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Warum kann ich nicht glücklich sein? Gründe und Lösungsansätze

von | 15.09.2022 | 0 Kommentare

Warum kann ich nicht glücklich sein? Gründe und Lösungsansätze

Warum es uns nicht gut geht, hängt stark von sozio-kulturellen Faktoren und unserer Umgebung ab, aber auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Traumata spielen dabei eine wesentliche Rolle.
In diesem Blogbeitrag setze ich mich mit der Frage „Warum kann ich nicht glücklich sein?“ aus traumatherapeutischer Perspektive auseinander. Ich zeige dir, wie Unglück entsteht und bringe dir Strategien bei, wie du dich selbstbestimmt davon befreien kannst.
Außerdem lade ich dich herzlich dazu ein, mein YouTube-Video zum Thema zu schauen:

 

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Trauma beeinträchtigt unsere Empfindungen

Warum fällt es uns so schwer, mit Traumaerfahrungen glücklich zu sein? Glück und Trauma sind zwei sehr gegensätzliche Dinge, die sich stark widersprechen. Traumata – und dabei ist es unerheblich, ob es sich um ein Entwicklungstrauma oder Schocktrauma handelt – bringen immer eine Last in unser Leben. Traumata verursachen Starre oder Chaos, Enge oder verloren-sein, Überforderung und ständige Erregung, die unglaublich viel Energie kosten.
Sie zehren an uns und wir brauchen sehr viel mehr Energie, um einfach nur den Tag zu bewältigen. Einfachste Dinge im Alltag können bereits anstrengend sein und starken Stress auslösen. Wir fragen uns: Warum kann ich nicht glücklich sein?

 

Warum es so schwer ist, glücklich zu sein

Ein Trauma führt dazu, dass wir uns schlechter konzentrieren können, dass wir eine innere Unruhe in uns tragen und uns der Alltag sehr viel Energie kostet. Wir haben ein Gefühl von Anspannung, „machen uns dicht“ und „ziehen uns zusammen“.

Glück hingegen ist ein sehr positives Gefühl und steht für Ausweitung, Entdeckungsdrang, Vibration. Hier sieht man schon, dass Glück und Trauma absolut gegensätzliche Gefühle auslösen. Deshalb fragen sich gerade auch Menschen mit einem Schock- oder Entwicklungstrauma oft: “Warum kann ich nicht glücklich sein?“.

Ganz elementar bei der Beantwortung dieser Frage ist: Es liegt nicht an dir, du bist nicht unfähig glücklich zu sein! Die Prägung durch dein Trauma beeinflusst dich nachhaltig, dein System wittert überall Gefahr und ist damit beschäftigt „zu überleben“. Glück ist da nur zweitranging. Auch die Biologie und der sogenannte Negativity bias spielen eine Rolle.

 

Negativity bias

Negativity bias (auch Negativitätsbias) ist ein Phänomen aus der Sozial-Psychologie, welches besagt, dass sich negative Gedanken, Emotionen und Erlebnisse stärker als positive oder neutrale auf unsere Psyche auswirken und unsere Aufmerksamkeit mehr von negativen Dinge angezogen wird.

 

Verschiedene Faktoren torpedieren unser Glücksempfinden

In der Psychologie ist der Negativitätsbias ein wesentlicher Faktor, wenn es um die Frage geht „Warum kann ich nicht glücklich sein“. Bei traumatisierten Menschen ist dieser stärker ausgeprägt als bei nicht traumatisierten. Traumatisierte Menschen werden noch stärker von der Negativität angezogen, denn sie stecken noch tief im ”Überlebensmodus“ und haben die Angst, dass das Übersehen von Gefahren und Fallen unumkehrbare und schreckliche Konsequenzen haben könnte.

Es liegt aber generell in der Natur des Menschen, dass uns negative Dinge anziehen. Egal ob es um die Tagesschau, die morgendliche Zeitung oder den YouTube-Algorithmus geht – permanent prasseln Krisen, Angst, Negativität auf uns ein. Das weckt unser Interesse, denn wir wollen aufgrund unserer evolutionären Prägung wissen, ob diese Gefahren etwas mit uns zu tun haben. Statt eine gesunde Distanz zu wahren, lassen wir solche Themen viel zu nahe an uns ran. Diese Eigenschaft des Menschen wird von den Medien ausgebeutet, denn „Negativity sells“!

 

Das Trauma trennt uns vom Glück

Aufgrund deines Traumas befindest du dich in permanenter Übererregung. Dein System ist ständig im “Überlebensmodus“ und scannt die Welt nach Gefahren. Auf diese Weise wird deine gesamte Aufmerksamkeit auf negative Dinge gelenkt.

Für die Frage „Warum kann ich nicht glücklich sein?“ gilt somit auch: Gefahr und Expansion widersprechen sich. Wir wollen uns schützen und machen uns kleiner und enger, statt das Leben auszukosten und zu genießen. Glück, Freude und Erfüllung sind nur möglich, wenn wir uns öffnen, neugierig auf neue Eindrücke und die Welt sind.

Hier beißt sich bei traumatisierten Menschen jedoch die sprichwörtliche Katze in den Schwanz: Eine Öffnung macht uns angreifbar und verletzlich. Unser System gibt uns die Rückmeldung: Höchste Gefahrenstufe! Verschließe dich! Schütze dich! Sei misstrauisch! So kommen wir unmöglich in den Modus, um Glück erfahren und fühlen zu können. Der Negativity bias aus der Psychologie verstärkt diese Symptome zusätzlich.

 

Glücklichsein kann man üben

Betrübt dich die Frage „Warum kann ich nicht glücklich sein?“, gibt es Strategien für den Alltag, um „Glück zu üben“. Ein erster kleiner Schritt, um Momente des Glücks heraufzubeschwören, kann durch folgende Übung getan werden. Stelle dich aufrecht und mit geöffneten Armen hin (soweit, wie es für dich noch angenehm ist) und strecke diese gen Himmel. Blicke nach oben, atme tief ein und lange wieder aus, lächle. Zugegeben: Das mag sich im ersten Moment albern und komisch anfühlen, aber du gibst deinem System ein erstes positives Feedback im Zusammenhang mit Öffnung und Expansion.
Gewöhne dich an das Gefühl, wenn mehr (positive) Energie durch deinen Körper fließt. Die Welt wird für dich fühlbarer. Du selbst wirst für dich fühlbarer.

Eine weitere Strategie, um die mit der Frage „Warum kann ich nicht glücklich sein?“ einhergehende Resignation zu umschiffen, ist Dankbarkeit zuzulassen. Dankbarkeit führt zu Momenten der Freude und erzeugt Öffnung und Weite. Erlaube dir selbst, Dankbarkeit zu empfinden. Du darfst dankbar sein für deine Freunde, deine Familie, deine Gesundheit. Es gibt so vieles, für das wir Dankbarkeit empfinden dürfen. Dankbarkeit, wie auch Neugier, beruhigen die Angstkreisläufe im Gehirn und können so zu Momenten von mehr Ruhe und Sicherheit führen.

Und zuletzt kannst du üben, deinen Fokus bewusst zu verschieben. Nimm den Blick weg von dem Negativen und den vermeintlichen Gefahren und schaue bewusst auf das, was dir gut tut. Trauma hat dich ein Stück weit auf das Unglück und Negatives konditioniert; wenn du den Blick bewusst auf Positives richtest, das dir guttut, kannst du dies ein Stück weit durchbrechen.

Übrigens: Weitere Strategien, dein eigenes Glück zu finden und Traumata zu überwinden, lernst du in meinem Onlinekurs „Mit Trauma leben“.

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