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Wie du schöne Freundschaften erreichen kannst

von | 11.12.2020 | 9 Kommentare

Ich werde immer wieder gefragt: „Wie macht man eigentlich gute Freundschaften?“

Freundschaften sind sehr kostbar.

Aus meiner Sicht gehören sie zu den wichtigsten Dingen im Leben.

Das Gefühl, verbunden zu sein und bei Freunden ein Zuhause und Geborgenheit zu finden, hat eine große Wirkung auf die Lebensqualität, die eigene Stabilität und das Wohlbefinden.

Dennoch fällt es manchen Menschen schwer, schöne Freundschaften in ihr Leben zu bringen und diese Verbundenheit und tiefe Nähe zu erzeugen und zu erhalten.

Das Problem beginnt oft schon mit den ersten Kontakten und dem näheren Kennenlernen.

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Wie lerne ich überhaupt jemanden kennen?

Wenn wir jemanden neu kennen lernen und wir finden diesen Menschen sympathisch, dann hat jeder von uns seine ganz eigene Art in Kontakt zu gehen.

Eine Folge von Entwicklungstrauma und den daraus resultierenden Bindungsmustern, den Ängsten und Überzeugungen kann sein, dass wir unter Umständen

  • zu schnell in Verbindung oder in eine Bindung gehen und zu schnell Nähe herstellen oder
  • wir bleiben immer im Misstrauen und vergewissern uns ständig aufs Neue, ob der andere vertrauenswürdig ist.

So funktioniert eine wirkliche Freundschaft natürlich nicht.

Vertrauen

Orientierung ist ein wichtiger Bestandteil in unserem Leben. Sie bedeutet, dass ich im Hier und Jetzt sein kann und sie bedeutet auch, dass ich weiß, wo ich stehe.

Irgendwann muss ich damit aufhören, mich ständig zu orientieren, vor allem im Umgang mit anderen Menschen.

Wenn ich jemanden öfter getroffen und näher kennengelernt habe, dann muss ich an den Punkt kommen, wo ich sage:

„Ich vertraue dir, ich möchte diese Verbindung mit dir gern vertiefen!“

Ab diesem Zeitpunkt muss es möglich sein, dass auch mal etwas schiefläuft oder vielleicht sogar etwas Verletzendes geschieht, ohne dass ich sofort die ganz Freundschaft in Frage stelle.

Es bringt sehr viel Stress in die Verbindung, wenn es immer um „ganz“ oder „gar nicht“ geht und jeder Konflikt ein Auslöser ist, die Freundschaft zu beenden.

Der andere Punkt ist, was passieren kann, wenn ich zu schnell in Nähe gehe.

Eine Freundschaft wächst und vertieft sich Schritt für Schritt

Wenn ich jemanden gerade erst kennengelernt habe und demjenigen schon bei den ersten Treffen meine ganze Geschichte erzähle und vielleicht auch meine ganzen Traumata, dann hat das in der Regel die Folge, dass der andere überfordert ist und sich zurückzieht.

Das ist am Anfang zu viel und es geht auch erstmal darum zu schauen, ob ich die andere Person überhaupt mag.

Eine Freundschaft braucht Zeit und Raum zum gegenseitigen Kennenlernen.

Es ist ein gegenseitiges Offenbaren der eigenen Person, Stück für Stück.

Ich zeige ein bisschen von mir und von meiner Verletzlichkeit und schaue, wie gehst du damit um.

  • Steigst du darauf ein?
  • Zeigst du auch etwas von dir?
  • Bist du empathisch?
  • Kannst du zuhören?
  • Stellst du Fragen?
  • Bist du überhaupt bei mir?

Auf diesem Level ist es noch nicht schlimm, wenn es nicht funktioniert, weil wir uns noch kennenlernen.

Wenn aber beide in kleinen Schrittchen gemeinsam tiefer gehen

  • in die Verletzlichkeit
  • in das Zeigen
  • in die Nähe
  • in die Intimität,

dann können wir mit der Zeit sagen, wir sind befreundet.

Die Freundschaft pflegen

In einer Freundschaft schaue ich, was mag die andere Person. Kann ich ihr eine Freude machen?

Und ich schaue auch, ob das, was wir voneinander wollen zusammenpasst.

Ist die Art unserer Beziehung für beide Seiten stimmig?

Welche Intensität und Form von Kontakt möchte jeder von uns gern mit dem anderen haben und finden wir einen Weg, um uns mit unseren Vorstellungen zu treffen.

Dazu gehört auch, etwas anzusprechen, wenn es nicht passt.

Was vielen Menschen mit Entwicklungstrauma und Bindungsverletzungen schwerfällt ist ein freundliches Austarieren.

Was willst du? Was will ich?

Ein weiterer Schritt für eine tiefe Freundschaft ist, sich gemeinsam zu finden und einzuordnen, wo wir miteinander stehen.

Auf der Skala von „ferne Bekanntschaft“ bis „intime Freundschaft“ gibt es viele Abstufungen und Möglichkeiten.

Es macht die Qualität von Verbindung nicht „schlecht“, wenn wir Bekannte sind, die sich gelegentlich treffen. Und es kann Freunde geben, die mir sehr nahestehen und ich sehe sie aber nur sehr selten.

So ist das eben mit dieser Person!

Wenn wir mehr zulassen können, dann haben wir unterschiedliche Menschen in unserem Leben, mit denen wir unterschiedliche Dinge erleben und unternehmen.

Und es ist schön, das mit diesem Menschen zu machen!

Jede dieser Begegnungen ist schön, so wie sie ist.

Darum geht es, diesen Punkt zu finden, wo und wie es passt.

Das ist für mich die Art und Weise, wie man Freundschaft macht und erhält und auch, wie man sie lebt.

Jede Freundschaft und auch Beziehung lebt von Zeit.

Deshalb muss ich gut schauen, wie viel Zeit habe ich für diesen Menschen und wieviel Zeit hat diese Person für mich.

Und wie behandeln wir uns gegenseitig?

Wir müssen gut darauf achten, diese Freundschaften lebendig zu halten, auch in unserem hektischen Alltag.

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9 Kommentare

  1. Ursula

    Ist die Basis in einer Liebesbeziehung Freundschaft?

    Antworten
    • Dami

      Hallo Ursula, das kann so sein, muss aber nicht so sein. Manchmal ist die Basis einfach nur Anziehung und man stellt fest, dass man
      sich gar nicht wirklich menschlich versteht. Erfolgreiche Langzeitbeziehungen haben als Basis Freundschaft, das ist richtig.

      Antworten
  2. Karin

    Hallo Dami, was steckt hinter dem Bedürfnis, sich sofort zu offenbaren und die ganze Lebensgeschichte zu erzählen?
    Viele Grüße,
    Karin

    Antworten
    • Dami

      Hallo Karin, solche Fragen sind schwer zu beantworten, ohne dich zu kennen. Vielleicht der Wunsch nach Kontakt oder gesehen werden, vielleicht Grenzen nicht gut einhalten zu können, vielleicht Nähe zu schnell herstellen zu wollen. Ich weiß es so nicht, aber vielleicht kannst du mit meinen Überlegungen ja etwas anfangen. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  3. Karin

    Hallo Dami, spontan kann ich mit dem Wunsch, gesehen zu werden, sehr gut etwas anfangen. Das ist ein Thema, das mir auch an anderen Stellen schon begegnet ist, bis hin zu wahnsinnig flacher Stressatmung, wenn ich ignoriert werde. Das hat aber auch etwas mit Grenzen zu tun: Ich setze weniger Grenzen, um nicht Gefahr zu laufen, übersehen zu werden. Also lieber etwas mehr beim Kennenlernen von mir preisgeben, als übersehen zu werden. Vielen Dank für deinen Denkanstoss!

    Antworten
  4. Alexandra

    Liebe Dami,
    dein Artikel resoniert sehr bei mir. Ich habe außerdem das Problem, überhaupt jemanden kennenzulernen, mit dem ich evtl. eine Freundschaft aufbauen könnte. Wo kann man denn überhaupt noch neue Menschen, die evtl auch noch vielleicht zu mir passen könnten, kennenlernen?
    Und dann auch noch die Stufe zu schaffen von „ich habe mich einmalig ganz nett und unverfänglich mit jemandem unterhalten “ bis hin zu „komm wir treffen uns mal und schauen ob wir uns anfreunden wollen „. Hast du da Tipps?

    Antworten
    • Dami

      Liebe Alexandra,
      vielen Dank!
      Ich denke, am ehesten lernst du Menschen, die zu dir passen dann kennen, wenn du deinen Interessen folgst. Egal, ob es eine kreative Beschäftigung ist, eine Sportart oder du eine neue Sprache lernen möchtest. Am besten machst du das, indem du dich bei einer Gruppe oder einem Angebot anmeldest.
      Dann kannst du auch schauen, ob du dort auf jemanden triffst, mit dem du dich erstmal zum gemeinsamen Üben verabredest oder einem Spaziergang oder ihr geht einen Kaffee trinken. Das heißt natürlich auch, dass du ein Nein akzeptieren kannst. Eine wirkliche Freundschaft entsteht durch gemeinsame Zeit und du solltest die Schritte behutsam gehen, damit genug Raum zum gegenseitigen Kennenlernen ist.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  5. Clara Lum

    Liebe Dami, vielen Dank für diesen Blogbeitrag. Mir ist dabei noch folgendes eingefallen, dass ich in der Vergangenheit immer wieder sehr unausgewogene und einseitige und bedürftige Beziehungen bzw. Freundschaften hatte. Entweder war die Freundin sehr in der Rolle der Kümmerin und Zuhörerin oder manchmal war das auch meine Rolle. Das hat sich dann oft nicht so schön angefühlt, mehr wie eine Abhängigkeit und war auch oft überfordernd und belastend und gemeinsamer Spaß ist viel zu kurz gekommen oder war gar nicht vorhanden. Überhaupt erlebe ich immer wieder, dass Beziehungen manchmal sehr unausgewogen und etwas mit Abhängigkeit zu tun haben können. Wie kann man das verändern?

    Antworten
    • Dami

      Liebe Clara, das braucht Zeit und viel Selbstbeobachtung. Es hat oft mit einer Frage zu tun, wie: was bedeutet Liebe für mich? Manchmal heißt es, dass ich gebraucht werde oder dass ich jemanden brauche… Und wir brauchen natürlich alle von Zeit zu Zeit jemanden, das ist vollkommen ok. Wir können aber gerade, wenn wir jemanden kennenlernen beobachten, was ist der Kern unserer Beziehung? Wie nehmen wir Bezug aufeinander? Manchmal kennen wir nur „kümmern“ oder „Witze machen“ oder „intelligent wirken“ etc. Und dann nehmen wir eben diesen vertrauten Weg, um Beziehung und Sicherheit herzustellen.
      VIelleicht helfen dir meine Gedanken ein bisschen weiter. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten

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