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Warum du dich oft so verloren und einsam fühlst

08.05.2020 | 11 Kommentare

Hatten wir als Kind nicht das Gefühl, dass stetig jemand liebevoll für uns da ist, so merken wir dies später daran, dass wir in Beziehungen sehr unsicher sind oder niemanden an uns heranlassen können. Wir fühlen uns schnell von anderen verlassen oder gar verraten und leiden oft unter Einsamkeit.

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Fühlst du dich oft verloren und einsam?

Kennst du das Gefühl, dich einsam und verloren zu fühlen – auch wenn um dich herum Menschen sind? Hast du schon einmal erlebt, dass du das Gefühl tiefer Verlassenheit spürst, wenn deine Partnerin/dein Partner einige Tage ohne dich unterwegs ist? Du spürst vielleicht, dass du diesen anderen Menschen gar nicht mehr fühlst und fragst dich, ob er oder sie „noch da ist“?
Vielleicht ist es dir inzwischen auch egal, ob da überhaupt jemand ist, weil du es aufgegeben hast, dich angenommen, verbunden und geliebt zu fühlen!?

„Liebst du mich noch“?

Frühe Verletzungen und Entwicklungstraumata führen dazu, dass man sich oft sehr unsicher in der Verbindung zu anderen Menschen fühlt. Sehr schnell erleben wir uns als verstoßen, zurückgewiesen oder ungeliebt – selbst wenn die andere Person dies gar nicht tut. Daraus entsteht oft die Frage: „Liebst du mich noch?“ oder „Bist du noch da?“ oder „Meinst du es ernst mit mir?“
In Paarbeziehungen wird dieses Gefühl bei den meisten Menschen sehr viel schneller aktiviert als in Freundschaften oder bei Kollegen. Aber selbst in ferneren Beziehungen kann es dazu kommen, dass ich nicht mehr weiß, was für eine Bedeutung ich für die andere Person habe und ich mich frage, ob ich am Arbeitsplatz geschätzt werde oder ob ich gemocht werde?

Kann ich mich auf dich verlassen?

Am Anfang unseres Lebens lernen wir, ob Beziehungen sicher sind oder nicht. Wir lernen, wieviel wir „tun müssen“ um beachtet zu werden oder ob unsere Bezugspersonen verlässlich sind. Daraus entwickelt sich nach und nach eine Sicherheit oder Unsicherheit in Bezug auf Beziehungen. Die Fähigkeit, eine Beziehung auch dann noch zu fühlen und innerlich zu halten, wenn die andere Person „nicht“ anwesend ist, nennt man in der Psychologie Objektkonstanz.
Diese Objektkonstanz ist bei vielen Menschen oft sehr gering oder gar nicht ausgebildet.
Hinter jedem „Bindungstrauma“ ist immer ein „Entwicklungstrauma“ zu finden, dass sich unweigerlich auf unsere Liebesbeziehungen und Freundschaften auswirkt!

In der Welt auf Entdeckungsreise!

Kinder erlernen diese Fähigkeit in den ersten Lebensjahren.
Möchtest du sehen, wie sich Objektkonstanz entwickelt, dann beobachte Kinder dabei, wenn sie beginnen, ihre Umgebung krabbelnd zu entdecken und zu erforschen. Das nennt man Explorationsverhalten.

Wachsen Kinder einigermaßen gesund auf, sind sie total neugierig und lieben es, ihre Umgebung zu erkunden. Am Anfang ist der Radius noch klein, aber sie sind neugierig und durch ihren „Forschergeist“ erweitern sie ihren Radius stetig. Die „Expansion“ kann aber nur dann stattfinden, wenn sie sicher gebunden sind!
Bestimmt ist dir schon einmal folgendes Verhalten aufgefallen:
Kinder krabbeln ein Stück, verharren dann in einer Position und schauen sich suchend nach Mama, Papa oder einer Bezugsperson um. Sie vergewissern sich: „Ist Mama oder Papa noch da?“

Und wenn Mama lächelt, dann lächelt auch das Kind und fühlt sich verbunden und sicher. Erst dann geht es weiter. Es hat sich vergewissert, dass noch jemand da ist! Diese Sicherheit kann es anfangs noch nicht aus sich selbst heraus herstellen. Dazu braucht es ein konkretes Gegenüber. Über diese permanente Rückversicherung baut sich nach und nach die sogenannte „Objektkonstanz“ auf.
Je älter es wird, desto ausgedehnter werden dementsprechend seine Entdeckungsreisen, und dennoch wird es immer wieder zurückkommen und sich überzeugen, dass seine Bezugsperson noch da ist.

Verläuft dies gut und die Bezugspersonen sind erreichbar, freundlich und stehen „relativ“ konstant zur Verfügung, dann lernt das Kind mit der Zeit:
Die Bezugsperson ist da, auch wenn ich sie nicht sehe!

Übertragen wir dieses Verhalten in unser Erwachsensein, so bedeutet das, wir können getrennt sein von unserer Partnerin/unserem Partner OHNE die Verbindung zu verlieren.
Dies ist eine unglaublich wichtige Fähigkeit für uns, da sie uns hilft, uns im Alltag nicht einsam und verloren zu fühlen.
Gerade auch für Liebesbeziehungen ist es sehr wichtig, dass man fähig ist, diese Verbindung in sich spüren zu können, ohne sich ständig versichern zu müssen.

Steht uns diese Fähigkeit der „Objektkonstanz“ nicht zur Verfügung – und das ist relativ häufig der Fall – so führt das leider häufig zu einer ständigen Nachfrage und Versicherung, ob wir noch geliebt oder gemocht werden. Dieses Verhalten führt beim Gegenüber fast unvermeidlich zum Rückzug. Es wird sich u.U. eine sich „selbst erfüllende Prophezeiung“ einstellen – nämlich die, dass ich mich verlassen fühle. Und das ist eine schmerzhafte Wiederholung unserer Kindheit.

Die andere Variante ist, dass man überhaupt niemanden nah an sich heranlässt, weil man Menschen nicht mehr traut. Auch dieses Verhalten führt in Liebesbeziehungen oft zu Konflikten und zu einer Wiederholung der ursprünglichen Erfahrung: Man wird verlassen.

Letztlich leidet darunter auch das Gefühl von Selbstliebe und Selbstbewusstsein, weil uns Gedanken von Wertlosigkeit oder Unfähigkeit plagen.

Verbundenheit und Neugier ist das Gegenteil von Trauma.
Fühlen wir uns mit uns und anderen Menschen verbunden, so fühlen wir uns vielleicht manchmal alleine, aber selten einsam.

Hatte man nicht das Glück einer sicheren Bindung als Kind, ist es sinnvoll, sich mit diesen alten Gefühlen von Verloren-Sein oder gar des sich Verstoßen-Fühlens auseinander zu setzen.
Ich möchte dir Mut machen!
Früher konnte ich es kaum aushalten, auch nur ein Wochenende alleine zu sein. Heute kann ich die Zeit mit mir alleine genießen, ohne dass ich mich verloren oder einsam fühle.

Es ist möglich Bindungssicherheit nachzulernen!
In der Fachsprache nennt man dies eine „erworbene sichere Bindung“. Mir ist es hier ein Anliegen, dass du besser verstehst, warum du fühlst, wie du fühlst. Der frühe Verlust oder Mangel von sicherer Bindung, der Verrat unserer Liebe durch Gewalt, Demütigung oder Übergriffen führt zu diesem tiefen Gefühl von Verloren-Sein, von Verstoßen-Sein und innerer Einsamkeit.

Versuche dich bitte mit Mitgefühl zu sehen, denn das kann einer deiner ersten Schritte sein, wieder Verbundenheit zu fühlen.

Herzliche Grüße
Dami

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11 Kommentare

  1. Christine

    Liebe Dami,
    Danke für diesen wichtigen und guten Artikel. Es hat mir sehr geholfen das zu lesen und ein bisschen mehr zu verstehen was da bei mir los ist. Wie genau kann man das „nachlernen“ würde mich interessieren. Liebe Grüße Christine

    Antworten
  2. mariah

    ….link fürs gratis ebook funktioniert nicht..

    kannst du mir es auch so zusenden?

    lg
    mariah

    Antworten
    • Dami Charf

      Liebe Maria,

      wende dich doch bitte an meine Büroadresse,
      da kann dir weitergeholfen werden.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  3. Jessi

    Ein toller und wichtiger Artikel über das Bewusstsein und den Unterschied von Allein sein und Einsamkeit, den Hintergründen und deren Reanimierung in unserem momentanen Ist – Zustand. Danke !

    Antworten
  4. Christiane

    Ich habe vor einigen Jahren Deinen Online-Kurs gemacht, der mir sehr sehr sehr weitergeholfen hat! Obwohl es mir mittlerweile recht gut geht und ich mich meistens stabil fühle, ist das Problem der fehlenden Objektkonstanz nach wie vor da. Wenn ich länger nicht in meinen sozialen Gruppen unterwegs bin (Chor, Freundeskreis …) habe ich bei jedem Zusammentreffen nach längerer Pause das Gefühl, überall die „Neue“ zu sein, noch nicht oder nicht mehr dazuzugehören und immer wieder von vorn anfangen zu müssen, diese Beziehungen aufzubauen. Das ist unglaublich anstrengend … Bisher habe ich da noch keinen Weg für mich gefunden, die innere Verbindung zu halten. Im Moment muss mein Verstand das allein übernehmen und mich bei solchen Treffen permanent davon überzeugen, dass sich seit dem letzten Mal für die andere Person nichts verändert hat, nur für mich. Das muss doch auch einfacher gehen …?

    Antworten
  5. Sanana

    Liebe Dami
    Objektkonstanz ist wirklich ein furchtbares Wort. Du sagst wie schwierig es ist ohne diese Konstanz innere Verbundenheit zum Partner oder liebenden Personen zu spüren. Traumatisierte Menschen fallen damit schneller in die Einsamkeit und in Depressionen.
    Wenn ich nun keinen Partner habe, keine Eltern mehr, einen Bruder der in eine Sekte verschwunden ist (auch traumatisiert), aber einige recht gute Freundinnen habe, die aber in ihren eigenen Familien voll integriert sind und ich halt auch da sein darf- kann ich doch noch so an der Heilung von der Objektkonstanz arbeiten, wenn da doch gar keine Person ist, die zu 100% hinter mir steht. Das ist wirklich schwierig, richtig? Braucht man unbedingt Personen, die hinter einem stehen, um dieses Gefühl der Verlassenheit loszuwerden? Oder kämpfe ich da um Heilung, was so eigentlich gar nicht wirklich möglich ist? Sollte ich den Focus statt auf Heilung lieber auf die Suche nach Gleichgesinnten richten?
    Lieber wäre mir aber zu heilen und nicht von anderen Menschen abhängig zu sein, um, wie du, das alleine sein auch mal gut über ein Wochenende aushalten zu können.

    Also meine Frage ist eigentlich: Wie wirklich wichtig ist die Verbundenheit und Zugehörigkeit zu jemanden oder zu einer Gruppe, um dieses, definitiv durch Traumata entstandene Gefühl der Verlorenheit in sich loszuwerden? Ich meditiere, therapiere und komme nur schwer auf einen grünen Zweig. Ich habe das Gefühl es ist die effektiv fehlende Zugehörigkeit, die es im Moment vielleicht einfach zu akzeptieren gilt bzw. vielleicht eher von mir angegangen werden sollte.
    Könntest du so nett sein und dazu kurz etwas sagen?

    Herzliche Grüße und danke für deine grossartige Arbeit.

    Sanana

    Antworten
    • Dami

      Liebe Sanana,
      ja, es braucht diese Bindung, um bestimmte Wunden zu heilen. Dies kann in einer guten Psychotherapie geschehen und manchmal auch in Freundschaften oder Beziehungen. Es ist eine sehr frühe Wunde, die dazu führt, dass man sich so verloren fühlt. Bindung ist das Heilmittel. Das ist möglich, braucht Zeit und tut am Anfang weh. Dann spürt man erst richtig, was man nie hatte.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  6. Bianca

    Liebe Dami, vielen Dank für diesen Artikel. Auch ich kann Bindungen „nicht halten“, muss jedes Mal von vorne starten und das ist anstrengend. Vor allem bringt es mich jedes Mal so in Schwingung, dass ich oft zur falschen Selbstregulation greife, ich trinke mehr als normal, rauche viel zu viel, oft versuche ich mich dem anderen mitzuteilen, dass ich erstmal „ankommen“ muss, mich heute wie im Nebel befinde, oder nicht so gesprächig bin. Manchmal klappt es, manchmal nicht.

    Es passiert mir oft, das ich Treffen mit langjährigen Freundinnen ausmache und mir kurz vorher denke, dass ich gar keine Lust habe. Auch das liegt an dem hohen Aufwand, den es jedes Mal kostet.

    Vielen Dank für deine Arbeit, ich freue mich, wenn dein Kurs startet, ich möchte gerne dabei sein. Dieser Artikel war besonders wichtig und erhellend für mich.
    Danke

    Antworten
  7. Celia

    Ja, ich erlebe es in meiner täglichen Arbeit mit der Bindungsenergetik auch so, dass Bindung wirklich das „Allheilmittel“ ist, durch das wir auch nachträglich Traumata heilen können – wie Du schreibst, sollte das in einer guten Psychotherapie gelingen! Denn je nach dem, wie tief die Traumata sitzen, ist es alleine manchmal nicht möglich, zur Heilung zu gelangen, weil wir uns ja durch die schwere Verletzung gerade gar nicht mehr mit uns selbst verbunden fühlen können. Da braucht es dann erstmal den anderen Menschen (Therapeuten), der diese Aufgabe für eine gewisse Weile stellvertretend für uns übernimmt und uns in der Zeit vorübergehend „die bessere Mama“ oder „der bessere Papa“ ist.

    Antworten
  8. Toni Göricke

    Liebe Dami,

    sollte der Therapeut das Gegenteilige Geschlecht von einem haben zur Bearbeitung der Bindungsstörung haben, oder ist das egal?

    Antworten
    • Dami

      Lieber Toni, darauf gibt es leider keine „wahre“ Antwort. Es kommt ein bisschen darauf an, wo deine Themen liegen und das wichtigste ist eine Therapeutin oder Therapeuten zu finden, der überhaupt so arbeitet… Herzliche Grüße, Dami

      Antworten

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