalls anerzogenen) Leitsätzen, die wir tief im Inneren eingeprägt bekommen haben, und die sich nicht ohne Schmerzen wieder herausschälen lassen, weil sie mit unserer Persönlichkeit fest verwoben sind.

    Ich bin jetzt auf dem Weg der späten Loslösung. Leider kostet dieser viel Kraft, die ich viel lieber in kreative Projekte stecken würde.

    Herzlich,

    A. Pirringer

    Antworten

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
Datenschutz
, Besitzer: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.