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Warum Trauma mehr ist, als eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

von | 28.04.2019 | 1 Kommentar

Trauma ist viel mehr als eine klassische posttraumatische Belastungsstörung
Viele Menschen sind von Traumatisierungen betroffen, wissen es aber nicht oder benutzen nicht das Wort „Trauma“, weil der Traumabegriff unglaublich abschreckend sein kann.

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Typische Symptome einer PTBS

Quelle: https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org

  • Symptome des Wiedererlebens: sich aufdrängende, belastende Erinnerungen an das Trauma, Flashbacks, Alpträume
  • Vermeidungssymptome: emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit der Umgebung und anderen Menschen gegenüber, aktive Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten. Manchmal können wichtige Aspekte des traumatischen Erlebnisses nicht mehr (vollständig) erinnert werden
  • Vegetative Übererregtheit: Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit, übermäßige Schreckhaftigkeit​

Bei vielen Betroffenen ist das Selbst- und Weltbild erschüttert und das Vertrauen in andere Menschen nachhaltig gestört. Viele Betroffene leiden zudem unter schweren Schuld- oder Schamgefühlen oder unter Selbsthass. Die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen ist eingeschränkt, die Bewältigung des Alltags wird für viele zur Qual.

Weniger bekannte Symptome von Traumata

Dass viele Menschen von den klassischen Symptomen der PTBS betroffen sind ist gar keine Frage. Ich bin außerdem der Meinung, dass ein Großteil der Bevölkerung von den weniger klassischen Symptomen betroffen ist. Dazu gehören Schlafstörungen, eine ständige ÜbererregungNervosität, die Schwierigkeit zur Ruhe zu kommen oder sich selbst zu spüren, sich im eigenen Körper wohl und lebendig zu fühlen. Dazu zählen auch Einstellungen sich selbst gegenüber wie „ich bin nicht genug“ oder „ich bin nicht schön“, „niemand mag mich“, „ich bin nicht liebenswert“ – all das gehört für mich zu einem weiten Spektrum von Traumathemen.

Die meisten Menschen wissen nicht, dass klassische PTBS im Zusammenhang mit Schocktraumata stehen

Mit überwältigenden Erlebnissen die oft sehr gewaltvoll oder drastisch waren. Und selbst Schocktraumata entstehen schon durch viel kleinere Begebenheiten. Für manche Menschen ist es schon ein Trauma, wenn der Partner oder die Partnerin sie zu Hause überrascht und sagt „Ich trenne mich von dir!“. Viele Dinge passieren uns, Operationen oder Unfälle gehören auch dazu, die von unserer Umwelt gar nicht als so drastisch angesehen werden, wie wir sie erleben. Dies macht die Bewältigung für Traumata oft noch schwerer.

Traumata können nicht nur durch ein Schockerlebnis entstehen, es gibt auch noch die Entwicklungstraumata

Bei diesem Phänomen ist das Wort Trauma einigermaßen ungünstig gewählt, hier handelt es sich im Grunde um Verletzungen die wir im Kindesalter erlitten haben und die wir in unserem erwachsenen Kopf oft gar nicht als so schwerwiegend einschätzen.

Ein Baby schreien lassen – ja was soll daran schlimm sein? Wenig Körperkontakt als Baby gehabt zu haben – ja, und? Nur alle 3 Stunden gefüttert worden sein oder alleine im Krankenhaus gelassen worden zu sein – unser Kopf muss sich erstmal darauf einstellen, was das überhaupt für ein Kleinkind bedeutet. Für ein kleines Kind bedeutet das Todesangst oder die Gewissheit zu sterben.

Wir sind überhaupt nicht dafür gemacht alleine zu sein

Was dann passiert, ist eine tiefe Dysregulation im ganzen Körper, in der ganzen Psyche. Dann können wir Emotionen nicht gut regulieren oder fühlen uns abgeschnitten. Vielleicht haben wir auch das Gefühl die Welt sei hinter einer Glaswand. Alle sind fröhlich nur ich nicht. Das sind alles viele Hinweise die uns darauf hinweisen, was in unserer Kindheit nicht gut gelaufen ist. Das heißt nicht, dass unsere Eltern nicht vielleicht wohlwollend waren. Es muss nicht immer gravierende Gewalt gewesen sein, die solche Schatten später auf unser Leben werfen. Als Spezialisitin für Traumatherapie ist es mir wichtig darüber aufzuklären, dass es mehrere Arten von Traumata gibt. Eine komplexe PTBS ist dabei die Spitze des Eisberges.

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1 Kommentar

  1. Wolfgang

    Hallo Dami, wenn ich deinen Beitrag im Videobolg mit den Vorstellungen der Maslowschen Bedürfnispyramide kombiniere, dann kommt mir der Gedanke, dass es heute so viele Menschen gibt, bei denen Entwicklungstraumata (mit weniger klassischen Symptomen) offen in Erscheinung treten, weil es uns „so gut geht“.

    Ich denke nicht, dass es bezüglich der Baby-, Kinder- und Heranwachsenden-Erziehung früher „besser“ war, dass mehr auf die Grundbedürfnisse dieser noch leicht formbaren Menschen (auch schon vorgeburtlich) eingegangen worden ist bzw. eingegangen worden konnte, so dass möglicherweise das, was wir jetzt erleben, schon immer bestand. Es war nur nicht so ersichtlich, weil ein ständiger Kampf um die grundlegend lebensnotwendigen Dinge, die das tägliche Überleben sichern, den Einzelnen ständig in Beschlag nahm und damit vom „Ausleben“ solcher emotionaler Krisen abgehalten hat. Und hat er/sie diese nicht irgendwie unterdrücken, überspielen oder im Verborgenen ausleben können, so ist er/sie daran vermutlich auf die eine oder andere Art (daran) zugrunde gegangen.

    Somit ist es für mich eher ein positives Signal der grundsätzlichen gesellschaftlichen Entwicklungsrichtung, denn wir können uns „den Luxus“ leisten, Opfer von sehr subtilen emotional-seelischen Misshandlungen zu therapieren und zu (weitgehend) selbstbestimmten Menschen zu begleiten.

    Ich verfolge Deine Beiträge (hier auf den Seiten und in youtube) seit etwa anderthalb Jahren und möchte mich von ganzen Herzen für Dein Engagement und die öffentliche Bereitstellung von solch hochkarätigen Wissensvermittlungen bedanken!

    Herzlichst Wolfgang

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