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Trauma und Einsamkeit

von | 11.09.2017 | 9 Kommentare

Wie Trauma zu Einsamkeit führt

Fühlst du dich oft einsam, obwohl du unter Menschen bist?Menschen mit einer traumatischen Geschichte, egal ob Schocktrauma oder Entwicklungstrauma haben oft das Gefühl tief innen einsam und fast unberührbar zu sein. Als wäre etwas weggeschlossen und man hat sogar selbst den Schlüssel verloren.

Trauma macht aus verschiedenen Gründen einsam. Zum einen kann es sein, dass man etwas fast unaussprechliches erlebt hat und immer denkt „das kann niemand nachfühlen oder verstehen“.

Zum anderen machen sehr frühe Verletzungen einsam. Man hat das Gefühl hinter einer Glasscheibe zu sitzen und den anderen beim Leben zu zuschauen. Das ist ein schreckliches Gefühl und es ist entstanden, weil wir ganz früh – womöglich schon vor unserer Geburt – nicht wirklich willkommen waren. Oder unsere Eltern unfähig waren uns dieses Willkommen zu geben.

Wenn ganz frühe Erfahrungen uns gezeigt haben, dass wir irgendwie falsch sein müssen oder irgendwie nicht passen, dann führt das zu diesen tiefen sprachlosen Einsamkeit. Niemand interessiert sich wirklich für uns und wir fangen an zu glauben, dass das für alle Menschen um uns herum gilt.

In diesem Video geht es um diese Einsamkeit und ich versuche sie zu erklären….

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Wie Trauma zu Einsamkeit führt

Hallo, ich bin Dami Charf und heute geht es um das Thema Einsamkeit, obwohl jemand anderes da ist.

Einsamkeit ist die Gefährtin von Trauma

Einsamkeit ist meiner Meinung nach ein Wegbegleiter von fast jeder Art von Trauma, egal ob das ein Schocktrauma oder ein Entwicklungstrauma ist. Einsamkeit ist eine der Folgen, über die kaum gesprochen wird, und sie entsteht dadurch, dass es etwas in uns gibt, das wir oftmals nicht wirklich in Kontakt bringen können, weil etwas in uns verschlossen ist, fast wie vor uns selbst.

Niemand versteht mich

Das ist das Eine, was zu dieser Einsamkeit beiträgt, dass man das Gefühl hat, niemand versteht einen richtig, oder etwas ist so schrecklich, dass es mich von anderen trennt. Davon ist ein Teil bestimmt auch wahr für viele Menschen, und ein Teil ist fast wie ein Muster, ein Vorurteil, das wir irgendwann mitnehmen in unser Leben, weil wir früher so wenig gesehen worden sind in unserem Leid, und so wenig Schutz bekommen haben, dass wir heute denken, niemand kann uns wirklich verstehen.

Kann ich mich zumuten?

Deswegen probieren wir oft gar nicht aus, uns das zuzumuten, und ich sehe in meiner eigenen Geschichte immer wieder das Gefühl, ich kann mich niemandem zumuten und niemand hält mich aus. Der Fehler, den wir in unserem Denken oft machen, ist der, dass es gar nicht darum geht, ganz vielen Menschen detailgetreu zu erzählen, was passiert ist oder was uns widerfahren ist. Es geht eigentlich darum, sich anzuvertrauen und zuzumuten mit den Gefühlen, die man heute hat, vielleicht mit dem Gefühl der Verzweiflung und eben der Einsamkeit. Diese Gefühle sind durchaus für andere Menschen auszuhalten. Das sind natürlich besondere Menschen, das ist nicht jeder, das ist total klar, das macht man nicht beim Kaffeetrinken, aber überhaupt den Mut zu haben, sich anderen wieder zuzumuten. (Ich kann das gar nicht anders beschreiben, aber ich glaube, du wirst wissen, was ich meine.)

Wenn ich nie landen durfte

Das ist ein Aspekt, der uns einsam macht, wenn wir uns nicht mehr trauen, uns zu zeigen, wie wir sind, und den Schmerz, der in uns ist. Der andere Aspekt ist, dass Einsamkeit auch dadurch in uns entsteht, eine tiefe Einsamkeit, weil wir uns einfach nie gefühlt gefühlt haben. Da war nie jemand da, niemand hat sich je wirklich bemüht, uns zu sehen, wie wir wirklich sind, oder bei uns zu sein, uns die Hand zu halten, uns Zeit zu geben, überhaupt bei uns selbst zu landen, und das eben oft von frühester Kindheit an. Manche von uns sind schon direkt nach der oder sogar vor der Geburt nicht gelandet und gewollt gewesen. Dieses Gefühl, nicht landen zu dürfen, einfach keine Heimat zu finden, das macht wahnsinnig einsam und ist eines der schrecklichsten Gefühle, die es gibt, weil es sich so unerlösbar anfühlt – das ist manchmal, als hätte man eine Markierung, und man kriegt es einfach nicht hin, da herauszukommen.

Gemeinsam einsam

Was ich leider oft erlebe, ist, dass Menschen diese Einsamkeit behalten, auch wenn man neben ihnen sitzt, ihnen die Hand hält, da ist und wirklich auf sie schaut. Trotzdem ist da das Gefühl, ich bin einsam. Und die Erkenntnis, dass diese Einsamkeit nicht einfach vergeht, weil da jemand ist, ist erst einmal hart und schmerzhaft. Der Weg da heraus ist, sich immer mehr zu trauen, bewusst zu sehen und wahrzunehmen, da ist jemand, da ist eine Hand, die ich jetzt halte, heute ist jemand da, heute fühle ich jemanden. Wenn wir anfangen, das zuzulassen, diese Hand zu fühlen, zu fühlen, da ist jemand, dann geht es uns leider nicht ad hoc besser, das ist das Tragische daran, sondern dann wird es eigentlich erst richtig schmerzhaft. Denn erst im Kontakt mit anderen können wir spüren, wie einsam wir wirklich waren, womöglich unser ganzes Leben lang.

Nach dem Schmerz und der Trauer wird der Himmel blauer

Trotzdem kann ich Dich wirklich nur ermutigen, durch diesen Schmerz zu gehen, denn der andere Schmerz ist so endlos, dieser aber endlich, weil dann die Wunde von früher heilen kann. Das klingt banal, ist es aber gar nicht – bewusst zu spüren, da ist jetzt jemand, da interessiert sich jemand für mich, da sitzt jemand neben mir, oder auch körperlich jemanden spüren zu dürfen, der nichts von Dir will, sondern einfach nur da ist, und Du hast die Zeit, zu spüren, da ist jemand.

Trau dich eine Hand zu nehmen

Das ist meiner Erfahrung nach das Einzige, das uns wirklich langsam, Schritt für Schritt aus dieser tiefen Einsamkeit, die wir aus unserer Geschichte mitbringen, auf einen Weg hinaus in die Sonne führt, dahin, wo es warm ist. Das wünsche ich Dir von ganzem Herzen, diesen Mut aufzubringen und Dich Stück für Stück zu trauen, Dich mehr zuzumuten und mal eine Hand zu nehmen und zu spüren, dass da jemand ist.

Ich hoffe, das ist eine Anregung für Dich und wir sehen uns beim nächsten Blog vielleicht wieder. Wenn Du magst, schreibe Dich auf meiner Seite ein, traumaheilung.de, da bekommst Du eine ganze Videoreihe, um Dich selbst und Trauma besser zu verstehen. Zweimal im Jahr mache ich auch einen begleiteten Onlinekurs dazu und Gruppen hier vor Ort in Göttingen, aber an Wochenenden, damit auch Leute von weiter weg herkommen können.

Ich wünsche Dir erst mal einen guten Tag und bis zum nächsten Mal, tschüs.

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9 Kommentare

  1. Antje kampermann

    Liebe Dhami aus ganzem Herzen danke ich Dir für deine zutiefst durchdrungenen hilfreichen Erläuterungen zum Thema Trauma in seiner Gänze.Da Göttingen von Stuttgart zu weit weg liegt und so wie es aussieht der Süden Deutschlands noch nicht beseelt ist von deinen reichen Erfahrungen möchte ich Dich fragen ob Du mir raten kannst zu einer ähnlichen effizienten Theraphieform was Entwicklungstrauma angeht.Ich suche ganz konkret eine Möglichkeit mein Entwicklungstrauma mit Unterstüzung zu bearbeiten.Schade denn ich habe nach gründlicher Rescherche absolutes vertrauen gefasst in Dein Tun!oder gibt es vielleicht aus deinem Erfahrungswert auch die Möglichkeit über Seminarteilnahme bei Dir diese Arbeit hier in Stuttgart für mich alleine weiter fortzusetzen? Der Zeitpunkt ist da um zu Beginnen!!!
    In Liebe mit tiefem Dank für dein Sein
    herzl. Antje

    Antworten
    • Dami

      Liebe Antje
      Vielen Dank für deine schöne Rückmeldung! Auf meiner Seite findest du Therapeuten, die ich empfehle und sicherlich wäre auch die Prozessgruppe etwas für dich…nur ist die leider schon voll. Aber wir basteln grad an Alternativen. Schau doch hin und wiedr auf meine Seite.
      Alles Gute weiterhin für Dich!
      Dami

      Antworten
    • Sven L.

      Hallo Antje,

      nachdemn ich ganz ähnliche Erfahrungen bei der Suche nach Therapiepartnern in Stuttgart und Umgebung gemacht habe, wie Du, die Frage an Dich: Bist Du fündig geworden und kannst mir einen Therapiepartner empfehlen?

      Ganz herzlichen Dank und liebe Grüße,
      Sven

      Antworten
  2. Gerd

    Hallo liebe Dami,bin ja schon in vielen deiner Beiträgen gewesen und ich merke das es warscheinlich das Thema ist was mein Leben steuert.Ich lebe im Wohnwagen,da ich das Gesellschaftlich nicht Aushalte,hast du eine Adresse in der Nähe von Wipperfrüth wo ich mir Hilfe holen kann?!Hab schon einiges Ausprobiert,oder gibt es die Möglichkeit bei dir in Göttingen einen Kurs zu machen?!
    Es ist Super zu sehen das ein Mensch nach soo vielen Jahren des Leids das du es endlich zu Sprache bringst und die Tools diese Gordischen Knoten zu lösen!!!
    Vielen lieben Dank!!!!!!!!!!!!!!
    Gerd

    Antworten
    • Dami

      Hallo Gerd, du findest alle Therapeuten, dich ich gut kenne auf meiner Seite, wenn du auf den Reiter Kontakt klickst. Aber es gibt sicher noch mehr Therapeuten, die ganz gut arbeiten. Meine gesamten Angebote findest du auf meiner Webseite, schau es dir einfach mal an. Alle Informationen dazu auch.
      Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  3. Cornelia

    Liebe Dhami, ich habe die ersten Worte gelesen und dachte, woher kennt die mich…. Ich komme aus dem Raum Düsseldorf und suche dringend eine Therapie, die mich hört, so wie Deine Worte!

    Antworten
    • Dami

      Liebe Cornelia, wenn du auf Kontakt klickst, findest du alle Therapeuten die ich persönlich gut kenne. Aber es gibt sicher noch mehr gute Therapeuten, aber ich kenne sie nicht. Alles Gute bei der Suche! Herzliche Grüße, Dami

      Antworten
  4. Brigitte

    Hallo Dami!
    Ich weiß auch nicht, ich will und kann nicht handeln. Ich gebe so schnell auf. Ich weiß nicht ob ich nur negativ konditioniert wurde. Ich habe eine Reihe Traumata erlebt, habe 35 Jahre Cannabis konsumiert, mein Leben aber gemeistert. Ich beschäftige mich viel mitt Psychologie, arbeite mit Menschen und bin darin gut. Vielleicht ist das auch die Schwierigkeit? Ich halte aber Nähe im privaten Leben nicht aus. Da ich in Hannover lebe wäre Göttingen nicht das Problem. Ich selbst bin das Problem!

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  5. K.

    Hallo,
    in vielem was Du schreibst finde ich mich wieder. Das Gefühl der grenzenloser Einsamkeit ist entsetzlich. Wem es auch so geht: habt Mut. Man kann etwas tun. Vielleicht wird man das Gefühl in Gänze nie wieder los (zumindest habe ich bei mir den Eindruck), aber es kann seinen Schrecken verlieren.

    Mir hat es geholfen das Gefühl, wenn es kommt, für einen Moment zuzulassen und nicht verzweifelt versuchen, es zu unterdrücken. Am Ende unterdrückst Du jegliches Gefühl.

    Ja und einen (oder mehrere) Menschen finden, mit dem man darüber reden kann. Und vor allem, überhaupt den Mut zu finden, darüber zu reden. Man ist nicht damit alleine. Es scheint eine Reihe von Menschen zu gehen, denen es ähnlich geht.

    Grüße
    K.

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