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Was Scham mit unserem Lebensglück zu tun hat

von | 11.07.2017 | 0 Kommentare

Was haben tiefsitzende und oft unbewusste Schamgefühle mit unserem Lebensglück zu tun?

Scham beeinträchtigt unsere Fähigkeit in der Welt zu sein und dort unsere Persönlichkeit zu entfalten. Sie stört unsere sozialen Bindungen und die Eigenschaft Freundlichkeiten, Komplimente und Anerkennung anzunehmen.

Das Gefühl falsch zu sein

Unter dem Gefühl von Scham liegt im Wesentlichen das Gefühl falsch zu sein. Also ‚Ich bin falsch.‘ Nicht ich habe etwas falsches gemacht, was ich vielleicht korrigieren könnte oder wo es eine Chance auf Verzeihen gibt. Nein, Scham bedeutet grundsätzlich: ich bin falsch.

Deswegen ist Scham eines der Gefühle, die das Ich zerstören können. Ich werde von Grund auf in Frage gestellt. Denn mit diesem Gefühl grundsätzlich falsch zu sein, können wir nur ganz schwer leben. Wenn wir Scham induziert bekommen, also schon als Kinder beschämt werden, wird dies zu einem Lebensgefühl.

Wir passen uns an, um geliebt zu werden

Was wir dann tun, ist, verheerend. Wir versuchen herauszufinden, wie wir richtig sein können. Wir fragen uns: ‚wie bin ich richtig?‘

Kinder sind hoch kreativ und beobachten sehr fein, wie sich Erwachsene und vor allem ihre Bezugspersonen benehmen. Auf was reagieren die Eltern gut oder nicht? Wie muss ich sein, damit sie mich mögen und anerkennen? So lernt man mit der Zeit eine Alternativpersönlichkeit zu entwickeln. Man lernt so zu sein, wie man sein soll.

Es ging ums Überleben

Doch sei Dir bewusst, dass Anpassung und Gehorsam die besten Reaktionen war, die Du als Kind erbringen konntest. So hast Du überlebt. Wir können nicht ohne irgendeine Form von Kontakt und Beziehung überleben. Auch wenn heute manchmal so getan wird, als wäre das möglich. Aber wir können es nicht. Wir sind hoch soziale Wesen und vor allem als Kinder sind wir auf Bindung und Beziehung angewiesen.

Wenn wir es durch unsere Anpassung schafften, Beziehungen zu erhalten und ein Minimum an Bestätigung, Anerkennung und Zuwendung zu bekommen, dann war das als Kind eine Superstrategie. Doch wir bezahlen natürlich einen hohen Preis dafür, wenn wir erwachsen werden.

Strategien und der Einfluss auf die Persönlichkeit

Das Problem ist, dass diese Strategie in unsere Persönlichkeit einfließt. Wir bleiben so, weil wir nicht gelernt haben, wirklich wir selbst zu sein. Unser Selbst bleibt unter vielen Schichten verborgen. Sobald wir in Kontakt mit diesem anderen ursprünglichen Ich kommen, wird die Scham ganz stark und die Angst wächst. Deswegen kann es sein, dass wir immer in dieser Scheinpersönlichkeit bleiben, die wir erschaffen haben.

Das Dilemma daran ist, dass alles gut laufen mag. Wir funktionieren sehr gut im Alltag, arbeiten ausdauernd, haben einen Job, führen Beziehungen, aber wir sind nie wirklich zufrieden oder glücklich. Weil jede Form von Anerkennung, die Du für diese herausgebildete Alltagspersönlichkeit, diese Funktionspersönlichkeit, bekommst, sich nicht echt und gut anfühlt.

Tief in uns selbst fühlen wir, dass wir das nicht wirklich sind. Wir wissen, dass wir eine Rolle spielen, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Wir glauben auch an diese Rolle und sagen, dass wir uns toll finden, aber wir fühlen das Gesagte nicht wirklich. Beispielsweise fällt es Dir schwer ein ehrlich gemeintes Kompliment anzunehmen, weil Du nicht glauben kannst, dass wirklich Du damit gemeint bist.

Warum uns Anerkennung nicht erreicht

Hier wird es dramatisch. Denn leider können wir als Erwachsene in der Folge keine Bestätigung und Anerkennung annehmen und uns emotional nicht nähren. Es ist uns kaum möglich mit unserem Gegenüber in Verbindung zu gehen. Es gibt immer diese innere Stimme in uns, die sagt ‚Du meinst mich nicht, oder das bin ich nicht.‘ Oder im schlimmsten Fall, ‚Ich bin eine BetrügerIn, ich spiele Dir nur etwas vor. Ich selbst bin gar nicht so toll.‘

Lieber nicht fühlen

Du kennst das: Dein Gegenüber kann sich um Dich bemühen, kann Dir Komplimente machen, kann Dir aufmunternde Sachen sagen, aber sie kommen nie richtig an. Das gibt wiederum Spannung in dieser Beziehung. Für Dein Gegenüber ist es total frustrierend, Dich nie wirklich erreichen oder berühren zu können, sondern eher auf Abwehr zu stoßen.

Diese Abwehr schützt vor diesem alten, alten Schmerz. Sobald wir jemanden nahe an uns heran kommen lassen und wirklich fühlen, dass jemand wirklich uns meint, kommt die Angst und der frühere Schmerz zurück. (Hier erzähle ich dir mehr zum Thema Trauma und Schmerzen.)

Als Kinder sind wir einfach fantastisch darin, Schmerzen auszublenden. Wenn es uns zu viel wurde, fangen wir an zu dissoziieren, wir spalten den Schmerz ab. Wir packen ihn irgendwo in unseren Körper und tief in den Keller unserer Psyche. Er kommt erst wieder hoch, wenn wir als Erwachsene in anderen Lebensumständen sind.

Der Weg aus der Scham

Der einzige Weg, den ich bisher kennengelernt habe aus der Scham langsam herauszutreten, ist diesen Schmerz immer wieder ein kleines bisschen zuzulassen und zu fühlen. Wenn jemand wirklich gut zu Dir ist und es ernst meint, geht es darum zu lernen dies fühlen zu können. Höre Dir die Komplimente an und sage danke! Stoße die Person nicht weg. Gib Dir Zeit dabei und lasse die Stimme in Dir leiser werden, die Dir immer noch vermitteln will ‚das bist nicht Du!‘

Nahestehende Menschen kennen uns oft besser als wir uns selbst. Höre ihnen zu, wenn sie nett zu Dir sind! Trau Dich Stück für Stück zuzulassen, dass Menschen Dir etwas Nettes sagen und sprich darüber oder schreib Tagebuch, was es in Dir auslöst. So kommst Du langsam aus diesem Schamkreislauf heraus.

Wir können wirklich eine Schampersönlichkeit haben, die so von dieser Scham und von diesem alten Schmerz geprägt ist, dass sie unser Leben vor allem unser soziales Leben bestimmt. Setze diesem Gefühl ein Ende, denn Du bist es wert!

Wenn Du wissen möchtest, wie Scham entsteht, kannst dies Du auf folgender Seite nachlesen:
https://www.traumaheilung.de/wie-scham-entsteht/

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