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Psychotherapien bei Trauma – warum sie oft nicht wirken

von | 07.07.2017 | 9 Kommentare

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Sehr viele Menschen sind von traumatischen Ereignissen und den daraus folgenden Störungen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS), psychischen und körperlichen Symptomen betroffen, wissen aber nur wenig über die Hilfs-Optionen: Methoden, Behandlungen und Verfahren scheinen undurchsichtig. Sie sind sich dann meist unsicher, zu welchem Therapeuten sie gehen sollen. Tatsächlich ist es so, und darum geht es in diesem Beitrag, dass viele Therapieformen bei Menschen, die eine Traumatisierung in sich tragen, nicht sehr gut wirken. Dadurch machen viele Menschen jahrelange Therapien, ohne das Ergebnis zu erreichen, das sie sich wünschen: ein lebendigeres und unbelasteteres Leben, in dem die Vergangenheit nicht mehr die Zukunft bestimmt.

Insbesondere meine ich damit die rein gesprächsbasierte Psychotherapie. Trauma wird auf eine sehr spezielle Art und Weise im Gehirn und im Körper gespeichert. Die betrifft vor allem Schocktraumata, aber auch Bindungs- und Entwicklungstraumata, die sich über Jahre kumulieren und entwickeln.
Warum eine körperorientierte Traumatherapie dringender Bestandteil der Trauma-Psychotherapie sein sollte, wird deutlich, wenn wir das Trauma als solches und damit verbundene Gefühle tiefenpsychologisch betrachten und zugleich die Lokalisierung traumatischer Erinnerungen im Gehirn.

Eine wichtiger Schritt für die Wahl der passenden Therapie: Trauma verstehen lernen

Vielleicht kennst du das Gefühl, von einer Situation, einem Erlebnis oder mehreren Ereignissen dauerhaft überwältigt zu sein und sie gegebenenfalls auch wiederholt zu durchleben.
Ob für die Verarbeitung traumatischer Ereignisse an sich oder bei einer posttraumatischen Belastungsstörung (ptbs): es lohnt sich, sich zunächst Gedanken darüber zu machen, was ein Trauma überhaupt ist und wo es entsteht und darauf basierend, welcher therapeutische Ansatz dafür sinnvoll ist.

Traumata erkennen

Betroffene haben häufig das Gefühl oder die Angst, es liege an Ihnen, wenn es in der Therapie nicht vorwärts geht. Es liegt ganz oft aber nicht an dir und nicht daran, dass du therapieresistent oder nicht lernfähig wärst. Stattdessen liegt es eher an der Art von Therapie, die häufig durchgeführt wird. Ein Trauma wird im Körper und im Gehirn vollkommen anders prozessiert als andere Erinnerungen. Ein traumatisches Ereignis -vor allem Schocktrauma – beinhaltet immer eine Art Überwältigung, eine panische Angst, Todesangst. Das gilt auch dann, wenn wir uns dessen gar nicht bewusst sind bzw. das bei dem traumatischen Ereignis nicht gespürt haben. So kann z.B. eine Operation traumatisch sein, aber natürlich hast du sie meistens nicht so in Erinnerung, weil du in Narkose warst. Dein Körper ist aber gewissermaßen nicht wirklich in Narkose, sondern bildet trotzdem Erinnerungen. Auch sonst gibt es noch ganz viele andere Dinge, die dir vielleicht als normal erschienen sind oder bei denen alle anderen sagen, dass du damit zurecht kommen müsstest. Aber irgendwie kommst du eben nicht damit zurecht. Auf jeden Fall ist Trauma einfach weit davon entfernt, dass es immer nur um Naturkatastrophen, Krieg, oder sonst eine Form von schwerer Gewalt geht. Viele Menschen sind betroffen z.B. wenn der Partner einen Herzinfarkt bekommt und man dabei ist oder, wenn man erfährt, dass man schwer krank ist. Das können total traumatische Erlebnisse sein.
Menschen beginnen für die Verarbeitung auch solcher Ereignisse eine Therapie. Ein Trauma bedarf aber einer speziellen Trauma-Psychotherapie.

In meinem Blog erfährst du darüber hinaus, wie du einen geeigneten Traumatherapie-Therapeuten findest.

Gehirn, Trauma und Psychotherapie

Es ist wichtig, sich vor der Wahl der Therapie oder eines Psychotherapeuten klar zu machen, wie Traumata erinnerungstechnisch im Gehirn bearbeitet werden. Deshalb möchte ich kurz und grob auf den Aufbau unseres Gehirns eingehen. Man spricht manchmal von dem „dreieinigen Gehirn“. Da ist zum Einen das Stammhirn, der entwicklungsgeschichtlich älteste (ca. 500 Millionen Jahre alte) Gehirnteil. Dieser ist für das Überleben zuständig. Erst ca. 300 Millionen Jahre später hat sich das limbische System darauf gesetzt. Das ist sozusagen der Teil, wo Emotionen und Bindungen ins Leben kamen. Das was uns als Menschen praktisch ausmacht, sind der Neocortex und der frontale Cortex, durch den wir z.B. abstrakt denken können. Dieser entwickelte sich erst vor ca. 200.000 Jahren.

Traumata werden im Stammhirn gespeichert, weil diese Erlebnisse etwas sind, wo es ums Überleben geht, wo unsere Instinkte und Reflexe gefragt sind. Das Stammhirn, als älteste Hirnregion, reagiert aber nur sehr indirekt auf Sprache. D.h. ich kann Dinge hundertmal erzählen, aber es ändert nichts am Empfinden und bringt das Trauma überhaupt nicht zum Verschwinden, wäre dies anders, wäre jede und jeder Betroffene geheilt.
Deswegen lässt man heute in der Trauma-Psychotherapie Klient*innen eigentlich nicht mehr die traumatischen Geschichten erzählen. Vor einigen Jahren bestand noch die Annahme, dass ein Trauma davon “geheilt” wird, wenn es in möglichst vielen Details erzählt wird. Heute weiß man, dass es weder sinnvoll noch heilsam ist, sondern nur hoch belastend oder gar retraumatisierend. Die Konfrontation mit der Erinnerung und Angst ist eigentlich nur eine zusätzliche psychische Belastung. Trauma und Psychotherapie verhalten sich in diesem Fall also eher kontraproduktiv zueinander.
Das Stammhirn reagiert sehr stark auf Bilder, weshalb es für die Klient*innen sehr schrecklich sein kann, wenn sie ihre Geschichte erzählen. Denn dann kommen die ganzen Bilder und Gefühle wieder hoch.
Das ist dann oft erneut traumatisierend oder extrem beängstigend. Unser Verstand oder Neokortex hat überhaupt keinen Einfluss darauf, was im Stammhirn gespeichert wird. Das bedeutet auch, dass Klient*innen oft all ihre Probleme verstanden haben und erklären können, sich aber dennoch nicht wirklich tiefgreifend etwas verändert hat und das Leben leichter und lebendiger wird.
Das ist das große Problem mit Redetherapien: Der entscheidende Teil im Gehirn ist nicht für Sprache zugänglich; aber die Bilder, die mit der Sprache in einem hervorgerufen werden, lösen wieder die alten Gefühle aus. Bei einem Trauma können diese Gefühle aber nicht gehalten werden, man wird von ihnen völlig überwältigt. Das kann sich so äußern, dass die Gefühle aus einem herausplatzen oder so, dass man sie von sich abspaltet und dissoziiert (link zu Dissoziation) und die Stimme beim Erzählen ganz flach wird und man innerlich nicht mehr dabei ist.

Schocktrauma und Entwicklungstrauma

Bis jetzt haben wir praktisch über Schocktrauma gesprochen, das ist das, was normalerweise unter Trauma verstanden wird. Aber es gibt eben auch diese ganzen frühen Verletzungen, Bindungstraumata und Entwicklungstraumata, und auch da ist es so, dass dir ein Gespräch als Verfahren letztendlich sehr wenig nützt. Du wirst zwar ganz viele Sachen erkennen, das ist auch gut so und sinnvoll, aber die Erkenntnis wird nicht so wahnsinnig viel verändern. Menschen mit sehr frühen Verletzungen sind oft jene, welche jahrelang in Therapie bei einem Psychotherapeuten gehen und einfach nicht weiterkommen.
Die Behandlung, beziehungsweise das Gespräch allein als Mittel der Psychotherapie, erreicht bei Trauma nicht die richtigen Gehirnregionen und geht nicht tief genug. Als Traumatherapie ist eine körperorientierte Traumatherapie wesentlich besser geeignet.

Psychotherapien bei Trauma

Das liegt daran, dass eine Gesprächssituation in der Therapie, wo du mir als Psychotherapeutin erzählst, wie es dir geht und was geschehen ist, einfach eine sehr begrenzte Art von Kommunikation ist, die außerdem auch für Störung anfällig sein kann. Immer, wenn du über dich selbst erzählst und reflektierst, nennt man dies eine sogenannte linkshemisphärische Kommunikation. Das heißt, sie ist sehr stark von der Ratio gesteuert, vom Denken. Vielleicht sind auch mal ein paar Gefühle dabei, aber im Großen und Ganzen ist es eben linkshemisphärisch. Und diese Art von Kommunikation heilt so frühe Verletzungen leider nicht. Denn wenn wir Emotionen und alte Verletzungen erreichen und neue Erfahrungen für die Klient*in bereitstellen wollen, müssen wir rechtshemisphärisch kommunizieren. Als Menschen reagieren wir auf auf Tonfall, Stimmlage, Gesichtsausdrücke: Wie schaut mich jemand an? Ist mir jemand zugewandt? Und diese Fragen sollte man sich als Therapeut*in selbst auch stellen: Wie bin ich als Therapeut*in in meinem Körper? Wie gut sehe ich, was im Körper des Klienten vor sich geht? Was für eine Geschichte erzählt er mir? Manche Menschen erzählen eine Geschichte sprachlich und eine vollkommen andere mit ihrem Körper.
Jemand erzählt von einem Ausflug mit seinem Vater in den Wald als eines der Highlights seiner Kindheit und gleichzeitig sagt sein Körper genau das Gegenteil aus und zeigt vielleicht Angst. Dieser Körperbezug ist extrem wichtig, weil im Körper viele Erinnerungen gespeichert werden, die so nicht in einer (sprachlichen) Erzählung auftauchen. Das ist die Herausforderung für die Therapeuten: Wie gut ist man selbst in seinem Körper verankert und wie gut versteht man dann auch die Körpersprache der Klienten. Man darf also nie vernachlässigen, dass Traumata ganz anders im Körper und im Gedächtnis prozessiert werden als andere problematische Ereignisse. Hier geht es eben um unsere basalen Instinkte, um unser Überleben und unsere Sicherheit. Deshalb muss man für die Behandlung andere Wege als nur Gesprächstherapie finden.
Ich hoffe, ich kann hier deutlich machen, warum die Körperpsychotherapie und vor allem eine traumainformierte Körperpsychotherapie oder körperorientierte Traumatherapie bei Trauma höhere Chancen für eine psychische und seelische Verarbeitung bereit hält.

Körperorientierte Traumatherapie

Dein Therapeut oder deine Therapeutin hat die Möglichkeit und die Verantwortung, dir als Klient*in die bestmögliche, wirksamste Traumatherapie anzubieten. Das bedeutet auch, dass ich als Therapeutin sage, wenn ich dir nicht die Unterstützung bieten kann, die du brauchst. Wir haben hier in Kürze gelernt, dass die Methode der gesprächsbasierten Psychotherapie oft weniger für dich geeignet ist als eine körperorientierte Traumatherapie. Wie beschrieben basiert diese Erkenntnis darauf, dass Traumata anders im Gehirn gespeichert und verarbeitet werden und rein sprachlich kaum zu erreichen ist.
Selbstverständlich ist jede Methode nur so gut wie die Person, die sie ausübt. Es ist wichtig, dass du dir immer im Laufe der ersten probatorischen Sitzungen genau anschaust, ob du dich gesehen und erkannt fühlst und dein Gegenüber die klar sagen kann, wie die Integration stattfinden kann.
Leider gibt es in Deutschland bei weitem nicht genug traumatherapeutisch ausgebildetet Therapeut*innen, wie benötigt werden. Das ist ein großes und frustrierendes Problem für alle Betroffenen.

Über mich und meine Methode für die Traumatherapie und Psychotherapie

Ich bin Dami Charf, Heilpraktikerin für Psychotherapie und Gründerin der bindungs- und haltungsorientierten Körperpsychotherapie Somatische Emotionale Integration® (SEI®). Mein Team und ich bieten Gruppenpsychotherapie für Betroffene an, ebenso wie eine Traumatherapeuten-Ausbildungen und Fortbildungen (auch online) für fachlich Interessierte. Videos, wie zum Beispiel dieses zum Beitrag über die Sinnhaftigkeit einer gesprächsbasierten Psychotherapie bei Trauma mache ich, um mehr Wissen über das Thema in die Welt zu bringen. Sehr viele Menschen sind davon betroffen, wissen aber nur wenig darüber.

Informiere dich gern auf dieser Website oder meinem YouTube-Kanal über weitere Themen, passende Literatur sowie alle Bildungsangebote und Termine.

PS: Und falls Du Dir noch nicht das gratis e-book geholt hast, kannst Du das jetzt nachholen.
PPS: Vielleicht hilft dir mein Ratgeber “Wie man einen guten Psychotherapeuten findet”, du kannst ihn in meinem Shop kaufen.

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9 Kommentare

  1. Christiane

    Liebe Dami,

    ich habe viele Deiner Videos und Deine Bücher gelesen. Auch das zur Therapeutensuche. Vielen Dank für die tolle „Aufklärungsarbeit“.

    Meine Frage: wie läuft (könnte, sollte ablaufen…) denn eine Körperpsychotherapie-Sitzung konkret (konkret!) ab?
    Als Therapieneuling (meine Therapeutin arbeitet nach den Konzepten SE, NARM, SATe, systemischen Therapieformen) wünsche ich mir einfach etwas Vergleichsmöglichkeit.
    Vielen herzlichen Dank.

    Christiane

    Antworten
    • Dami

      Liebe Christiane, deine Therapeutin hat auf jeden Fall schon mal gute Ausbildungen. Nun kommt es einfach darauf an, ob du dich gut gesehen und erkannt fühlst und gut aufgehoben. Daniel Siegel sagte mal: „Eine Psychotherapie ist eine Liebesbeziehung auf Zeit ohne Sexualität“ Das drückt es ganz gut aus. Es sollte ein guter Ort sein, in dem du dich wohlfühlst mit der Person, mit der du arbeitest. Ich hoffe, das hilft dir ein bisschen weiter. Einen festen Ablauf für Therapien gibt es leider nicht.. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  2. Jeanette

    Liebe Dami

    ich schreibe ab März meine Bachelor Arbeit unter anderem über Körperpsychotherapie. Hast du eventuell Literatur Empfehlungen?
    Liebe Grüße
    Jeanette

    Antworten
    • Dami

      Liebe Jeanette, es gibt gar nicht so viel dazu. Es gibt einige Bücher zu Hakomi, dann gibt es noch ein neueres von Pat Ogden.. Da kannst du schauen. Dann ältere Bücher über Bioenergetik. Und natürlich die Literatur von Reich. Sonst gibt es mal vereinzelte Sachen, aber wie gesagt, das meiste Wissen wird in Ausbildungen direkt weitergegeben.
      Viel Erfolg! Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  3. Annette

    Liebe Dami,

    Danke für Deine tollen Texte! Ich habe zu diesem eine Anmerkung. Ich habe n DIS und ich persönlich habe davon profitiert, über Traumata zu berichten, zumal viele erst in späteren Lebensjahren überhaupt erst wieder erinnert wurden. Mit diesem Wissen muss man erst mal umgehen lernen…Mich persönlich macht es wahnsinnig, wenn ich erst mit neuen Therapeuten diskutieren muss, ob man Traumata berichten darf oder nicht, mehrmals passiert. Ich erlebe das als neues Sprechverbot. Ich habe durch das Durcharbeiten von Traumata eine wesentlich bessere Integration und Lebensqualität erhalten. Leider treffe ich bei der Therapiesuche heute nur noch auf dieses generelle *nicht drüber reden*. Für mich ist das nur schrecklich und ein Retrauma – wieder mit allem alleine zu sein. Denn es gibt immer mal Phasen, wo sich Traumatisierungen melden und nochmal angesehen werden wollen. Gerade wenn die Erinnerungen verschüttet waren…Diese Rückmeldung wollte ich gerne mal geben. Lieben Gruß! Annette

    Antworten
    • Dami

      Liebe Annette, für mich geht es nicht um ein generelles Redeverbot. Traumata wollen auch bezeugt werden. Das ist wichtig. Mir geht es darum, dass ein generelles „darüber reden“ nicht unbedingt heilsam ist oder zu einer Integration führt. Es kommt darauf an, wie man darüber redet, wie viel und ob man dabei assoziiert bleiben kann. Da gibt es viele Aspekte zu beachten und das möglichst gemeinsam mit der Klientin/dem Klienten. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  4. H..C. Hoffmann

    Bisher habe ich nur von Heilpraktikern erfahren, die die klassische Schulmedizin ablehnen und damit unverantwortlich handeln.
    Und nun eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, die die Therapiemethode der kassenärztlichen Psychotherapeuten ablehnt.
    Das kann doch echt nicht sein.

    Viele Menschen können sich Heilpraktiker und Körpertherapeuten nicht leisten.
    Es wäre verheerend, wenn sie sich in Krisensituationen nicht mehr an die Psychotherapeuten wenden, weil eine Frau Charf diese Therapieform für unzureichend und untauglich hält. Mit ihren Online-Auftritten erreichen Sie Tausende von Menschen. Überlegen Sie sich mal was Sie da tun.

    Sie preisen ihrer Methode an unter dem Motto: Traumaheilung
    Mit der Selbstregulation kann man mit Trauma vielleicht besser leben, doch geheilt ist es damit nicht.
    Ich bin vor kurzem einer Frau begegnet, die von ihrer Methode enttäuscht war, weil sie sich mehr davon erhofft hat.
    Sie wecken damit Hoffnungen, die Sie nicht erfüllen können und diffamieren gleichzeitig ihre kassenärztlichen Kollegen.

    Ihre einseitig negative Einstellung und Sichtweise in Bezug auf die Bewältigung von Trauma in der Psychotherapie finde ich unangemessen.
    Erstellen Sie bitte mal eine Positivliste. Wenn sie nichts positives entdecken können, holen Sie sich bitte Unterstützung von Anderen.

    Ich bin froh, dass ich in Krisensituationen von Psychotherapeuten und der Krankenkasse unterstützt wurde. Schon allein der persönliche Kontakt und Dialog ist Gold wert, den Sie mit ihrer Online-Präsenz nicht mehr bieten.

    In der Körpertherapie ( Biodynamische Massage ) wurden bei mir so viele Gefühle hochgeschwemmt, dass es gut gewesen wäre, wenn ich gleichzeitig noch eine Psychotherapie in Anspruch genommen hätte, um diese Gefühle auch auf der Verstandesebene besser sortieren zu können.

    Zudem bleiben die Psychotherapeuten in der Sie-Anrede. Dies nenne ich professionelles Handeln. Denn Klienten/Kursteilnehmer sind nicht die Freunde oder Kumpels von Therapeuten. Mit der Du-Anrede wird eine Nähe geschaffen, die so nicht stimmt. Dadurch kann auch emotionaler und finanzieller Missbrauch entstehen.

    Eine Abhängigkeit von einer Psychotherapie kann sich nicht entwickeln, da die Sitzungen begrenzt sind.

    Jede Therapieform und Methode hat in der Bewältigung von Trauma ihren wichtigen Stellenwert.
    Heilpraktiker oder Heilpraktiker für Psychotherapie, die sich nicht als ergänzenden Teil unseres Gesundheitssystems sehen, sondern als etwas Besseres und sich davon abgrenzen, sind für mich die schwarzen Schafe, denen man nicht hinterherspringen sollte.

    mfG H.C. Hoffmann

    Antworten
    • Dami

      Sehr geehrte Frau Hoffmann,

      vielen Dank für Ihren Kommentar auf meiner Seite.

      Ich bin erstaunt, dass Sie sagen, dass ich alle therapeutischen Verfahren ablehne. Das ist nicht richtig.
      Ich glaube, dass es für die klassische Gesprächstherapie Grenzen in der Behandlung bei Traumatisierungen gibt und dieser Meinung sind inzwischen recht viele auch sehr anerkannte Forscher auf dem Gebiet der Traumaforschung und Bindungsforschung.

      Leider machen viele Menschen diese Erfahrung, dass Sie mit einigen klassischen gespächsorientierten Verfahren nicht wirklich weiter gekommen sind. Ich möchte mit meinem Beitrag nur über die Möglichkeit aufklären. Leider denken viele Betroffene, wenn es mit der Therapie nicht funktioniert, dass etwas mit ihnen nicht stimmt. Das möchte ich gerne verhindern.

      Jede Therapie hat ihren Platz. Das ist keine Frage und ich lehne überhaupt keine klassischen und schulmedizinischen Behandlungen ab. In dem von Ihnen kommentierten Video geht es um die Behandlung von Trauma!
      Das ist sehr speziell und es gibt ja auch deswegen inzwischen einige Therapieformen, die sich auf die Behandlung von Traumatisierungen deswegen spezialisiert haben, weil die klassischen Verfahren dort oft an ihre Grenzen gekommen sind.

      Ich preise meine Therapieform nicht an, sondern ich stelle sehr viel Wissen zum Thema Trauma im Netz bereit. Und wenn Sie mir einen einzigen Therapeuten nennen können, der/die keinen einzigen unzufriedenen Klienten hat, dann wäre ich sehr erstaunt.

      Ich mache nirgendwo Heilversprechen, im Gegenteil ich bin einer der wenigen die klar sagt, dass die Integration von Trauma sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Wenn Sie sagen, dass Selbstregulation keine Heilung bringt, dann muss ich einfach sagen, dass Sie leider nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft sind. Bitte lesen Sie doch mal Daniel Siegel „Wie wir werde, die wir sind“ oder Allan Schore und andere.

      Es ist leider richtig, dass viele körperpsychotherapeutische Verfahren (vor allem früher) viel zu viel Material hochgeschwemmt haben, das Menschen dann nicht integrieren konnten. Es tut mir leid für Sie, dass Sie diese Erfahrung machen mussten. Ich habe sie auch gemacht. Auch auf diese Gefahr weise ich in meinen Videos hin.

      Wenn Ihrer Ansicht alle Therapeuten die sich mit ihren Klienten duzen unprofessionell sind, dann sind diese recht viele Therapeuten. Und ich würde sagen, das ist Ansichtssache und kein in Stein gemeißelte Wahrheit.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Dami Charf

      Antworten
  5. Ann

    Liebe Dami,
    Mit viel Interesse lese bzw. höre ich seit ein paar Wochen Deine Beiträge und dieser hier spricht etwas in mir besonders stark an.
    Ich bin wegen einer sehr komplexen PTBS seit vielen Jahren in psychotherapeutischer Behandlung, die mich inzwischen u.a. auch, da die Kassen ja nicht unbegrenzte Stundenanzahlen übernehmen, viel Geld gekostet hat. Inzwischen bin ich seit 6 Jahren bei einer ausgebildeten Traumathetapeutin in Behandlung und habe nach einigen Erfolgen inzwischen oft das Gefühl, einfach nicht mehr weiterzukommen bzw. dass sich an diversen Grundproblematiken einfach gar nichts verändert oder sie sich sogar verstärken. Natürlich suche ich Schuld und Versagen bei mir und frage mich, warum ich wohl so „therapieresistent“ bin. Es tat mir gut, zu hören, dass es vielleicht gar nicht nur daran liegen könnte, dass ich mich in der Therapie, die ganz klassisch in der Hauptsache über das Gespräch stattfindet, nicht genug einlasse oder anstrenge. Es ist auch bei mir so, dass es am meisten in mir zum Schwingen bringt, wenn mein Gegenüber in Tonfall und Mimik mir vertrauensvoll erscheint, da ist der Inhalt der Worte manchmal zweitrangig.
    Und ich möchte einer meiner Vorrednerinnen hier widersprechen: Das „Du“ in der Therapie, gerade wenn es um frühe Traumata geht, habe ich immer als Geschenk empfunden, weil es für mich die Beziehung eher stimmiger macht. Ich gehe seit 6 Jahren 1-2x wöchentlich zu meiner Therapeutin, die inzwischen mehr über mich weiß als mein Ehemann. Trotzdem spricht sie mich mit meinem angeheirateten Nachnamen an, den z.B.ja ebenfalls meine Schwiegermutter trägt. Mir ist das niemals hilfreich i.S.e. einer klaren Distanzierung gewesen, sondern eher irritierend, da ja zugleich eine große emotionale Nähe entsteht in so einer Therapie. Abhängig gefühlt habe ich mich phasenweise trotzdem, das vermochte auch das Siezen nicht zu verhindern.
    Ich wäre bis heute dankbar über eine mir angenehmere Ansprache bei meinem Vornamen, er ist mir einfach angenehmer. Das ist aber wahrscheinlich auch individuelle Geschmackssache. Mir persönlich würde es sehr helfen, wenn auch die „konventionellen“ Therapeuten sich öffnen könnten (oder dürften) für mehr Körperlichkeit und das intimere „Du“. Eine Arbeitsbeziehung -gerade in der Traumatherapie-ist doch trotzdem eine enge Beziehung. Und es wäre schön, wenn die Kenntnis über eine andere kortikale Verarbeitung bekannter würde. Tatsächlich bin ich regelmäßig nach Therapiestunden völlig verzweifelt, weil ich denke, dass wir doch alles verbal so gut wie möglich erörtert haben, sich aber meine Gefühle und Mechanismen gar nicht verändern.
    Dann werden die ohnehin schon vorhandenen Schuldgefühlen nur noch umso mehr befeuert, weil die Therapie mir nicht so hilft wie ich gehofft hatte. Eine schwierige Situation, auch für meine Therapeutin, die sich wirklich bemüht.
    Schwierig finde ich, dieses Thema in der Therapie anzusprechen, denn es gibt ja den vielbeschrieenen Verhaltenskodex für niedergelassene Psychotherapeuten, der nunmal das Wort als Mittel der Wahl in den Mittelpunkt stellt und zum Beispiel auch klar gegen das Duzen ist. Schade, finde ich.
    Danke für diesen Impuls hier, der mir Hoffnung macht, dass es immer auch noch weitere Möglichkeiten gibt!
    Herzliche Grüße,
    Ann

    Antworten

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