Traumatherapie: Therapeuten-Suche

Wie du eine gute Psychotherapie findest

Auf dem Weg zu einer Psychotherapie entstehen viele Fragen. Die Angst sich mit dem eigenen Leiden auseinanderzusetzen, sich jemandem anzuvertrauen oder vor unzureichender Hilfe in der Therapie halten uns oft lange ab, bis wir den Schritt endlich wagen. Unsere Erwartungen an die Person, die uns helfen soll, sind groß und die Sorge, enttäuscht zu werden, ebenfalls.
Vielen Menschen geht es so. Es gibt einige Dinge zu beachten, die dir bei deinen spezifischen therapeutischen Bedürfnissen und Ansprüchen weiterhelfen sollen. Denn wir alle haben eine unterschiedliche Geschichte, deren Bearbeitung unterschiedlicher Unterstützung bedarf.

Starker Leidensdruck führt oft zu mangelnder Entscheidungsfähigkeit

Auffällig ist, dass die meisten Menschen sich erst auf die Suche nach einer/m Psychotherapeut*in machen, wenn der Leidensdruck und der damit verbundene Stresspegel schon relativ hoch sind. Problematisch daran ist, dass wir in Stresssituationen kaum einen klaren Kopf haben, um die passende Person und Therapieform auszuwählen. Vor allem suchen wir dann nach schnellen Lösungen und geben uns oft nicht mehr die Zeit, um gut zu wählen.

Der Weg zum Therapeuten

Eine sehr häufige Anlaufstelle sind Ärzte, die nach Rat gefragt werden. Doch meistens kennen diese sich sehr wenig mit dem umfassenden Angebot therapeutischer Maßnahmen aus. Die meisten Ärzte verweisen auf kassenärztlich zugelassene Psychologische Psychotherapeuten.
Die nicht kassenärztlich zugelassenen Psychotherapien werden meistens von Therapeuten mit der Zulassungsprüfung Heilpraktiker für Psychotherapie ausgeübt, wie beispielsweise von mir. Aber es gibt auch Psychologen, die keine klassische Ausbildung gemacht, sondern eine der sog. alternativen Psychotherapieformen gelernt haben.

Vor- und Nachteile kassenärztlicher Therapieformen

Das Erste, worauf du stößt, wenn du eine Psychotherapie suchst, ist ein vollkommen unübersichtlicher Therapiemarkt.
Der einfachste Weg für gesetzlich versicherte Klienten ist, zu den kassenärztlich zugelassenen Psychotherapeuten zu gehen, da die Therapie dann von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird. Wenn du dich an die kassenärztlich zugelassenen Methoden halten willst, stehen dir die folgenden Verfahren zur Verfügung:

  • Psychoanalyse,
  • Verhaltenstherapie,
  • Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Systemische Psychotherapie

Ein Nachteil dabei ist, dass du inzwischen meist viele Monate auf einen Therapieplatz warten musst. Vor allem dann, wenn ein Therapeut einen guten Ruf hat.
Kassenärztlich zugelassene Therapien bieten außerdem nur einen Bruchteil der Therapieformen und Methodenauswahl an, die heutzutage möglich sind. Damit bleiben dir womöglich Therapieformen, die bei dir eventuell angebracht und wirksam wären, unzugänglich. Zumindest, wenn du sie nicht selbst bezahlen willst oder kannst. Insbesondere in der Traumatherapie bleiben Klient*innen hier wertvolle methodische Wege versperrt.

All diese Therapieformen beschreibe ich in meinem Ratgeber „Wie man einen guten Psychotherapeuten findet“ und benenne Pro und Contra. Wie sinnvoll ist eine reine Gesprächstherapie zum Beispiel als Traumatherapie? Generell gesprochen, ist sie in diesem Kontext nicht zu empfehlen, sondern oftmals kontraindiziert, vor allem wenn die Therapeuten keine Weiterbildung im Bereich Trauma haben.

Verschiedene Therapieformen

Neben den kassenärztlich zugelassenen Therapieformen gibt es noch körperorientierte Psychotherapien und auch da verschiedene Methoden mit sehr unterschiedlichen Ausrichtungen. Ich gebe hier noch eine wichtige Anmerkung zu der Bezeichnung ‚körperorientierte Therapien‘. Dieser Begriff ist irreführend, bezeichnet er doch auch Methoden wie Feldenkrais, Rolfing oder ähnliches. Auf der Suche nach einer körperlich ausgerichteten Psychotherapie sollte man daher unbedingt auf den Zusatz ’Psycho-’ achten und nach Körperpsychotherapien Ausschau halten.

Bei der Systemischen Therapie ist wichtig zu wissen, dass diese wenig psychodynamisch arbeitet. Das heißt, hier arbeitest du nicht mit deinen inneren Mustern, die durch deine Geschichte entstanden sind, sondern eher mit dem sozialen Umfeld, aus dem du stammst. Das heißt, der Fokus liegt auf der Gegenwart und Zukunft und weniger auf dem, was dich psychisch belastet.

Was macht einen guten Therapeuten aus?

Nachdem du dich genügend informiert und mühsam durch den Angebotsdschungel gearbeitet hast, weißt du vielleicht, was du willst und brauchst. Aber sofort taucht das nächste Problem auf: Du sitzt vor einem Therapeuten und weißt eigentlich überhaupt nicht, wie du die Person vor dir beurteilen sollst.
Einer der wichtigsten Punkte ist deshalb, dass du wirklich das Gefühl hast, dass die Person vor dir dich sehen kann – und zwar auch in Bezug darauf, was du nicht erzählst. Deine Therapeutin oder dein Therapeut sollte dich wirklich gut spiegeln können, und zwar auch Dinge, die dir neu sind oder die du nicht gerne zeigen möchtest. Sie oder er sollte etwas in dir anregen und dich zum Nachdenken bringen.
Es geht in der Therapie darum, dass du ganzheitlich gesehen werden kannst und dann an dir zu arbeiten lernst. Wenn ein/e Therapeut*in zwar ein/e nette/r Gesprächspartner*in ist, bei dir aber keine Veränderung anregt, wird der Zweck einer Therapie nicht erfüllt. Es bleibt womöglich lediglich das nette Gefühl, dass dir jemand zuhört und dich möglicherweise bestätigt.

Ein weiterer Anhaltspunkt ist, dass du das Gefühl haben solltest, dass du emotional aufgefangen werden kannst. Das bedeutet, dass der Therapeut oder die Therapeutin dich mit deinem Leid aushalten kann. Du brauchst in der Bearbeitung deiner Geschichte emotionalen Halt und das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen, damit du dich wirklich öffnen kannst. Es wäre absolut hinderlich, wenn du glaubst, dein Gegenüber würde zusammenbrechen, wenn du von dir erzählst.

Das Erstgespräch, die probatorische Sitzung

Wenn du dann im Erstgespräch sitzt, in der sogenannten probatorischen Sitzung (so heißt das bei kassenärztlich zugelassenen psychologischen Psychotherapeuten), ist es gar nicht so einfach, auf die Fähigkeiten des möglichen Psychotherapeuten zu schauen.
Das Problem ist hier, dass du meistens dazu aufgefordert wirst von dir zu erzählen. Du fängst also an davon zu berichten, was dich beschäftigt, welche Probleme du hast und was dich unglücklich macht. Du tauchst in deine Geschichte ein und wirst mitunter emotional. Das Dilemma dabei ist, dass du darüber vollkommen aus dem Blick verlieren kannst, wie die Person vor dir eigentlich reagiert.
Meist vergisst man dann den Therapeuten zu wichtigen Informationen zu befragen, weil man so mit sich beschäftigt ist. Deswegen bereite dieses Gespräch und anfallende Fragen vorher gut vor. Dann weißt du, was und wie viel du erzählen möchtest und wie viel du über die andere Person vor dir erfahren möchtest.
Leider ist nicht jeder oder jede, der/die Psychotherapie anbietet, in diesem Beruf auch wirklich gut. Wie in jeder Berufsgruppe gibt es gute und schlechte Therapeuten.

Wie funktioniert Psychotherapie?

Die wichtigsten Fragen stellen sich die wenigsten. Diese sind z.B.:

  • Wie funktioniert Psychotherapie?
  • Wie funktioniert Veränderung?
  • Was muss passieren, damit wir uns verändern können?
  • Und was ist eigentlich in uns, das uns so stur an Mustern hängen bleiben lässt, die uns nicht guttun?

Jeder von uns hat schon versucht, sich zu verändern und festgestellt, wie schwer es ist. Deshalb brauchen wir gute psychotherapeutische Unterstützung, die uns bei dem Veränderungsprozess die nötigen Schritte erklärt und uns hilft. In meinem Ratgeber gehe ich auf diesen Aspekt genauer ein. Ich gebe dir dort das nötige Werkzeug dafür, zu wissen, welche Vorstellung der Psychotherapeut von diesen Prozessen haben muss.

Das Wichtigste in einer Psychotherapie ist die Beziehung zwischen Klient*in und Therapeut*in. Es bedarf einer Sympathie auf beiden Seiten. Die zwischenmenschliche Ebene muss passen, damit eine funktionierende Zusammenarbeit möglich wird. Du bist in einer sehr persönlichen Beziehung zu diesem Menschen, auch wenn Du dafür bezahlst. Du musst das Gefühl haben, dieser Person vertrauen zu können – hundertprozentig. Dafür ist es wichtig, dass Du dich gesehen und erkannt fühlst.

Erkenntnisgewinn bringt nicht automatisch eine Veränderung

Nur weil ich etwas erkannt habe, heißt es noch lange nicht, dass es sich ändert! Denn Erkenntnis und ein starker Wille helfen uns zwar dabei, motiviert in den Veränderungsprozess zu gehen, bewirken jedoch nicht die Veränderung selbst. Dafür bedarf es tieferer Arbeit.

Erkenntnis heißt, dass ich zum Beispiel weiß, dass es mir guttut, keine Schokolade zu essen oder nicht zu rauchen oder mehr Sport zu treiben. Jetzt ist dir sofort klar, dass Erkenntnis leider nicht unbedingt zu irgendeiner Handlungsfolge oder Verhaltensänderung führt. Menschen sind vollkommen anders gestrickt und das ist ganz wichtig für dich zu wissen und dies in die Therapie mit einzubeziehen.
Gespräche sind also nur bedingt hilfreich und bei traumatischen Erfahrungen können sie sogar schädigend für den Klienten sein. Was passieren kann, ist nämlich eine Retraumatisierung hervorzurufen, weil sich der Klient immer wieder in die traumatische Situation hineinversetzt. Dadurch wird keine Heilung angeregt und schon gar nicht eine Veränderung bewirkt.
Wenn der Therapeut dich immer wieder von schrecklichen Erlebnissen erzählen lässt, sind seine/ihre Kompetenzen in Traumatherapie sehr anzuzweifeln. Meistens weisen Patienten nach solchen Sitzungen wieder mehr Trauma-Symptome auf und es geht ihnen schlechter als vorher. Auch spezialisierte Traumatherapie-Therapeuten können durch die falsche Wahl der Methode derlei Überforderungen bei Klient*innen auslösen.

Ich wünsche dir den Mut, dich zu trauen, deinen Therapeuten bestimmte Dinge zu fragen. Auch Dinge, die dir mancher Therapeut vielleicht nicht so gerne beantwortet. Dabei ist es wichtig, auf einer Antwort zu bestehen. Es geht hierbei beispielsweise um die Frage, wie lange dein Therapeut in spe selbst Therapie gemacht hat. Dies ist sehr entscheidend für eine gelungene Therapie mit der nötigen empathischen Leitung.
Es ist nicht sinnvoll eine Therapie bei jemandem zu beginnen, der sich nur theoretisch mit Psychotherapie auskennt. Das ist ein bisschen, wie zu einem Schwimmlehrer zu gehen, der viele Bücher übers Schwimmen gelesen hat, aber noch nie selbst geschwommen ist. Das möchtest du vermeiden. Und davon würde ich dir auch wirklich von ganzem Herzen abraten.
Ebenso solltest du ganz konkret die Länge und Dauer der psychotherapeutischen Ausbildung abfragen, am besten die Stundenzahl. Manche Ausbildungen sind nur zwei Mal im Jahr und strecken sich aber über mehrere Jahre. Deswegen ist die Stundenzahl aussagekräftiger. Meine körperpsychotherapeutische Grundausbildung hatte mehr als 1100 Stunden. Danach habe ich mich durch diverse Fortbildungen im Bereich Traumatherapie spezialisiert.

Ich empfehle dir meinen Ratgeber

Dies und viel mehr kannst du in meinem Ratgeber nachlesen. Du bekommst dort konkrete Tipps, was du unbedingt mit deinem Traumatherapie-Therapeuten/deiner -Therapeutin abklären solltest.

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