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Woran erkenne ich ein Trauma?

von | 07.07.2017 | 10 Kommentare

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Transkript

Hallo und herzlich willkommen! Ich freue mich, dich hier begrüßen zu dürfen. Mein Name ist Dami Charf und ich bin die Gründerin der Methode Somatische Emotionale Integration (SEI). Heute möchte ich etwas darüber erzählen, woran man traumatisierte Menschen erkennt. Viele Menschen sind sich total unsicher bei einer Einschätzung z.B. in Bezug auf Freunde oder Familienmitglieder. Aus meinem Umgang mit Trauma in der Praxis kann ich ein paar Erkennungszeichen nennen, an die ich mich selbst zur Zeit halte. Das hat keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, aber ich komme damit gut zurecht.

Schock-Trauma und Entwicklungs-Trauma

Wie bei vielen anderen Themen schon angesprochen, müssen wir hier wieder zwischen Schocktraumata und Entwicklungstraumata unterscheiden. Einerseits sind da die ganzen klassischen Symptome, wie Flashbacks und Intrusionen, also dass Erinnerungen und Bilder auf einen einstürmen. Das sind typische Symptome von Schocktraumata. Es gibt aber ganz viele Menschen, die so spezifische Symptome gar nicht haben, die Symptome sind sozusagen ein bisschen subtiler (ohne dass sie nicht trotzdem sehr viel Leiden verursachen). Weiter gibt es allgemeine Symptome, also welche Schocktraumata und Entwicklungstraumata gemeinsam haben. Diese haben mit Übererregung zu tun. Das kann sich so äußern, dass das ganze Nervensystem ständig auf einem sehr hohen Aktionsniveau ist, oder auch durch heftige Wechsel zwischen extremer Erregung und einem Mangel an Erregung, wie bei einer Depression, wo der Erregung statt der normalen Entspannung sozusagen das Kollabieren folgt.

Schock-Trauma erkennen

Bei Schocktraumata achte ich darauf, ob die betroffene Person von dem auslösenden Ereignis erzählen kann. Wenn das so ist, auch wenn sie dabei traurig ist und weint, dann handelt es sich zwar um ein schreckliches Erlebnis, aber nicht um ein traumatisches. Bei traumatischen Ereignissen können Menschen nicht darüber reden, ohne von sich selbst und von ihrem Gegenüber auf Distanz zu gehen. Lass es mich so erklären: Wenn eine Person von einem traumatischen Erlebnis erzählt, dann wird sie von Gefühlen und Bildern überflutet und kann das genauso wenig aushalten, wie bei dem Ereignis selbst.

Dann bleiben zwei Möglichkeiten: Einerseits könnte die Person dissoziieren, sich also von ihren Gefühlen abspalten, um von ihnen nicht mehr so erdrückt zu werden. Als Gegenüber merkt man das dann z.B. an einer sehr flachen Stimmlage. Du kennst das vielleicht am Beispiel deiner Großeltern, wenn sie vom Krieg erzählen und ihre Stimme ganz ausdruckslos wird. Ihnen fehlt dann völlig der Zugang zu den Gefühlen, die sie bei diesen Erlebnissen hatten. Manchmal kommt es sogar vor, dass Menschen beim Erzählen an Stellen lächeln, wo es einem als Zuhörer schlecht wird. Oder sie erzählen von den Ereignissen in einem unpassenden Rahmen.

Die andere Möglichkeit ist, dass die Gefühle beim Erzählen überhaupt nicht abflachen. Sie sind so stark, dass die Person sie nicht halten kann und gewissermaßen unter ihnen zusammenbricht. Das geht über gewöhnliche Traurigkeit hinaus, die betroffene Person wird wie weggeschwemmt.

Entwicklungstraumata erkennen

Bei Entwicklungstraumata sehen die Trauma-Symptome ganz anders aus, da dort die Verletzung über einen längeren Zeitraum stattgefunden haben und sich oft sozusagen in unserer Persönlichkeit festgesetzt haben. Häufig handelt es sich um sehr frühe Geschehnisse, etwa Vernachlässigung im Baby- oder Kleinkindalter. Allein gelassen zu werden ist in dieser Zeit ein Beispiel für eine hoch beängstigende, traumatische Situation. Das führt zu einer anderen Symptomatik als der oben angesprochenen. Betroffenen Menschen fehlt oft der Zugang zum eigenen Körper. Die eigenen Bedürfnisse und Gefühle werden völlig vernachlässigt. Die Personen sind gewissermaßen im Kopf und einer Welt des Intellekts gefangen. Sie empfinden das nicht zwingend als Gefangenschaft, als Freund oder Freundin sieht man dann eher, dass der Person etwas fehlt. Manche gehen dagegen vollkommen darin auf und machen daraus eine Karriere. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, denn schließlich muss jeder selbst bestimmen, ob er Leidensdruck hat oder nicht.

Aber damit haben wir dann oft als Grundsymptomatik ein Nicht-angekommen-sein im eigenen Körper, ein hohes Erregungsniveau im System, was eben oft dadurch kaschiert wird, dass man einfach weiter arbeitet oder weiter macht. Es gibt auch noch andere Symptome wie Schlaflosigkeit, depressive Episoden, Konzentrationsschwierigkeiten und Wutanfälle. Solche Dinge können einen Hinweis darauf geben, dass da früher etwas nicht so gut gelaufen ist, müssen aber nicht. Leider ist die therapeutische Psychologie keine exakte Wissenschaft. Aber wenn man merkt, dass man Leidensdruck bekommt und sich nicht mehr fallen lassen kann, Stress mit Vertrauen hat und ständig in Anspannung ist, dann ist das wohl ein guter Zeitpunkt, es näher zu untersuchen.

Ich wünsche dir alles Gute und bedanke mich für dein Interesse!

Deine Dami Charf

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10 Kommentare

  1. Alice Werner

    Vielen Dank genau an dem Punkt bin ich nun. Witzig ist Du erzählst mein Leben. Ich bin jetzt 48 Jahre und seit rund einer Woche ist mir klar das ich unter einem Schock- Entwicklungstrauma lebe….! Bin in Gesprächstherapie habe vllt noch 5 Sitzungen . Wir versuchen die Heilung durch Healingcode….ich wünsche mir das es greift u ich mich erkenne u lieben zu können , Nähe nicht mehr als Gefahr erlebe sondern als etwas wundervolles….in meiner Kindheit war ich sehr sehr neugierig doch wurde sie mir genommen. Ich will das sie wieder kommt weil ich ein Recht auf Leben habe u ich denke es wird Spass machen. Da ich mich als Spiritueller Mensch sehe ist rs kein Zufall auf Deiner Seite gestossen zu sein….Danke

    Antworten
  2. Micaela

    Was ist das, wenn man nach außen stark und selbstbewusst wirkt und glücklich wirkt aber allein depressiv und traurig wird und weint wegen Erlebnisse die man nicht verarbeitet bekommt ????

    Antworten
    • Dami

      Hallo Micaela, wenn das so ist, dann ist es vielleicht ein Weg, dass du lernst mehr zu zeigen, wer du wirklich bist. Dann wirst du andere Menschen kennen lernen und auch mehr Unterstützung bekommen. Das dauert und ist nicht immer einfach, aber lohnt sich.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  3. Lara

    Ein sehr hilfreicher Beitrag. Dass es Unterschiede gibt, wusste ich bisher nicht. Gut, dass Sie mich darüber aufgeklärt haben!
    Dass die Symptomatik bei Traumata nicht eindeutig festzulegen ist, weiß ich bereits. Dennoch stellt sich mir die Frage, worum handelt es sich, wenn man an ständig immer wieder kehrenden Flashbacks leidet, die im Alltag oftmals Blackouts verursachen und die Nacht schlaflos gestalten? Flashbacks mit Bildern und Ausschnitten der Erinnerung an Dinge, die man erlebt hat; verschiedene und mehrere unangenehme und quälende Dinge, die man in einem bestimmten Zeitabschnitt erlebt hat und sich unter Anderem selbst eingebrockt hat (aufgrund einer Persönlichkeitsstörung).

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  4. Eva Engel

    Wie lebe ich mit langjährigem Trauma

    Antworten
    • Dami

      Liebe Eva, das kann ich dir hier und auf einem Post einfach nicht beantworten.

      Antworten
  5. Furkan

    Hallo, ich bin derzeit komplett überfordert. Ich bin eigentlich ein „sehr“ ruhiger mensch und habe vorher alles auf die reihe bekommen egal wie, nur seit 1-2 jahren bin ich extrem aggressiv geworden, weil ich manche dinge nicht bearbeiten kann und ich nicht so voran komme. Ich kann es irgendwie nicht bearbeiten, ich versuche ständig nachzudenken über mich und alles andere aber ständig werd ich von der welt abgelenkt. Ich hatte eine freundin die mit mir schluss machte und ich habe sehr oft ein seelischen schock bekommen wegen betrug und sonstiges. Daraufhin hab ich die schule nicht geschafft wobei das im eigentlich kein problem wär, noch ein schock was mir bis heute nicht aus dem kopf geht weil mein lehrer mich ständig unter druck setzte und meinte ich müsste mich ändern, seitdem her hab ich probleme und den drang mich ständig für andere menschen ändern zu müssen. ich spiele mein charakter komplett auf. ich kann es nicht kontrollieren. Ich habe ständig das Gefühl in einer sehr schweren depression zu sein. daraufhin hab ich 1 jahr lang die schule geschwänzt weil ich niemandem davon erzählen konnte was es genau ist. Ich habe darauf weil ich die schule schwänzte komplette leere in mir gespürt, die ziele so gut wie verloren und sonstiges. Mein traum war und ist es zur polizei zu gehen, und ich wusste dass sobald ich mich bewerben kann ich sofort alles dafür geben würde und jetzt fehlt mir die luft für alles. ich muss ständig an die schule und arbeit denken obwohl es kein grund dafür gibt. Ich habe manchmal richtig gute phasen wo ich meinte ok jetzt bin ich ich wieder aber dann ändert sich es wieder. Ich wäre Ihnen sehr sehr dankbar wenn sie mir helfen könnten und wie ich das wieder weg bekomme auch gegen entgelt.

    Antworten
    • Dami

      Hallo Furkan, das hört sich alles nicht gut an. Ich denke, dass du dir eine therapeutische Begleitung suchen solltest, um wieder Ordnung in dein Leben zu bekommen. So ein Prozesse braucht etwas länger, aber es kann dir helfen wieder deine Spur zu finden. Hier an dieser Stelle, kann ich dir leider keine Unterstützung anbieten und ich biete auch keine EInzeltherapie mehr an. Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  6. Jessica Köckritz

    Hallo, ich bin traumatisiert worden in meiner Kindheit über zwei Jahre und nochmal an einem Tag zweimal im Jahr 2015. Ich finde aber keine Hilfe, eine Traumatherapie wurde abgebrochen da ich schwere Symptome habe und andere Kliniken nehmen mich gar nicht erst auf. Ich leide unter stundenangen dissoziativen Krampfanfällen und das täglich und bekam jetzt zudem noch eine Halbseitenlähmung dazu. Daher finde ich auch keine Psychologin, die sich zutraut mit mir zu arbeiten. Ich habe also keinerlei Gespräche und es geht mir schlecht. Ich habe sogar Suizidgedanken. Wegen der Anfälle kann ich einmal im Jahr in eine spezielle Anfallsklinik aber da wird das Trauma leider nicht bearbeitet. Die Traumatherapie wurde wegen der Dauer der Anfälle und der Lähmung abgebrochen und sie sagten mir, dass ich ein halbes Jahr anfallsfrei sein muss, um dort eine Therapie machen zu können. Aber das ist ein Teufelskreis. Allein schaffe ich es nicht. Können Sie mir vielleicht helfen?

    Antworten
    • Dami

      Liebe Jessica, das hört sich alles ganz furchtbar an was du da erlebst. Und ja, das ist ein Teufelskreis, weil niemand die Verantwortung übernehmen möchte. Leider weiß ich auch nicht, wie ich dich unterstützen kann. Mein Angebot siehst du ja auf meiner Seite hier. Ich denke, der Trauma Onlinekurs ist auch einfach viel zu wenig für dich. Hast du es mal mit einem guten Osteopathen versucht? Dass der dich über die Körperebene versucht mehr zu regulieren? Das ist leider alles, was mir noch als Rat einfällt.
      Ich wünsche dir dennoch den Mut nicht aufzugeben!!! Herzliche Grüße, Dami

      Antworten

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  1. „Bin ich traumatisiert?“ – Schock und Entwicklungstrauma erklärt — Loredana Di Filippo - […] Weitere Quellen: Dami Charf […]

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